Rückwärts gewandt

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Links, zwei, drei – wohin marschiert die Linkspartei? Nach der von der Bundespartei-Mitvorsitzenden Lötzsch losgetretenen Kommunismusdebatte ist das nicht mehr so ganz klar. Zwar haben einige der – wie man früher sagte – führenden Genossen versucht, die Aussagen zu relativieren, aber bei vielen Alt-Denkern fielen sie auf fruchtbaren Denkboden bekannter Art.
Besonders im Dahme-Spreewald scheint das vielfach der Fall zu sein, wenn Linke in der Tagespresse verkünden, dass sie Lötzsch für deren Äußerungen „dankbar“ sind. Der Linken-Kreisvorsitzende Michael Reimann wollte diese Denkungsart nicht mittragen und trat von seiner Funktion zurück. Der bisherige Stellvertreter und auf einem Kreisparteitag neu gewählte Kreisvorsitzende Alexander Helbig sagt, die Kommunismusdebatte sei zuvor kein Thema im Kreisvorstand gewesen. Der Kreisvorstand – so jedenfalls die linke Tageszeitung „Neues Deutschland“ – habe dafür „ja auch keine Zeit“ gehabt. Er sei vielmehr damit beschäftigt gewesen, gegen den alten Vorsitzenden Reimann „zu putschen“, ihm vorzuwerfen, die Linie der Linkspartei in einigen Punkten wie der Wahl des Bundespräsidenten verlassen zu haben.
Vom Kreis-Linksparteitag war in der Tagespresse in einem Leserbrief im alten Parteistil zu lesen: „Es war ein gut vorbereiteter, souverän geführter und erfolgreicher Parteitag mit dem Ziel, Kommunalpolitik – sozial geprägt – für und mit den Bürgern des Landkreises zu gestalten.“ Es fehlte nur die Einfügung „Langanhaltender, stürmischer Beifall, die Delegierten erheben sich von den Plätzen. Sprechchöre: „Welt-re-vo-lu-ti-on! Für al-le!“.“ So stand es einst dann immer noch in den Parteitagsberichten.
Sozial geprägt, hmm… Die jetzt führenden Genossen stimmten kürzlich im Kreistag dem Verkauf der Kreisanteile an den Sana-Kliniken mit zu, wandten sich damit gegen die zuvor von ihnen apostrophierte kreisliche Daseinsvorsorge. Und ein linkes Kreistagsmitglied philosophierte in schlechtester Denkungsart laut über einen Rückwanderungsbeauftragten für Ausländer.
Beobachter registrieren bei vielen Mitgliedern der Linkspartei ein echtes Bedürfnis, über die Kommunismusäußerungen zu reden. Auf erwähntem Kreisparteitag der Linken sollte deshalb auch ein Antrag des ehemaligen KWer Bürgermeisters und jetzigen Landtagsabgeordneten Ludwig sowie des Linkspartei-Landeschef Nord eingebracht werden. Darin werden die Kommunismusgedanken der Vorsitzenden Lötzsch in deren Logik nicht unterstützt.
Der Dahme-Spreewald- Linksparteitag nahm den Antrag nicht an. Die hiesigen Genossen  stellten sich damit gegen die Bundes- und Landespartei.
Links, zwei, drei – wohin marschiert die hiesige Linkspartei? Im Kreis? Mit Alt-Denkern an der Spitze wohlmöglich rückwärts.
Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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