Harmonie und Wildnis

Jutta Urbanski lässt in ihrem Garten die Toleranz das Mit- und Nebeneinander der Pflanzen gestalten. Fotos: T. Müller

Die Schulzendorferin Jutta Urbanski öffnet ihr privates Reich zu den Tagen der offenen Gärten

Es ist, als betrete man einen Dom. Hier in der schmalen Weimarer Straße von Schulzendorf, wo sich die Einfamilienhäuser hinter freundlichen Vorgärten entlang ziehen, wechselt man plötzlich aus der Hitze des Tages in einen kühlen, erhabenen hohen Raum. Der baut sich von unten nach oben auf wie ein Gewölbe, in dem Licht, Schatten, Formen und Farben miteinander spielen.

Auch dieser Ort ist “nur“ ein Garten. Und doch ist es ein Kunstwerk, was Jutta Urbanski in rund 40 Jahren aus dem kargen märkischen Sand heraus modelliert hat. Die von ihr geschaffene grüne Oase ist ein sich durchwirkendes Mit- und Nebeneinander von seltenen, majestätischen Bäumen, von blühenden Sträuchern und Blumen, von saftigen Früchten und würzigen Kräutern – ein sich Halten und Anlehnen, eine vielfache Symbiose des Gedeihens. In ihrem Reich, das die Gegensätze von Wildnis und Harmonie aufhebt, lebt die Toleranz. Und genau das ist auch ihr Gestaltungsprinzip, von dem sie meint, dass es nicht nur in einem Garten zu einem fruchtbaren Geben und Nehmen führt.   

Die 78jährige Schulzendorferin zeigt  ihren besonderen Ort  wie rund zwei Dutzende weitere private „Gartenarchitekten“ am bevorstehenden Wochenende während der Tage der offenen Gärten in der Region, die von der Volkshochschule Dahme-Spreewald und dem Naturpark Dahme-Heideseen veranstaltet werden. In diesem Jahr öffnen am 18. und 19. August 23 Gärten der Region ihre Tore. Es gibt Themen-, Haus-, Stein-, Stauden-, Bio- und Landschaftsgärten mit vielen verschiedenen Pflanzen, aber auch mal mit einem Teich, einer  Obstbaumwiese oder einer Kakteensammlung zu sehen. In einigen Gärten können die Besucher spannende Extras erleben wie zum Beispiel eine Traumreisen-Meditation, die Präsentation von Schmuck und Spielzeug aus heimischen Hölzern oder eine Honig-Verkostung.

Jutta Urbanski wird zum Beispiel den ganzen Sonnabend über Besucher empfangen und ihnen Rede und Antwort stehen. „Ich möchte meine Freude an meiner Arbeit und an dem, was sie bewirkt, gern mit anderen teilen“, sagt sie. Denn auch wenn in dieser üppigen, dichten exotischen Pflanzenwelt das Prinzip des Leben und Lebenlassens wirkt, so muss ihre Schöpferin doch von früh bis spät helfend eingreifen, Richtung geben, sozusagen den Dialog der vielen Stimmen moderieren. „Freunde und Bekannte fragen schon mal, was machst du eigentlich den ganzen Tag, dein Garten wächst doch von ganz alleine“, sagt die drahtige Selfmadefrau. „Das ist das Geheimnis. Man soll es nicht sehen, dass ich hier von früh bis spät am werkeln bin.“

In diesem trockenen, heißen Jahr hat sie allein fürs Wässern zahllose Nachtschichten geschoben. Und doch zahlte sich gerade auch jetzt aus, dass die großen Bäume wie die prachtvolle Schlangenfichte, die japanische Schirmtanne, Schein – und Wollzypressen, Säulenwacholder, Amberbaum, Ulmen oder Schlangenhautahorn sich wie ein Schirm über die Pflanzenfamilie darunter spannen. So können nicht nur ihre Lieblingsgewächse, die rund 170 (!) Rhododendren und Azaleen, auch an den ganz heißen Tagen unter der schattigen Haube einigermaßen atmen und verschnaufen. Auch die Clematis, der Blumenhartriegel, die Ramblerrosen, Kamelien, die eichenblättrige Hortensie oder der japanische Flieder halten es in dieser sich schützenden und stützenden Gemeinschaft ganz gut aus.

Dazwischen recken sich Kirsch-, Aprikosen- und Apfelbäume nach dem Licht, das ihnen die fitte Ziehherrin auch verschafft, in dem sie hoch hinauf in die Bäume steigt, um hier Äste herauszunehmen und da auch mal kräftiger zu kürzen. Das danken natürlich auch all die Blühpflanzen des Sommergartens wie der Phlox, Sonnenhut, Hibiscus oder auch die Rosen, die zur Zeit schon im dritten Flor erstrahlen. „Mulchen und schneiden, schneiden und mulchen, das sorgt für einen guten natürlichen Boden und einen stetigen Blütenansatz“, sagt die  Expertin. „Warum den Umweg über den Kompost nehmen. Was ich von den Pflanzen abknipse, kommt gleich darunter. Die Natur kennt keine nackte Erde.“

Und so hat in dieser kleinen wohldurchdachten dschungel­ähnlichen Ordnung mit den verschlungenen Wegen, den versteckten Sitzplätzen unterm Blätterdach alles seinen höheren Sinn. Wenn man mit Jutta Urbanski eine Weile lang durch ihren Garten streift, wundert es nicht mehr, dass auch Tomaten, Brombeeren und Himbeeren, Kürbis, Aronia und Waldmeister prächtig mit Tamariske, Ahorn, Weigelie oder Pfaffenhut auskommen.  „Mein Garten ist jedes Jahr anders, er überrascht mich ja selbst immer zu“, sagt die Hausherrin. „Ich freue mich drauf, mit den Besuchern am Sonnabend nicht nur über das Gärtnern an sich, sondern über die kleinen und die großen Wunder des Lebens ins Gespräch zu kommen.“

Auf der Internetseite der Volkshochschule Dahme-Spreewald unter www. vhs-dahme-spreewald.de  ist die komplette Liste der teilnehmenden Gärten mit den jeweiligen Öffnungszeiten am Sonnabend und Sonntag veröffentlicht. Der Auftakt zu den Tagen der offenen Gärten wird schon am Freitag, 17. August im Biogarten in Prieros vollzogen. Lesen Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 3. TM

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