Ausgeluthert

Es hat sich ausgeluthert! Oder ausgeludert, denn Luther wurde ja als Martin Luder geboren. Das Lutherjahr ist vorbei. Und damit hoffentlich all das Gedöns und das Geldmachen mit dem Namen des Reformators. Zum Jubiläum der 500 Jahre, vor denen der Kirchenmann angeblich seine Thesen an die Wittenberger Kirchentür genagelt hat. Diese richteten sich ja hauptsächlich gegen die Ablass-Geschäftemacherei mit dem Seelenheil. Was später als Beginn der Reformation galt und die dauerhafte Spaltung der damals einen Kirche in zwei – die katholische und die evangelische – zur Folge hatte. Eine verdrehte Welt: Luther, der gegen Geschäftemacherei donnerte, wurde selbst zum Geschäft. Nicht nur in und um die Luther-Stadt Wittenberg gab und gibt es  unzählige und unseelige Devotionalien mit dem Namen des Judenhassers und Frauenverächters Luther zu kaufen. Socken mit Luther-Zitaten und Luther-Balsam für die Füße. Dann Luther-Lutscher, Luther-Tees, Luther-Nudeln, Luther-Microfasertücher, mit denen Luther schon damals seinen Computerbildschirm reinigte, Luther-Essbretter, Luther-Badeenten, Luther-Wurst, Luther-Senf, Luther-Nudeln, Luther-Schneekugeln. In den Bäckereien wurde ein Original-Luther-Brot angeboten – hat es sich 500 Jahre frisch gehalten? Man knabbert Luthers Süße Sünde-Kekse, trinkt dazu in einem Luther-Café einen Luther-Cappuchino – zu Luthers Zeiten kannte man Kaffee hierzulande noch gar nicht – mit einer kakaonen Luther-Rose auf dem Schaum. Es gab Luther-Tomaten, Luther-Bier, Luther-Zauberbecher. Weil er uns mit seinen Sextipps wie „In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr, macht im Jahre hundertvier“ so verzauberte? Es wurden Luther-Gummibärchen feilgeboten, Luther-Bierbecher aus Plastik, eine Luther-Box aus Luther-Wein und Luther-Weißbrot, das man statt des Abendbrotes als Abendmahl verabreichen kann, sogar Luther-Arzneien gegen die Angst im Fegefeuer. Die Lutherische Landeskirche in Südschwaben veranstaltete einen Luther-Ähnlichkeitswettbewerb. Und wie niedlich die Baby-Strampler mit dem Aufdruck des Luther-Spruchs „Warum rülpset und furzet ihr nicht?!“ Oder kotzet? Die Evangelische Kirche und die Deutsche Zentrale für Tourismus als sogenannte Reformationsbotschafter haben fast eine Million Luther-Playmobile-Figuren auf den Markt geworfen. All dieser Luther-Kram verkaufte sich wie geschnitten (Luther-)Brot.  Er soll dem rechten Glauben dienen und den Erfinder des evangelischen Christentums ehren. Und Geld bringen. Hätte dem Martin das gefallen? Wohl kaum. „Alles tot Ding“ hätte der wohl von der Kanzel gewettert. Er hat ja wohl mal getobt: „Man wollt meines Namens geschweigen.“ Wie käme er als „armer stinkender Madensack“ dazu, dass man sich seines Namens  bediene?! Egal, es geht doch schließlich um den rechten Glauben. Glauben, dass es so bleibt, kann man mit einem evangelischen Kondom. Es trägt als Aufdruck den Luther-Spruch „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Na, dann, lass ihn stehen. In Luthers Namen. Wir vom KaWe-Kurier ehren ja Luther nun schon seit unserer ersten Ausgabe vor bald 30 Jahren: Mit unseren Märkischen Schönheiten und unserer Luther-Auffassung, eine feste Brust ist unser Gott. Und überhaupt.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

Willkommen auf kw-kurier.de!

Um Ihnen ein angenehmes Online-Erlebnis zu ermöglichen, setzen wir auf unserer Webseite Cookies ein. Durch das Weitersurfen auf kw-kurier.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Detaillierte Informationen und wie Sie der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen „Cookies, Webanalyse-Dienste und Social Media“.