Ange(Mark)t: Lebensgefahr am Sonntagabend

Es besteht Lebensgefahr! Sonntag in einer Woche wieder. Wie schon Sonntag vor einer Woche! Und es droht wieder Tod durch Langeweile.

Was beim TV-Duett der Kanzler-werden-Woller vor einer Woche die Moderatoren und die beiden Heroen im Rede-Ring da ablieferten, war pures todlangweiliges Schnarchtheater. Gegen dieses TV-„Duell“ ist softes Klopapier kratziges Schmirgelpapier. Merkel und Schulz kamen rüber wie ein altes Ehepaar: ein bisschen Rumgrummeln und Meckern, aber eigentlich alles tuttipaletti. Man haut sich höchstens mit Wattebäuschen auf die Nase, aber ansonsten mag man sich ja. Beide waren nett zueinander, unterschieden sich oft nur in Nuancen und ich habe nur darauf gewartet, dass sie am Ende die Parteibücher tauschten oder sich um den Hals fallen wie es auch Boxer tun. Aber die haben sich wenigstens vorher einen Kampf geliefert. Aber man weiß, dass man sich auch künftig braucht. Merkel war eine souveräne Moderatorin und hatte diese vier Pseudo-TV-Journalisten im Griff und ihr Co-Moderator Schulz störte auch nicht groß. Die Kanzlerin bedankte sich dann am Ende brav beim Publikum. Das wartete vergebens auf viele wichtige Themen wie Soziales, Bildung, Digitalisierung. Der Tiefpunkt oder der „Höhepunkt“  – je nachdem, wie man es sieht – an Moderatorenschärfe war dann auch, als die ARD-Tante Maischberger den Finger auf die Wunde legte: „Ist einer von Ihnen heute in der Kirche gewesen?“ Schulz eifrig, natürlich, er sei in einer Kapelle gewesen. Mutti erstmal sprachlos. Um dann zu kontern, auch sie habe am Sonntag die Kirche besucht. Was sagt uns das? Sie wollten zeigen, dass sie nicht nur zu den anderen Großen dieser Welt einen Draht haben, sondern auch zu dem da über uns. Ich habe nach dem TV-Gähnabend auch gottesfürchtig gebetet: Herr, erhöre mich: Gib uns unsere Tatort-Leiche am Sonntag wieder! Für diese Woche hats geklappt. Nur: Die Woche darauf ist Bundestagswahlabendnachbequatschung. Und das wird wieder eine Sache mit Lebensgefahr wegen der Gefahr von tödlicher Langeweile werden. Oh, mein Gott! Und überhaupt.

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