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Auf die Straße gehen

Die Medien waren auch letzte Woche Dienstag voll mit allem Möglichen und Unmöglichem. Mit Themen, die die Welt bewegten oder eher nicht. Wie Ukraine, Putin, aber auch Schwulenparade, neuen Modetrends, Tag der Bisexualität. Aber es war auch Weltkindertag. Hat nur keiner bemerkt. Er ist öffentlichkeitmäßig einfach hinten runtergefallen. Kinder sind die letzten, bei denen wir merken, dass etwas nicht stimmt. Sie haben größere Probleme als die Erwachsenen, doch das wird nicht wahrgenommen. So, wenn wie letzte Woche weil wieder mal der Unterricht ausfällt, weil die Lehrer für mehr Geld streiken. Schon ein Blick auf den baulichen Zustand unzähliger Schulen zeigt, wie wenig die Belange von Kindern interessieren. Wenn Dächer undicht, Turnhallen einsturzgefährdet und Toiletten nicht benutzbar sind, das ist nicht nur eine Frage der Sicherheit und der Hygiene, sondern auch des Respektes gegenüber Kindern. Aber wie respektvoll ist es eigentlich gegenüber Kindern, die eine Schulpflicht zu erfüllen haben, die Schulgebäude auf diese Art und Weise herunterkommen zu lassen? Oder wenn wie in KW oder Schönefeld immer neue Wohnquartiere entstehen, aber Kita- oder Hortplätze und Klassenräume fehlen?

Auch das Thema Mobilität trifft Kinder in besonderer Weise. Am Weltkindertag durften Kinder vielerorts einen Tag lang kostenlos Bus und Bahn fahren. Im LDS nicht. Wenn der letzte Bus um 17 Uhr fährt (oder überhaupt ein Bus fährt), nimmt man Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit echter kultureller Teilhabe, ganz zu schweigen vom Klimaschutz-Argument: Denn fährt kein Bus, sind Jugendliche auf dem Land auf das Auto ihrer Eltern angewiesen. Dass Kindern und Jugendlichen nicht nur am Weltkindertag, sondern generell freie Fahrt eingeräumt wird, ist überfällig.

Jugendliche, deren Eltern Bürgergeld – bislang hieß das Hartz IV – beziehen, dürfen im Monat immer noch nur 100 € ihres Nebenjob-Verdienstes ohne Abzüge behalten. Von jedem zusätzlichen Euro gehen 80 Cent an das Jobcenter. Während sich die Vermögenden darüber aufregen, dass über eine Vermögenssteuer nachgedacht wird, „besteuert“ man das Arbeitseinkommen von Jugendlichen aus armen Familien völlig schamlos mit einem Satz von 80 Prozent. Gleiches gilt übrigens für das erarbeitete Geld von Jugendlichen, die in Heimen oder Pflegefamilien leben.

Wenn es ihnen gerade ins Konzept passt, schwingen Politiker salbungsvolle Reden wie „Kinder sind unsere Zukunft!“, „Kinder sind das Wertvollste, das wir haben!“ Oder: „Wir haben uns die Erde nur von unseren Kindern geliehen.“ Es sind immer die gleichen hohlen Phrasen. Nur die Politiker tun nichts dafür, Kindern Respekt zu zollen. Erwachsene können ihren Arbeitsplatz wechseln, Politiker die Partei, wenn sie sich in einer anderen mehr Vorteile versprechen. Kinder können das nicht. Und während Jugendliche von Erwachsenen dafür gelobt werden, an Freitagen für eine gute Zukunft auf die Straße zu gehen, wer geht für die Kinder auf die Straße, zollt ihnen den ihnen zustehenden Respekt? Und überhaupt.

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