Anlässlich

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„Anlässlich“ ist immer was zu tun. Früher, zu DDR-Zeiten, wurde anlässlich von Staats-Anlässen oder sonst was das Heraushängen von Fahnen angeordnet. In Berlin und Brandenburg wurde letzte Woche auch was „anlässlich“ angeordnet:  das Heraushängen der Regenbogenfahne – der Fahne der Homosexuellenbewegung. Anlässlich des Christopher Street Days (CSD) und des schwul-lesbischen Stadtfestes. Zu diesen Weltereignissen durften an öffentlichen Gebäuden in Berlin Regenbogenfahnen wehen. Für die Rechte von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Transgendern, Inter- und Bisexuellen.

Ist das im Jahr 2017 noch nachvollziehbar? Sexuelle Unterschiede und Bedürfnisse spielen in Deutschland heute keine Rolle mehr. Jeder kann doch nach seiner Façon leben. Wir haben jetzt die Ehe für alle – weshalb also diese Sakralisierung von vermeintlichen Diskriminierungsopfern? Weshalb muss man sein Schwul- oder Lesbensein raushängen? Wie in Frankfurt/Main, wo es sogar Ampeln gab, die schwule und lesbische Paare zeigten, die sich an der Hand halten und über denen Herzchen schweben: Gemeinsam lieben und stehen bei Rot(steht bei denen nur bei Rot was?), gemeinsam gehen bei Grün. Oh mein Gott! In einem Satiremagazin sah ich jetzt eine  – zugegeben ziemlich grenzwertige – Karikatur zum Thema Ehe für alle: Ein Mann legt einem Schwein den Arm um und das grunzt nur: „Nein heißt nein!“

Die meisten Schwulen und Lesben führen ein stinknormales Leben. Sie setzen sich durch  – ohne zu provozieren,  kommen mit ihrem Umfeld klar. Sie brauchen keine bunten Fahnen der Solidarität. Nur wenn sie ihre Neigungen massiv über die der Heteros – und das ist die Mehrzahl von uns – stellen, ecken sie an. Wie der nervende bekennende schwule Grünen-Abgeordnete Beck, der von „Pickelhauben“-Denken spricht. Weil der Flaggenerlass des Innenministers keine Regenbogenfahne an Bundesgebäuden vorsieht. CDU-Innenminister Thomas de Maizière hatte darauf hingewiesen, dass lediglich eine Beflaggung mit hoheitlichen Staatssymbolen erlaubt sei, um die bundesstaatliche Neutralität zu gewährleisten. Beck sieht das natürlich wieder als Diskriminierung. Gegen irgendwas muss er ja anmotzen. Denn der schwul-lesbischen Bewegung ist mit der Ehe für alle die Munition ausgegangen. Aber da gibt es doch auch noch Reserven. Zum Beispiel, weshalb kann man/frau sich nicht selbst heiraten? Dafür spräche, dass man/frau mit sich selbst nicht fremdgehen oder sich scheiden lassen würde. Aber was ist dann, wenn derjenige schizophren wird? Oder wie man bei einer Homo-Ehe die Partner gendermäßig benamst: Schwuler und SchwulIn? Und vielleicht müssen bald die Heteros um ihre Rechte kämpfen und sich dafür rechtfertigen, weil sie nicht im Schwulensinn regenbogenbunt geflaggt haben. Wie einst diejenigen, die zu Anlässen keine DDR-Fahne draußen hatten. Und überhaupt.

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