Arbeitsmarkt: Die Lage ist gut, die Lage ist ernst

Vom Luftfahrtunternehmen bis zum Strandcafé, von der Schmiede bis zur Molkerei – aus allen Branchen sind Firmen auf der großen Landkreis-Jobmesse vertreten. Fotos: T. Müller (2), ryanair, Villa am See

Die kommende Jobbörse Chance 2019 zeigt, dass der prosperierende Landkreis vor großen Herausforderungen steht

Noch nie gab es seit der Wiedervereinigung im Landkreis Dahme-Spreewald in einem Januar weniger Arbeitslose als zu Beginn dieses Jahres. Die Quote für den Gesamtkreis steht bei 4,3 Prozent, wobei der Bereich um Lübben bei 4,8 Prozent und der Bereich um Königs Wusterhausen bei 4,2 Prozent liegen. LDS gehört damit sowohl in Brandenburg als auch in ganz Ostdeutschland zu den Top 3-Regionen.

Angesichts dieser Zahlen könnte man meinen, dass die alljährlich zu Jahresbeginn stattfindende große Jobbörse „Chance 2019“, die die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und der Landkreis gemeinsam in Königs Wusterhausen ausrichten, gar nicht mehr gebraucht wird. Doch weit gefehlt. „Die Lage ist gut, die Lage ist ernst“, sagt der Bereichsleiter der Agentur für Arbeit im Geschäftsstellenverbund Dahme-Spreewald Boris Müller. Das Paradox liegt in der Zahl der offenen Stellen: Den knapp 4000 registrierten Arbeitslosen stehen gut 1800 gemeldete, nicht besetzte Arbeitsplätze gegenüber. „Und wir wissen, viele Betriebe melden sich gar nicht mehr bei uns“, so der Arbeitsvermittler. “Es wird mehr und mehr zum Standortproblem, dass Firmen unserer Region händeringend nach Personal suchen und es über einen längeren Zeitrum nicht finden.“ 

Deswegen setzen weit mehr als 60 Unternehmen und Einrichtungen auf die bevorstehende Messe am Sonnabend, 23. Februar, im Oberstufenzentrum von Königs Wusterhausen, um im direkten Kontakt mit Arbeitssuchenden, aber auch mit Frauen und Männern, die sich beruflich oder örtlich verändern wollen, für sich zu werben. Denn eine zweite Zahl treibt die Verantwortlichen des Landkreises um: Rund 35000 Menschen fahren täglich aus Dahme-Spreewald heraus, um in Berlin oder den benachbarten Landkreisen zu arbeiten. War das Pendeln vor einigen Jahren für viele noch eine Notwendigkeit, weil einfach nicht genug Arbeit in der eigenen Region vorhanden war, so ist es jetzt mehr und mehr der Tatsache geschuldet, das anderswo einfach bessere Konditionen geboten werden. 

„Dabei geht es nicht nur um höhere Löhne“, sagt Boris Müller, „es geht auch um sogenannte weiche Faktoren wie Arbeitsklima und zusätzliche Angebote, die eine stärkere Bindung an den Betrieb fördern.“ Deshalb wolle man in der Arbeitsagentur in der Zusammenarbeit mit den Unternehmen auch den Fokus noch stärker auf die Wahrnehmung durch die Beschäftigten, das sogenannte „Employer Branding“, setzen. Neben Standortbedingungen wie soziale oder Verkehrsinfrastruktur sowie bezahlbaren Wohnraum gewinnt auch das Image des Betriebes immer mehr an Bedeutung. 

Bei der kommenden Jobbörse werden Unternehmen aller in Dahme-Spreewald vertretenen Branchen mit konkreten Arbeitsangeboten vor Ort sein. Von Luftfahrt bis Maschinenbau und Metallverarbeitung, vom Handwerk aller Gewerbe bis zur Behörde, vom Ingenieursbetrieb bis zum Straßenbau, von Gastronomie bis Logistik, von Landwirtschaft bis Tourismus, von Einzelhandel bis Kinderbetreuung, von Gesundheit bis Pflege sind Firmen aus dem Nord- und Südbereich des Kreises vertreten. Bei vielen ist die Suche nach Fachkräften und Personal längst zur Chefsache geworden. Das direkte Gespräch an Ort und Stelle ermöglicht persönliche Eindrücke, die oft mehr bewirken als Zeugnisse und Beurteilungen. „Nicht nur bei dieser Messe, sondern generell setzen wir bei der Arbeitsvermittlung darauf, die Leute persönlich zusammen zu bringen“, sagt Boris Müller. 

Mit sogenannten Speeddatings zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmern, mit Besuchen von Bewerbern direkt in den Betrieben reagiert die Agentur auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt. Auch mit weiteren Qualifizierungsangeboten werde man in diesem Jahr noch stärker auf den Bedarf der Firmen in der Region reagieren. Immerhin stehe schon jetzt fest, dass weitere Ansiedlungen wie sie zum Beispiel Amazon für den Bereich von Schönefeld angekündigt hat, nicht nur eine große Chance, sondern auch eine immense Herausforderung für den prosperierenden Landkreis bedeuten. TM

Jobbörse Chance 2019. Job. Familie. Zukunft. Gemeinschaftsprojekt der Agentur für Arbeit Cottbus, des Jobcenters Landkreis Dahme-Spreewald sowie des Landkreises LDS in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Dahme-Spreewald. Sonnabend, 23. Februar, 10 bis 13 Uhr, Oberstufenzentrum Königs Wusterhausen, Brückenstraße 40, 15711 KW

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