Wettern übers Wetter

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Ich weiß es wirklich nicht: Worüber haben wir früher bloß geredet? Wir in der DeDeÄr vielleicht über die neuen richtungsweisenden Beschlüsse der Partei, die immer Recht haben wollte. Oder über den Stand der Einbringung der Getreideernte. Oder über die Planübererfüllung der Eierproduktion von KIM. Die im Westen vielleicht über den neuen Versandhauskatalog, dass Kanzler Kohl einer neuen Birnensorte seinen Namen gegeben hat und dass der Papst wieder boxt.

Und nun reden alle nur noch übers Wetter. Oder wettern. Es gibt kein anderes Thema mehr. Die Sonne scheint in Strömen. Die himmlische Inkontinenz ist momentan das allumfassende Thema. Und wir leiden wie ein Hund am Wetter. Nicht nur bei Regen. Wird’s mal ein bissel warm, heißt es gleich: Hitzewelle! Waahnsinnshitze! Mal ist es zu polarig, dann wieder zu saharadröge oder windelig  – und nun eben angeblich total verregnet. Es hagelt Schreckensmeldungen, wann es rekordhitzig war oder wird, wann es wie stark tröpfelte oder der Himmel seine Schleusen wie weit öffnet, wie stark es wann stürmte. Kurz: Wetterchaos! Die Metereolügner beballern uns mit angstmachenden Unwetterwarnungen wie letzte Woche von den heftigen Tornados, die uns in Brandenburg heimsuchen sollten mit sintflutartigem Regen und eiergroßen Hagelkörnern, die vom Himmel fallen. Und was war? Nüscht! Unwetterwarnung, das heißt übersetzt ja nicht viel mehr als: Haltet den Hut fest! Aber vielleicht ist der Wetter-Computer von einem Trojaner befallen – einem sogenannten „Regenwurm”.

Ich selbst freue mich ja, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es doch auch. Mein Großvater sagte immer: Es regnet – Gott segnet.

Bei Regen kommt mir das Wahlprogramm von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in den Sinn. Der will mehr Gerechtigkeit für alle. Das wäre wie beim Regen: ob nun arm oder ob reich, alle werden nass. Aber in der Realität haben eben manche Riesenschirme, andere gar keine und stehen sozial im Regen da. Es ist ja die Frage, wer am Regen Schuld ist. Rudi Carrell hat mal über einen nassen Sommer gesungen: „Und Schuld daran ist nur die SPD!“ Sehe ich nicht so. Regenwetter hat ja ein Gesicht: das von Merkel. Ich meine aber, Politiker sind generell am schlechten Wetter schuld – sie lügen doch das Blaue vom Himmel herunter. Aber eine Mitschuld haben wir alle: Seit vielen Jahrzehnten erklären Eltern ihren Kindern: „Esst eure Teller leer, dann wird schönes Wetter!” Und was haben wir jetzt davon? Fette Kinder und Unwetter.

Und auch wenn ich jetzt wieder böse Mails von der FrauenbeauftragtInnen  bekomme: Ich sage, so zickig wie das Wetter derzeit ist, wird es nicht von Petrus gemacht! Sondern von Petra. Mein Nachbar maulte neulich ganz empört seine Frau an: „Bei diesem Sauwetter soll ich einkaufen gehen? Da jagt man ja keinen Hund auf die Straße!” Sie: „Ich habe ja auch nicht gesagt, dass du den Hund mitnehmen sollst!”

Trösten wir uns damit, was wir Männer und das Wetter gemeinsam haben: Es ist unmöglich, uns zu ändern. Und stellen Sie sich mal vor, wir hätten gar kein Wetter? Worüber würden wir dann reden? Und überhaupt.

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