Ausverkauf im CARIsatt-Laden von KW

Die Einrichtung des Caritasverbandes wird ersatzlos geschlossen
Was wird aus dem Sozialen Zentrum in der Maxim-Gorki-Straße?

Der Carisatt-Laden im Sozialen Zentrum von Königs Wusterhausen in der Maxim-Gorki-Straße 6/7 schließt. Einen Ersatz wird es nicht geben. So viel ist sicher, denn das bestätigt der Träger der Einrichtung, die Caritas Berlin, auf Nachfrage des KaWe-Kuriers. Allein das sind schon Fakten, die für viele bedürftige Nutzer in der Stadt angesichts der Teuerungen in allen Lebensbereichen äußerst bedauerlich sind. Darüber hinaus bleibt aber auch noch manche Frage zu den Gründen und zum weiteren Hergang der Abwicklung eines wichtigen sozialen Angebots in der Region offen.

Das beginnt schon beim Zeitpunkt. Der KaWe-Kurier hat die Information, dass ein Ausverkauf des Ladens bereits läuft und ab 22. November, also in nicht mal ganz zwei Wochen, die Türen für immer geschlossern bleiben. Bestätigt wird einem dieses Datum aber von Seiten der Caritas nicht. Aus der Pressestelle des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V. heißt es schriftlich: „Wir beabsichtigen, den CARIsatt-Laden bis Ende des Jahres weiter offen zu halten.“ Auf Nachfragen zu dem konkreten Termin gab es leider keine Reaktion. Auch aus der Stadtverwaltung heißt es, „uns ist bekannt, dass der CARIsatt-Laden schließt, den genauen Termin kennen wir jedoch nicht“.

Hinsichtlich der Gründe für die Schließung hat die Caritas zwar einige Aussagen getroffen, bleibt jedoch auch Antworten schuldig. Als Hauptargument für die Schließung wird ausgeführt, dass „die ­Caritas keinen Beratungsdienst in KW mehr anbieten kann. Unsere CARIsatt-Läden sind so konzipiert“, so der Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Pressesprecher bei der Caritas Thomas Gleissner, „dass sie nicht nur verbilligte Lebensmittel anbieten, sondern dass sie auch immer mit Beratung verknüpft sind. Wir wollen mit unserer Beratung dazu beitragen, dass die Menschen nicht dauerhaft auf verbilligte Lebensmittel angewiesen sind.“ Auf die Nachfrage, warum denn der Beratungsdienst nicht mehr angeboten werden könne, gab es wiederum keine Antwort.

Als weitere Gründe für die Schließung führt der Caritasverband „den baulichen Zustand des Gebäudes und die fehlende Perspektive der Immobilie“ ins Feld. „Wir haben in KW seit mehr als 21 Jahren immer sehr viele Eigenmittel eingebracht, was wir so nicht weiter leisten können“, betont der Verband. Trotz leicht gestiegener Zuschüsse der Stadt KW und des Landkreises seien immer noch mindestens 50 Prozent Eigenmittel der ­Caritas für die Finanzierung ­notwendig. „Das können wir auf Dauer nicht stemmen.“ Zudem habe sich die Infrastruktur in KW deutlich verbessert. Als die Caritas 2001 den Laden in KW eröffnet habe, habe es noch keine preiswerten Supermärkte und Discounter in der Stadt gegeben. „Das hat sich inzwischen geändert, so dass einkommensschwache Menschen inzwischen auch Alternativen haben“, erläutert die Caritas ihre Entscheidung. „Außerdem ist es für uns, wie auch für die Tafeln, immer schwieriger, überhaupt an genügend Lebensmittel zu kommen. Wir müssen deshalb seit geraumer Zeit selbst zu Großhandelspreisen Waren zukaufen. Das führt dazu, dass wir nicht mehr günstiger als die Discounter anbieten können, obwohl wir die Waren zum Einkaufspreis ohne Aufschlag weitergeben.“ Diese Begründung beantwortet freilich nicht die Frage, warum es in anderem Städten weiter CARIsatt-Läden gibt.

Die Caritas teilt noch mit, dass der festangestellten Mitarbeiterin eine andere Arbeit angeboten werde. Die Verträge mit Kolleginnen, die über die Förderung zur Teilhabe am Arbeitsmarkt (SGB II) tätig sind, würden planmäßig Ende November auslaufen – das heißt, für sie ist Schluss. „Es tut uns sehr leid, dass wir nach mehr als 21 Jahren den Laden in KW nicht mehr weiter führen können“, heißt es in der ­Caritas-Erklärung abschließend. „Wir haben uns die Entscheidung zur Schließung nicht leicht gemacht, auch weil wir in KW immer viele engagierte Ehrenamtliche hatten, die uns sehr unterstützt haben. Diesen Menschen sind wir sehr ­dankbar.“

Genau an diese Helfer, aber auch an die Menschen, die regelmäßig im Laden eine Anlaufstelle und auch ein entlastendes Angebot fanden, denkt Birgit Uhlworm, die Geschäftsführerin des SHIA-Landesverbandes Brandenburg angesichts der bevorstehenden Schließung mit großem Bedauern. Die SHIA-Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße von KW gehört seit vielen Jahren zu den Beratungsstellen, die an Menschen mit geringem Einkommen die Einkaufskarten für den CARIsatt-Laden ausgeben. „Für uns kam die Nachricht sehr überraschend und ich muss sagen, ich kann die Entscheidung in dieser Zeit nicht nachvollzihen und bin entsetzt“, sagt sie. Nun werde ein wichtiges Angebot für Menschen mit geringem Einkommen, zu denen leider auch viele Alleinerziehende zählen, in der Stadt Königs Wusterhausen fehlen. Als Träger des Freiwilligenzentrums habe SHIA auch das ehrenamtliche Engagment vieler Helfer erlebt und geschätzt. „Von denen fühlen sich einige gegen den Kopf gestoßen“, so Birgit Uhlworm.

Aus der Stadtverwaltung war noch zu erfahren, das die Stadt KW über die bereits feststehende Schließung lediglich in Kenntnis gesetzt wurde. Bisher wird das Gebäude des Sozialen Zentrums von der Tee- und Wärmestube der Diakonie Lübben, dem CARIsatt-Laden und einer Migrationsberatungsstelle genutzt. Wie es mit den anderen Einrichtungen weiter geht, ist unklar. Die Stadt steht mit dem Sozialamt des Landkreises in Kontakt, um zu prüfen, ob alternative Möglichkeiten infrage kommen und ob gegebenenfalls eine Förderbeteiligung weitergeführt ­werden kann.

TM