Das Rätsel des Tabakshäuschens ist gelöst

In diesem schlichten Fachwerkhäuschen nahe der Notte hat sich der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. gern aufgehalten. Repro: K. Judeich

Akte aus dem Landeshauptarchiv: Es gab einen Nachbau,
der mutwillig zerstört wurde

Über 100 Jahre gab es um das Tabakshäuschen in Königs Wusterhausen nur Gerüchte und Vermutungen. Es gab keine Unterlagen. Erika Preiße, Kunsthistorikerin und frühere Kastellanin des Schlosses in Königs Wusterhausen, hat jetzt eine Akte über das Tabakshäuschen im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) gefunden. Es ist eine Akte der Forstverwaltung in Königs Wusterhausen, die in den Jahren von 1879 bis 1919 geführt wurde. Claus Judeich von der „Initiative Tabakshäuschen“ hat die 74seitige Sammlung studiert und ausgewertet.

Ende der 1870 Jahre stand noch das alte historische Tabakshäuschen. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) hatte mitten im sumpfigen Gebiet der Notte auf einer Insel einen kleinen Berg aufschütten und ein einfaches 6 x 6 Meter großes Häuschen darauf errichten lassen. Das sogenannte Tabakshäuschen wurde sein Rückzugsort. Und ab und zu soll hier sogar das Tabakskollegium stattgefunden haben, was aber historisch noch nicht nachgewiesen werden konnte.

1879 wurde das Häuschen auf seinen baulichen Zustand hin untersucht. Das Ergebnis war: Das historische Gebäude war nicht mehr zu retten. Am 17. Dezember 1879 gab Kaiser Wilhelm I. den Befehl, das alte Gebäude abzureißen und es originalgetreu und an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Im November 1880 war das neue Tabakshäuschen fertig. Gebaut hatte es der Zimmermann Neumann aus Königs Wusterhausen. Die Kosten betrugen 1762,50 Mark. Das Gerücht, das Tabakshäuschen sei durch den Bau des Nottekanals versetzt worden, ist falsch. In der Akte wird erwähnt, dass der Königsberg, auf dem das Tabakshäuschen stand, durch den Bau des Kanals ein Achtel seiner Fläche verlor. Eine weitere Überraschung in der Akte waren die vielen Bauzeichnungen mit genauen Maßangaben und einer Situationsskizze des Tabakshäuschens. Besonders erfreulich waren auch die Zeichnungen des barocken Kamins mit den Delfter Kacheln, von dem es bisher keine Abbildung gab.

Auch das Ende des Tabakshäuschens ist in der Akte festgehalten. Am 17. März 1918 kam es zu einem folgenschweren Vorfall. Das Tabakshäuschen wurde von Unbekannten demoliert. Ein Teil der Fachwerkwand wurde eingedrückt, fast alle Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Der Kamin mit den Delfter Kacheln aus dem 18.Jahrhundert wurde ebenfalls zerstört. Die Kacheln wurden herausgeschlagen und zertrümmert. Nur ein ganz kleiner Teil der Kacheln war erhalten geblieben. Das Tabakshäuschen erlitt sozusagen einen Totalschaden.

Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde das Tabakshäuschen im Juni 1919 zum Abbruch freigegeben. Am 4. August 1919 wurde das Tabakshäuschen an Richard Loppach, einen Zigarrenhersteller aus Königs Wusterhausen, für 555 Mark verkauft. Am 1. Oktober 1919 war das Tabakshäuschen verschwunden. Neben der Entdeckung der Akte durch Frau Preiße gibt es auch von der „Initiative Tabakshäuschen“ eine gute Nachricht. Wenn der Haushalt von Königs Wusterhausen verabschiedet ist, soll auf dem Gelände der Finanzhochschule eine Tafel für das Tabakshäuschen errichtet werden.

K. Judeich