Dann setzt es Krawall!

Ich weiß, die meisten KaWe-Kurier-Leser und auch -Innen – beginnen ihre Lektüre von hinten, auf der letzten Seite, bevor sie gucken, ob ein „Angemarkt“ drin ist. Die letzte Seite natürlich wegen der Informationen auf der Litfaß-Säule! Und dann vielleicht auch wegen des Bildes rechts oben. Es gibt – ungelogen – sogar einen bekannten Dahmelandpolitiker, der es jede Woche nicht erwarten kann und sich die letzte Seite vorab per Internet schicken lässt. Das freut uns doch! Aber mal ganz ehrlich: Den Heimatkurier zu machen, ist ein hartes Brot! Jede Woche eine arme Märkische Schöne ohne Hemd und Hos´ zu sichten und in den KaWe-Kurier bringen! So viel Reizvolles zu verarbeiten. Trotz „me too“. Und dann die Schöne jede Woche mit einem treffenden Bonmot im „Heute eine, die…“ zu betexten. Ich habe das rund eineinhalbtausend Mal getan. Fast 30 Jahre lang. Der KaWe-Kurier geht nächste Woche in seinen 30. Jahrgang! Darauf sind wir Macher – ich bin als Unruheständler ja noch manchmal als Gast zugange – schon ein bissel stolz: Als kleine Zeitung ohne einen Westpartner mit finanzdicker Hose so lange den Stürmen im Blätterwald zu trotzen – das ist schon was! Das auch, weil wir uns unsere „Wir von hier“-Linie und -sicht bewahrt haben, unserer sozialen Ostdenkweise treu geblieben sind, gut aufgemachte Informationen vor allem aus der Region und politische Sachlichkeit mit Anzeigen verbinden. Doch Zeitungen sind ein Auslaufmodell. Selbst gestandene wie die „Berliner Zeitung“ sind davor nicht gefeit, wie gerade bekannt wurde. An ihre Stelle treten immer mehr die neuen Medien. Nicht immer ein Segen , weil sie auch eine Bühne vorsätzlicher Desinformation und bloßer Herabwürdigung sind. Daran beteiligen sich selbst hiesige Politiker, wie letzte Woche an dieser Stelle zu lesen war. Und dazwischen steht der Redakteur, der das abkönnen muss. Das ist nicht neu. Bereits 1898 war im damaligen Kreisblatt Jüterbog-Luckenwalde zu lesen: „Eine Zeitung zu redigieren ist selten ein Vergnügen. Falls das Blatt zu viele Anzeigen hat, beklagen die Leute, dass zu wenig Lesestoff darin ist. Hat es keine Anzeigen, heißt es, die Zeitung ist unbeliebt.“ Der Redakteur wird bei jeder Veranstaltung beobachtet, mit wem er spricht, was und wie viel er isst oder trinkt. Oder wer ihm einen ausgibt. Geht er aber nicht zu allen Veranstaltungen, „gilt er als hochnäsig und man sagt, es sei seine Pflicht und Schuldigkeit hinzugehen. Nimmt er einen langatmigen Leserbrief nicht an, macht er sich Feinde, veröffentlicht er ihn, heißt es: Na, der bringt ja auch jeden Quatsch. Unterdrückt er eine peinliche Neuigkeit aus gutmütigem Herzen, heiß es, er ist feige und bevorzuge gewisse Kreise. Bringt er die Neuigkeit aber, dann setzt es Krawall.“ Vor allem durch Parteien.

Was sich in den 120 Jahren seit Erscheinen des Beitrages nicht geändert hat. Aber man weiß ja, „der Redaktör hats schwör.“ Das war immer so. War immer so. Und überhaupt.