Die einen sagen so, die anderen so

Es ist ja nicht so, dass wir alle immer der gleichen Meinung sind. Was der eine so sieht, sieht der andere ganz anders. Neulich ward ich vor dem KWer Fontanecenter Ohrgast eines Dialogs. Sagt einer: Du, bei uns im Haus erzählen sie, dass Deine Freundin ja eine tolle Granate beim Sex sein soll… Meint der andere nur: Nuja, die einen sagen so, die anderen sagen so.
Die einen sagen so, die anderen so.  Das ist das Leben.
Neulich hat unsere Arbeitsmarktministerin von der Leyen, also dieses adlige Leiden, mal richtig gestrahlt. Sie jubilierte, sie schwebte, es schien, sie fliege. Sie tirilierte vor Erfolg, sie flog wie Mary Poppins durch die Lüfte. Der Grund: Nur noch drei Millionen Arbeitslose! Wow! Ein Jobwunder! Das haben Angela und der Guido gemacht. Sie sind die Größten. Toll, diese Schwarzgelben. Sagen die einen.
Augenauswischerei, wirtschaftspolitische Scharlatanerie. Schaut man sich die folgenden Zahlen an, sind es real letztlich genauso viele Arbeitslose wie einst unter Rotgrün. Sagen die anderen.
Fünf Millionen Menschen leben von 400-Euro-Jobs und fallen aus der Statistik. Weitere 1,5 Millionen Menschen werden gruppentherapeutisch von der Arbeitsagentur bemaßnahmt. Sie sind die von Armut bedrohten Rentner von Morgen.
Was ist Morgen, bejubilieren wir uns heute, sagen die einen. Man muss in die Zukunft sehen. Und: Was hat diese Regierung denn schon erreicht?, sagen die anderen.
Die Zahl der in Altersarmut lebenden Rentner, die eine Grundsicherung erhalten, beträgt 760 000. 2003 unter Rotgrün waren es 439 000. Das sind heute doch nicht mal doppelt so viele, sagen die einen. Das sind ja sogar bald doppelt so viele wie damals, sagen die anderen.
Die FDP hatte bei der letzten Wahl bald 18 Prozent Stimmen. Dank Westerwelle, sagen die einen. Die FDP hat jetzt auch was mit 1 und 8 bei den Wählerstimmen. Nur man muss  jetzt ein Komma zwischen der 1 und der 8 setzen. Dank Westerwelle. Sagen die anderen.
Oder nehmen wir die Integration unserer zugezogenen Mitbürgern vor allem aus dem Islam. Es gibt keine Probleme, sagen die einen. Es gibt gewaltige Probleme in vielen Lebensbereichen, sagen die anderen. Wer so was sagt, ist ausländerfeindlich und sollte von seinen Ämtern zurücktreten, sagen die einen. Wer so was sagt, dem gebührt Anerkennung für seinen Mut, sagen die anderen. Deutschland erfährt neues Leben durch Multikulti, sagen die einen. Deutschland schafft sich durch Multikulti ab, sagen die anderen.
Wenn vom KWer Funkerberg vielleicht mal der Muezzin vom Turm einer Moschee zum Gebet ruft, dann sagen die einen, dass der geänderte Bebauungsplan den neuen deutschen Realitäten gerecht geworden ist. Die anderen sagen dann: Mein Gott, wer hätte das mal gedacht?!
Es gibt jetzt eine Terrorwarnung für Deutschland. Der Dschihad, warnen die einen. Ach, nur ein Hadschi, wiegeln die anderen ab. Und wenn sich zwei Kopfttuchfrauen am Telefon unterhalten, dass sie schon 200 Anschläge schaffen, dann werden die einen der mithörenden Schlapphüte sagen, jetzt ist Gefahr im Verzuge. Die anderen werden sagen, das sind doch nur zwei Migrantinnen, die sich über ihre Fortschritte im Schreibmaschinenkurs unterhalten.
Aber wie gesagt: Die einen sagen so, die anderen sagen so.
Und überhaupt. Sag ich.

Mark Brandenburger

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