Auf links gewendet

Es gab mal eine Werbung für ein Waschmittel: Da zogen sich die Akteure im Sekundentakt ein neues Hemd über. Die kam mir in den Sinn, als letzte Woche Brandenburgs neue Sozialministerin berufen wurde. Deren Staatssekretär ist auch ein Neuer: ein Herr Büttner. Er kommt wie seine Chefin von der Linkspartei. Das ist apriori erstmal ok. Aber dieser aus dem Westen stammende Büttner ist ein Wechsler seines politischen Hemdes vor dem Herren, wie er im politischen Buche steht. Ganz früher trug er mal das schwarze Hemd der CDU. Da kam er aber auf keinen grünen Parteizweig. Also zog er sich bald das gelbe Hemd der FDP über. Dort war er dann nicht irgendwer. Alsbald agierte er als deren Generalsekretär in Brandenburg. 2013 wurde er Vizechef seiner Partei und trat 2014 als FDP-Spitzenkandidat zur Landtagswahl an. Dabei sorgte er für Aufsehen, als er auch im Dahmeland mit seinem Parteichef auf Wahlplakaten mit „Keine Sau braucht die FDP“ posierte. Wie Recht er doch hatte: Die Liberalen fielen von gut 7 Prozent auf nur noch 1,4 Prozent zurück und Büttner flog wie die FDP aus dem Landtag. Vom Kuchen der Macht kein Stück mehr abbekommen? Nicht mehr mitpalavern dürfen? Vor allem aber: Nicht mehr von den gut dotierten Posten-Pfründen profitieren? Geht gar nicht! Büttner wechselte also schnell mal wieder skrupellos die Gesinnung, zog erneut sein Polithemd aus und warf es in die Schmutzecke. Und zog das rote, Macht und Moneten versprechende Hemd der Linken an. Die sind ja mit fähigen Kadern auch nicht gerade gesegnet und störten sich darob am ich-bin-nun-euer-Mann-Karrieristen nicht. So ward der nun auf links gewendete Ex-CDU-Mann und Ex-FDPler zum Genossen, von denen an deren Brust gedrückt und alsbald zum Mitglied im Landesvorstand der Linken gemacht. Und so nun gleich zum megakassierenden Staatssekretär für die gemacht. Und die SPD machte mit. Büttner, ein Polizist, ist zwar kein Gesundheitsexperte. Macht aber nichts, aber machtbesessen und ein absoluter Profi im Wechseln der politischen Meinung und des Gesinnungshemdes. Frei nach Konrad Adenauer: “Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!” Wie ein besoffener Autofahrer schlingert der Karrierist Büttner macht- und kneteversessen politisch von halbrechts nach links, von Posten zu Posten. Ist es sein letzter Meinungs- und Hemdwechsel? Vielleicht sehen wir ja den Herrn Büttner auch noch im braunen Hemd der AfD und er redet dann denen nach dem Maul. Meinungs- und Gesinnungswechsel, nach dem Maul reden – was ein Markenzeichen der sogenannten Liberalen zu sein scheint. Damit man wieder über sie spricht. Man möchte und kann das alles nicht mehr hören. Tunica propior pallio, sagten die Lateiner: Manch einem ist das (politische) Wohlfeil-Hemd näher als der Gesinnungs­rock. Aber man kann dem Charakter kein sauberes Hemd anziehen. Es bleibt ein schmutziger. Und überhaupt.

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