Schlechter Ruf – schiet egal !

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Da sind sich jetzt wenigstens alle einig: Dieser FDP-Lindner ist ein selbstverliebter, egoistischer politischer Verantwortungsflüchtling. Er will nicht an den Mitredetisch bei der Kanzlerin. Nicht mit diesen Parteien dort! Aber etwas anderes finde ich erstaunlich: Dass es noch Politiker gibt, die nicht vordergründig mit aller Macht zur selbigen drängen. Oder nur hinten rum. Denn loslassen können sie nicht. Politik ist ja wie ein Rauschmittel: Manche Leute, die einmal damit in Berührung kamen, kleben daran wie die Fliege am Honigtopf. Zu berauschend das Gefühl zu glauben, plötzlich wichtig zu sein, in der Öffentlichkeit zu stehen, mitreden zu dürfen. Und wenn es dann einen politischen Interruptus – weshalb auch immer – gibt, haben diese Leute mächtige Macht-Entzugserscheinungen. Die politische Wende 1989 hat ja eine Menge Polit-Nobodys nach oben gespült. In der einstigen SBZ – der Sozialistisch Besetzten Zone und also auch hier bei uns in Brandenburg. Sie hatten  von politischen Ämtern bis dato keine Ahnung. Konnten sie auch gar nicht. Einige lernten ganz schnell, auf was es ankommt. Andere glaubten, allein die Kraft ihrer politischen Wassersuppe macht das wett. Sie redeten überall mit und rein, bekamen Ämter  – ob sie nun was von der Sache verstanden oder nur Bahnhof. Aber in einer Demokratie ist es ja so, dass mit neuen Wahlen auch der Wind der Veränderungen weht und manchen wieder vom Machtsessel runter. So war das auch bei den letzten Wahlen – egal, ob nun Landtags-, Kommunal-  oder Bürgermeisterwahlen. Oh, Schreck! Der Kater kam nach dem Machtrausch sehr schnell, dass sie plötzlich wieder ein Normalo sein sollten. Das verhüte der Brandenburger Adler! Was tun? Ganz einfach: Sein Meinungsfähnchen in den politischen Wind hängen und wieder von sich reden machen, wie wir es jetzt hier bei uns erleben. Egal, ob man dummes Zeug redet – Hauptsache, man ist im Gespräch. Dazu macht man sich in Zeitungsäußerungen wichtig. Und gegebenenfalls auch unbeliebt. Indem man alles schlecht­redet, was man als hiesiger Lokalpolitiker bis dato selbst mitgetragen hatte. Oder diejenigen kritisiert, die man bisher hofierte. Nur um sich an die neuen Stadt-Land-Fluss-Regierenden anzuwanzen, diese nun hofiert bis zur Selbstverleugnung, um die eigene Partei, von der vielleicht keiner mehr was wissen will, wieder ins Licht zu rücken oder sich selbst oder Parteimitgliedern Pöstchen zu verschaffen. Und auch wenn es dann Kritik und Häme in der Öffentlichkeit hagelt – schiet egal! Es wird wieder über einen geredet! Besser schlechte Kritik als gar keine! Und man kann wieder an der Macht schnüffeln. Wenn auch nur von hinten. Da wird einem übel. Und überhaupt.

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