Arbeitsmarkt: Der Lockruf der weichen Faktoren

Boris Müller von der Königs Wusterhauser Arbeits-Agentur setzt große Hoffnungen in die bevorstehende Jobmesse „Chance 2018“. B: G.I.

Betriebe stellen sich auf der bevorstehenden Jobbörse „Chance 2018“ dem Problem des Fachkräftemangels

Es sieht gut aus auf dem Arbeitsmarkt von Dahme-Spreewald.  Und doch bereitet er den Fachleuten aus Politik und Wirtschaft auch ein paar ernsthafte Sorgen. Mit den sinkenden Arbeitslosenquoten steigt der Fachkräftemangel, was allmählich zu einem neuen Standortproblem werden kann.

Die Beschäftigtenzahlen zwischen Königs Wusterhausen und Lübben steigen – abgesehen von saisonalen Einflüssen – seit Jahren kontinuierlich. Und das sowohl im städtischen Norden als auch im ländlichen Süden. „Ich bin seit zweieinhalb Jahren hier“, sagt der für Königs Wusterhausen, Lübben und Luckau zuständige Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Boris Müller, „seitdem verkünde ich nur neue Tiefststände.“ Allein seit der Einführung der jährlichen Jobmesse „Chance“ im Jahr 2015, die von der Königs Wusterhausener Agentur und dem Landkreis gemeinsam veranstaltet wird, habe sich die Arbeitslosigkeit um rund ein Drittel reduziert.

Derzeit gibt es knapp 61000 Beschäftigte im Landkreis. Etwas mehr als 4400 waren zum 31. Januar dieses Jahres als arbeitslos registriert. Das entspricht einer Quote von genau 5,0 Prozent. Im Bereich Königs Wusterhausen – zu dem auch die S-Bahn-Gemeinden, Schönefeld und die Orte im Dahme-Seen-Gebiet gehören – liegt sie mit 4,7 Prozent noch etwas darunter. Eine Besonderheit insbesondere der nördlichen Region um Königs Wusterhausen und Schönefeld sind die starken Pendelbewegungen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ist über die Kreisgrenze hinweg zwischen Arbeits- und Wohnort unterwegs. Rund 35000 Frauen und Männer fahren vor allem in Richtung Berlin zur Arbeit, rund 28000 Menschen kommen – ebenfalls vor allem aus der Hauptstadt – zum Arbeiten nach LDS. „Das zeigt, dass gerade auch durch neue, flexible Mobilitätsangebote die Attraktivität des Standortes gestärkt werden kann“, sagt Boris Müller. „Ich fände es zum Beispiel nicht schlecht, wenn Firmen einen Shuttle-Service vom Bahnhof Königs Wusterhausen in Richtung ihres Betriebes einrichten würden.“ Damit spricht er zugleich die Kehrseite des boomenden Arbeitsmarktes an – die Zugkraft der Region für Auszubildende und Fachkräfte.

Allein im Nordbereich rund um Königs Wusterhausen, Wildau und Schönefeld gibt es derzeit über 1000 gemeldete freie Stellen. Es fehle in allen Bereichen, die hier vertreten sind, an Arbeitskräften. Es reicht ein kurzer Blick auf aktuelle Online-Jobbörsen – da suchen LDS-Firmen derzeit sowohl Fluggerätemechaniker, Elektroinstallateure, Karosseriebauer, Maler, Lackierer, Kfz-Mechaniker und Kraftfahrer als auch Gesundheits- und Krankenpfleger, Erzieher, Verkäufer oder Café-Mitarbeiter.

Auch die Industriegewerkschaft Bau schlägt Alarm, dass ihre Branche im Landkreis Dahme-Spreewald auf einen immer größeren Fachkräfte-Engpass zusteuere. Laut einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit waren 2017 im Jahresmittel im Kreis über 170 offene Stellen gemeldet. Vom Zimmerer bis zum Estrichleger fehle es an Spezialisten, sagt der Brandenburger  Bezirksvorsitzende Rudi Wiggert. „Während die Baukonjunktur so gut dasteht wie zuletzt Ende der 1990er-Jahre, finden heimische Unternehmen oft keine Leute mehr.“ Er sieht hierfür einen doppelten Grund: „Einerseits haben viele Firmen trotz anziehender Auftragslage ihre Personaldecke in den letzten Jahren nicht ausreichend aufgestockt. Andererseits hat der Bau mit einem großen Nachwuchsproblem zu kämpfen.“ Ende 2017 zählten die Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) im Kreis Dahme-Spreewald lediglich 32 neue Ausbildungsverträge.

Die IG BAU schlägt vor, in Schulen verstärkt für eine Handwerksausbildung zu werben. „Vielen gilt ein Studium als Nonplusultra – obwohl Karriere- und Verdienstchancen in der ­Bauwirtschaft oft mindestens genauso gut sind“, sagt Rudi Wiggert. Aber auch die Betriebe seien gefordert: „Sie sollten auf Qualität, ein ordentliches Auskommen  und gute Arbeitsbedingungen setzen“, so der Gewerkschafter.

Gerade in den sogenannten weichen Faktoren – der Weg zur Arbeit, flexible Zeiten, Kinderbetreuung, Zugang zu modernen Medien für junge Leute – sieht denn auch Arbeitsagentur-Bereichsleiter Boris Müller einen Ansatzpunkt für die Werbung um die besten Hände und Köpfe. In LDS seien zahlreiche Arbeitsbranchen angesiedelt, in denen die Gehälter nicht so hoch sind wie zum Beispiel in den Industriebetrieben Teltow-Flämings. „Umso mehr kommt es darauf an, auch so etwas wie ein Wohlfühlpaket zu schnüren“, sagt Boris Müller.  Das wolle seine Behörde auch mit der bevorstehenden Jobbörse „Chance 2018 – Job. Familie. Zukunft.“ verdeutlichen. Mehr als 60 Aussteller haben sich für die am Sonnabend, 24. Februar, von 10 bis 13 Uhr im Oberstufenzentrum Königs Wusterhausen stattfindende Messe angemeldet. „Wir sind absolut ausgebucht“, sagt Boris Müller, „wir müssen da niemanden mehr bitten zu kommen.“  Während noch bei der ersten Ausgabe vor wenigen Jahren die Arbeitsplatzsuchenden bemüht waren, einen guten Eindruck bei den Firmen zu machen, sei es nun genau umgedreht. „Jetzt gucken die Bewerber, welche Firma macht auf mich den besten Eindruck. Darauf müssen sich die Betriebe einstellen.“ Auf der Jobmesse sind alle Branchen der Region – Tourismus, Logistik, Gesundheitswesen, verarbeitendes Gewerbe der Lebensmittelindustrie, Handwerk – vertreten, um sowohl Ausbildungs- als auch Arbeitsplätze anzubieten.  Sie wird von einem attraktiven Rahmenprogramm begleitet.

TM / B: G.I.

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