Ange(Mark)t: Was fiel denen denn ein?

Also ehrlich mal: Was fiel denen denn ein?! Solche originellen, witzigen, provokativen und überraschenden Wahlplakate der Parteien diesjahr! Pardon: Das sollte ein Witz sein! Denn die meisten sind nichtssagend. Wo ist z. B. ein aha-Effekt bei denen des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz? So wie „ich bin der Maddin und ich kann übers Wasser gegen!“ oder „ich geh vom Nordpol zum Südpol und ins Kanzleramt“? Statt dessen: „Zeit für einen Wechsel“. Wechsel wofür? Vom Stromanbieter, Autoversicherer oder vom Dieselauto? Von der SPD sah ich auch ein Bild mit – optisch – kreischenden Kindern und der Behauptung „Unsere Familienpolitik ist genauso: laut und fordernd“. Und auch kopflos? Dem Jungen auf dem Foto wurde nämlich der Kopf gekürzt. Hoffentlich agiert die Partei nicht im Wahl-Endkampf auch so: kreischig-lärmend und kopflos.

„Mutti“ dagegen strahlt in einem. Und ist immer „für“ etwas. „Für mehr Respekt vor Familien“. „Für Sicherheit und Ordnung“. „Für eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit“. „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ Nur: Gut und gerne – das sagt von der Bedeutung her etwa dasselbe wie „geht gerade so, könnte besser sein“. Meine Mutter sagte zu meinem Zeugnis auch immer: Das hätte gut und gerne besser ausfallen können. Vielleicht meint „Mutti“ das auch so über ihre Politik. Dann kann es ja besser werden. Für uns. Apropos Mutti: Eine hiesige Kandidatin kommt auf ihrem Foto daher wie eine freundliche Mutti vom Dorfe: Pullunder, breites Grinsen. Eine FDP-Kandidatin dagegen will bemüht originell sein, indem sie verkündet, sie sei „“unser Mann“. Oh, Mannoman! Anders als ihr Parteichef Christian Butter-Lindner, das Hemdenmodel. Diesmal zwar nicht im Unterhemd, sondern mit einem Smartphone in der Hand, knallt uns der smarte Boy einen Satz in Denglisch-Kauderwelsch entgegen: „Digital first, Bedenken second“. Klingt wie eine Dildo-Reklame. Oder Schwulen-Sex.

Die Grünen wiederum haben es nicht so mit der: Grammatik. Vielleicht soll das auch der Denke-denke!-Effekt sein: Da steht in Großbuchstaben „Kinderarmut kann man kleinreden. Oder GROSS bekämpfen“. Sie sind sich noch nicht grün damit,  dass das ß jetzt auch als Großbuchstabe geschrieben werden kann. Im Kleinen fängt es an, im GROSSEN, also Großen setzen sich dann die Fehler fort. Aber Hauptsache, man tut ganz gross. Die Grünen hätten es auch mit dem Slogan aus Niedersachsen versuchen sollen: „Ein Partei- und ein Regierungswechsel – mit uns kein Problem!“ Wenn die Kohle stimmt.

Die Linke versucht zumindest, Denkanreize zu schaffen: Bei „Keine Lust auf Weiter so“ ist jedes zweite Wort durchgestrichen, so dass nur „Lust auf“ bleibt. Habe ich jetzt auch. Lust auf ein Bier. Der Linken-Chef Riexinger parliert mit Schlagworten wie Mai-Losungen: „Gute Arbeit, höhere Löhne. Befristungen und Leiharbeit stoppen“. Stimmt zwar, aber ist das ein Vom-Hocker-Reißer?

Über manche Plakate kann man nur lachen, wenn man liest, was die Kandidaten so alles zu sein vorgeben: Einfach, kompetent, sachkundig, verlässlich, ehrlich. So stehts auch in Kontaktanzeigen. Dann könnte der Kandidat ehrlicherweise auch plakatieren: Vorzeigbarer Mann, der gerne im Mittelpunkt steht, sucht naive Wählergruppe, die ihm zu üppigen Abgeordnetendiäten verhilft. Und wenn man dann noch im Hinterkopf hat, welcher seiner von ihm angepriesenen Vorzüge er zuvor in anderer Funktion bewies. Er dort  eher keinen Blumentopf gewinnen konnte und ist deshalb zu einer anderen Partei oder Wählervereinigung gewechselt, um dort doch noch einen Posten zu ergattern – dann weiß man nicht: Soll man lachen oder sich für den- oder diejenige schämen. Wie über die AfD-Plakate. Sie knallen mit provokanten Bildern und Sprüchen: Bei drei Bikinifrauen am Strand ist zu lesen „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis“. Ist ja noch amüsant. Aber ob die AfD meint, Musliminnen gehen in einer Burka baden? Ziemlich schweinisch dagegen ein Bild von einem Ferkel mit dem Spruch: „Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche“. Infam und ausgrenzend. Aber aufmerksamkeitserregend.

Was man von den meisten Wahlplakaten nicht sagen kann. Es guckt uns von dort nur gähnende Langeweile an! Motto: Nur nichts einfallen lassen, damit keiner sagt: Was fällt denen denn ein! Na, nichts! Und: Es stimmt schon, nirgendwo wird mehr gelogen als auf Hochzeiten, bei Beerdigungen – und bei Wahlen. Aber weshalb machen denn Wale jetzt überhaupt Walkampf? Frag doch mal die Maus! Und überhaupt.

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