Ange(Mark)t: Frust und Lust

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Hat es Dir die Sprache verschlagen, wurde ich jetzt gefragt. Wieso denn? Na, wegen der Wahlergebnisse, wurde gemeint: Seit Ewigkeiten kein „Ange(Mark)t“ mehr im KaWe-Kurier. Stimmt schon. Ich war ein längeres Zeitchen auslandig. Aber als ich dort die Wahlergebnisse vernahm und die Wellen brechen sah – da habe ich so gelacht, dass sich die Palmen bogen. Es soll jamaikamäßig werden. Mutti Merkel künftig mit Grünen und FDP am Rockzipfel! Die werden sich verbiegen müssen wie die Bäume neulich im Herbststurm, um regierungskompatibel zu sein. Aber das ist ja auch egal, Wahlversprechen und Inhalte zählen ja eh nicht mehr, wenn man erst mal an der Macht ist. Mal sehen, wie sich die Grünen da verfärben, wenn sie erst am Regierungstisch sitzen. Bei der FDP mit Hemden-Lindner wird das kein Problem sein. Die FDP ist ja wie Herpes: Man wird sie einfach nicht los. Lange hat man sie nicht gehabt und plötzlich ist sie wieder da. Im Gegensatz zur SPD. Nun-doch-nicht-BuKa Martin Schulz ließ danach den Wutpolitiker raushängen und polterte sich den ganzen Wahlkampf-Frust von der Sozi-Seele. „Frau Merkel hat einen Wahlkampf geführt, der skandalös war. Sie wird Deutschland lähmen.“ Die Kanzlerin sagte, sie sei „etwas traurig“, weil Schulz die zu Ende gehende Große Koalition so komplett zerschießt. Und welch ein Stil ist das denn, wenn die nun bald Ex-SPD-Arbeitsministerin Nahles, in schlimmster Prolligkeit wie eine Pegidatusse bölkt: „Ab morgen kriegen sie in die Fresse!“? Dann ist es schon recht, dass die Spezialdemokraten ebensolches von den Wählern bekamen. Amüsant war die Wahl für mich jedenfalls, weil ich nicht geglaubt habe, was an Selbstbeweihräucherung, geistiger Selbstbefriedigung und Selbstgewissheit einzelner Kandidaten möglich ist. Da wusste Schulz doch bereits im Januar, dass er Bundeskanzler wird. Da wusste die SPD zu 100 Prozent, dass sie mit ihm kompatibel ist und wurde monatelang feucht, wenn jemand nur Schulzens Namen nannte. Wird es der Martin nun jemals schaffen, Kanzler zu werden? Vielleicht an der TH in Wildau, aber die haben ja auch schon einen. Wildau und Schulzendorf haben auch wieder einen: einen Bürgermeister, der schon vieles bewirkt hat und nun wieder ran darf.

In KW durfte der SPD-Kandidat laut Wählerwillen nicht ran. Nun hebt das große Wundenlecken bei den Stadt-Sozen an. Haben sie sich das Ergebnis nicht selbst zuzuschreiben? Die selbsternannten „jungen Partei-Wilden“ haben einen ehrenwerten Politiker an Stelle des alten erfolgreichen Bürgermeisters aufgestellt. Aber würde man Jogi Löw trotz seiner Erfolge nicht mehr als Trainer arbeiten lassen – nur um einen Jüngeren haben zu wollen? Und als dann noch unmotiviert ein ehemaliger SPD-Landrat dem SPD-Bürgermeisterkandidaten wahlmäßig ziemlich link öffentlich vors Schienbein trat – dann war das Spiel gelaufen. Bleibt nur zu wünschen, dass der neue „Stadt-Trainer“ die großen Fußstapfen seines Vorgängers schnell und gut ausfüllt, denn KW als eine der erfolgreichsten Städte Brandenburgs kann sich keinen Stillstand leisten.

Wann merken wir, wann die nächsten Bundestagswahlen anstehen? Wenn von der CDU-Bundestagsabgeordneten für unseren Landkreis wieder was zu hören ist. Und was macht sie jetzt? Gute Frage. Nächste Frage. Auf jeden Fall ihre guten Diäten und ihre Altersversorgung sichern. Und überhaupt.

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrter Herr Brandenburger,

    unsere Abgeordnete, Frau Jana Schimke, hat in den vergangenen vier Jahren:

    – 1.300 Termine im Wahlkreis wahrgenommen (außerhalb des Wahlkampfes),
    – 4.500 Besucher aus dem Wahlkreis im Deutschen Bundestag begrüßt,
    – 150.000 Kilometer mit ihrem Privat-PKW im Wahlkreis abgespult und
    – 22 PraktikanntInnen betreut.

    Ich hoffe, dass ich damit die in Ihrem Kommentar aufgeworfene Frage, was unsere Abgeordnete so macht, beantworten konnte. Gleichzeitig bringe ich mein Befremden darüber zum Ausdruck, dass Sie als Journalist davon „nichts gehört“ haben, wie Sie ja selbst einräumt haben. Erstaunt bin ich auch darüber, dass mein erster Kommentar gelöscht wurde.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Sebastian Erxleben

  2. Sehr geehrter Brandenburger,
    Ihrer Kolumne beklagen Sie sich zum Einen darüber, dass Sie von unserem MdB Jana Schimke angeblich – außer während des Wahlkampfes – wenig bis nichts hören. Zum Anderen entnehme ich zwischen Ihren Zeilen Sozialneid auf die Diäten der Abgeordneten.
    Diesbezüglich merke ich an, dass nur derjenige hören kann, der auch hören will. Da Frau Schimke in den vergangenen vier Jahren zahlreiche Termine im Wahlkreis wahrgenommen hat, gehe ich davon aus, dass Sie nicht in der Lage waren oder sein wollten, die Vor-Ort-Termine unserer Abgeordneten zur Kenntnis zu nehmen oder zu recherchieren – aus welchen Gründen auch immer.
    Des Weiteren steht es Ihnen in unserer Demokratie frei, sich einer Partei anzuschließen, um in Ihrer Freizeit an hunderten Sitzungen im Ortsverein teilzunehmen, zehntausende Euro von Ihrem Ersparten in den Wahlkampf zu investieren und dafür fast 5.000 Kilometer mit Ihrem Privatfahrzeug abzuspulen – natürlich auf Ihre Kosten. Sollten Sie sich dazu entschließen, weise ich vorsorglich daraufhin, dass Sie selbst bei diesem Einsatz kein Garantieanspruch beim Wähler auf ein Mandat im Bundes- oder Landtag geltend machen können.
    Als Bürger erwarte zumindest ich – offenbar im Gegensatz zu Ihnen – dass sie im Deutschen Bundestag ihren Job macht und dort unsere Interessen vertritt, statt um regional-mediale Präsenz bei einzelnen Journalisten zu ringen, um damit Bürgernähe zu suggerieren. Dies wird unter anderem von den Bürgerbüros in Rangsdorf und Lübben sichergestellt, die auch Ihnen gerne Ihre Fragen beantworten und sich auf Ihren Besuch freuen.
    Persönlich würde ich es begrüßen, wenn Sie zukünftig bei Ihrer Be- oder vielmehr Verurteilung unserer Politiker die o.a. Fakten berücksichtigen und Ihre eigenen Vorurteile ein wenig mehr selbst reflektieren.

    Mit freundlichen Grüßen Ihr Leser

    Dr. Sebastian Erxleben

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