Den Daumen nach unten

2011 ist vorbei. Zum Glück. Man, war das ein verrücktes Jahr! Und für die FDP vielleicht sogar das letzte. Jedenfalls hat sie ihr letztes Aufgebot an die Regierungsfront geworfen. Ein neuer Steuermann soll das sinkende Schiff retten. Eigentlich geht ja auf einem Schiff immer der Kapitän als letzter, aber der vorletzte FDP-Kapitän ging, weil er bloß mit Sprüchen segeln konnte und keinen  Kurs hatte. Der letzte wollte einen anderen. Der neue muss jetzt erstmal 1000 Euro Geldstrafe wegen Fahrerflucht zahlen. Nunja: FDP, das ist eben eine reine  Fang-den-Posten-Partei. Fipsi Rösler hat auch einen als Vizekanzler bekommen. Das ist der Typ von irgendeinem Pizzaservice, der immer quäkt „Wir werden liefern!“ Bloß wann und was hat er nicht gesagt. Demnächst trifft sich ja die gesamte FDP – auch Fürchte-die-Politiker-Partei genannt – in KW, wie ein hiesiger Blaugelber verriet. Weshalb in KW? Nun hier gibt es noch eine Telefonzelle – und die hat die Früher-drei-Prozent-Partei gemietet. Für ihre Mitgliederversammlung. Dort will sie auch über ein neues Parteilogo beraten: Ein Daumen, der nach unten zeigt. Apropos nach unten: 2012 jährt sich ja zum 100. Mal der Untergang der Titanic…Vielleicht kann die im Untergang befindliche Mövenpick-Partei noch auf den Dampfer aufspringen – das sichert der FDP zumindest noch mal Aufmerksamkeit. Einen Musikwunsch dafür – einen, „der was taucht“ – hat die Partei der das Nichtbesserverdienenden   für die Untergangsparty auch schon: Etwas mit Tiefgang! Aber danach keine geschmacklosen FDP-Witze mehr! Gut, einen hab ich noch: Ein Engel steht an der „Menschentstehungsmaschine“. Er dreht an einer Kurbel, und bei jeder Umdrehung kommt hinten ein Kind heraus. Damit er eine gerechte Aufteilung hat, sagt er immer vor sich her: „Mädel, Bub, Depp, Mädel, Bub, Depp, Mädel, Bub, Depp …“ Plötzlich wird er zu einer wichtigen Besprechung gerufen. Er sagt zu einem Engel-Lehrling: „Du machst weiter, genau wie ich. Immer nur drehen und sagen ´Mädel, Bub, Depp, Mädel, Bub, Depp, Mädel, Bub, Depp usw´.“
Als der Engel nach zwei Stunden von der Besprechung zurückkehrt, hört er schon von weitem: „Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, Depp, …“ Er rennt zu seinem Lehrling: „Bist Du wahnsinnig – Du machst mir ja alles kaputt!“ Darauf der Lehrling: „Nein, Nein – alles ok. Wir haben bloß einen Großauftrag für zukünftige FDP-Politiker hereinbekommen.“ Aber Schluss damit! Denn der Wähler hat der FDP eben einen eindeutigen Auftrag gegeben: Auflösung! Auflösung der inkompetenten FDP-Spitze, Auflösung der aktuellen Bundesregierung, Auflösung überkommener Vorstellungen und abgestandener Wahlkampfparolen, die sich seit  Jahren nicht geändert haben. Wie unsere Amigo-Politiker. Bonusmeilen- oder Dienstwagen- und sonstige Affären – von den Roten über die Grünen bis zu den Schwarzen haben da schon etliche  ganz groß mitgewirkt.
Und so hab ich nur gelacht, als der Schwiegersohndarsteller Wulff in seiner Weihnachtsansprache von Offenheit und Ehrlichkeit geschwafelt hat. Das sagt gerade er! Er, der fleißig gewulfft hat! Wulffen – ein neues Wort in der deutschen Sprache nach westerwellen – sich selbst überschätzen, dann köhlern – sich davonstehlen und guttenbergen – abkupfern. Nun wulffen, also sich Vorteile im Amt erschleichen und die vertuschen. Mit allen Mitteln. Sogar mit Drohungen. Das ist Niveau Berlusconi: Dreist, stillos und einfach nur peinlich dieser vorgeblich 1. Mann im Staate.
Dabei wollte Wulff mal der Deutschen König sein. Gerade 2012, dem Jahr des 300. Geburtstages des großen Königs hierzulande, Friedrich des Großen. Ein Großer vor Merkels Gnaden wollte  der Bundespräses gern sein. Doch Wulff hat auf seiner Berliner Burg Bellevue, die schöne Aussicht verheißt, die Durchsicht verloren und nicht gemerkt, dass es ihm wie einst dem großen Herrscher im Märchen „Des Königs neue Kleider“ ergeht: Er ist nackt. Das Volk zeigt voller Spott mit Fingern auf ihn, mit dem Daumen nach unten und hat noch mehr die Nase voll vom Politik-Schmieren-Theater. Und falls Wulff ein Logo braucht: Es ginge vielleicht mit dem alten der SED: Zwei Hände, die sich zum gegenseitigen Wohlgefälligsein gereicht werden.
Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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