Die Flughafen-U-Bahn hält Kurs aufs Rote Rathaus

Etappenziel in Sicht: Für die Verlängerung der U 7 von Rudow in Richtung Schönefeld und Flughafen BER wollen der Senat von Berlin und das Land Brandenburg Machbarkeitsstudien veranlassen. F: michelangeloop/123rf.com; Grafik: KaWe-Kurier

Schönefelds Verwaltung ging gut gerüstet
in ein Treffen mit den Spitzen des Berliner Senats

Schwebt die U-Bahn tatsächlich in nicht allzu ferner Zeit auf einer Hochtrasse über dem S-Bahnhof Schönefeld ein, so wie sie das beispielsweise am Bahnhof Schönhauser Allee in Berlin schon viele Jahrzehnte macht? Wenn es ausschließlich nach dem Willen von Schönefelds Bürgermeister Dr. Udo Haase und seiner Amtskollegen aus den Berliner Nachbarbezirken Neukölln und Treptow-Köpenick ginge, dann stünde dies außer Frage! Dann würden für dieses zugegebenermaßen ambitionierte Verkehrsprojekt jetzt die Weichen gestellt.
„Eigentlich haben wir ja schon viel zu viel Zeit verschenkt“, sagt Schönefelds Gemeindechef, „wenn man bedenkt, dass wir hier in der Gemeinde seit 1992 eine Trasse in den Bebauungsplänen freihalten und auch den Bewohnern des Frauenviertels in Neukölln bereits 1996 ein U-Bahnhof namens Liselotte-Berger-Platz versprochen wurde.“ Genau diese Station ist Teil eines Entwurfs einer gut drei Kilometer langen Schienenstrecke vom U-Bahnhof Rudow zum S-Bahnhof Schönefeld, den die Planer der Rathäuser von Schönefeld und Neukölln sowie der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gemeinsam abgestimmt und erarbeitet haben. Er sieht eine unterirdische Verlängerung der U7 auf dem Berliner Stadtgebiet vor, die auf Brandenburger Seite über eine Rampe auf einen rund fünf Meter hohen Viadukt geführt wird. Auf dem Schönefelder Gelände ist im neu entstehenden Wohngebiet nördlich der Hans-Grade-Allee ein weiterer Bahnhof geplant, ehe dann der S-Bahnhof Schönefeld erreicht wird. Als weitere Option ist in einer zweiten Ausbaustufe von noch einmal gut drei Kilometern die Anbindung des Flughafens BER entlang der B96 und der A113 mit Halt in den neuen Gewerbegebieten Gatelands und Kienberg schon mitgedacht.
Mit diesen konkreten Vorstellungen wartete Udo Haase in der letzten Woche bei einem Besuch des Berliner Senats im Stadtbezirk von Neukölln auf. „Die Neuköllner Kollegen hatten darum gebeten, dass ich über die Entwicklungen in Schönefeld berichte und unser gemeinsames Anliegen der U-Bahn-Anbindung begründe.“ Die Schönefelder Verwaltung hatte ihre Hausaufgaben gemacht und eigens für das Treffen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller und den zuständigen Senatoren eine Broschüre angefertigt, die alle Argumente für den Lückenschluss anschaulich zusammenfasst. Detailliert wird die Entwicklung der Wohn- und Gewerbegebiete dargestellt, die Neu-Schönefeld in den nächsten zehn Jahren einen Einwohnerzuwachs von rund 25000 Menschen bescheren wird. Damit einher gehen Verkehrsprognosen, die allein in den Vierteln entlang der neuen Achsen nördlich der S-Bahn-Trasse mehr als 37000 Kfz-Bewegungen innerhalb von 24 Stunden voraussagen. Mit einer U-Bahn könnte diese Belastung, so die Erfahrungswerte, um rund ein Drittel gesenkt werden. „Und dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, was sie auch für den Berufs- und Pendlerverkehr in Richtung der neuen Arbeitsplätze und Einkaufsviertel rund um den neuen Flughafen bringen würde“, sagt Udo Haase.
Auch wenn das Vorhaben im Berliner Senat nicht auf einhellige Begeisterung trifft, so gehen die Befürworter nach den Worten von Schönefelds Bürgermeister doch mit Zuversicht aus dem Treffen. Immerhin begrüßte Berlins Stadtoberhaupt Michael Müller den visionären Ansatz. Berlin und Brandenburg sollten mutig sein, sagte er, so wie das die Stadt vor gut 100 Jahren war, als sie die Entscheidung für das bis heute noch beispielhafte S-Bahn-Netz traf. Er meinte, es müsse noch in dieser Legislaturperiode, also bis 2021, eine Grundsatzentscheidung geben. Inwieweit Berlin wirklich mitzieht, hängt aber auch entscheidend von den mitregierenden Grünen ab, deren zuständige Fachsenatorinnen für Wirtschaft und Verkehr Ramona Pop und Regine Günther dem U-Bahn-Bau bislang nicht viel abgewinnen können. Sie führten vor allem Kosten von rund einer Milliarden Euro und lange Planungs- und Bauzeiten von mehr als 15 Jahren als Gegenargumente ins Feld.
„Woher sie diese Zahlen nehmen, ist mir schleierhaft“, hält Dr. Udo Haase dagegen. In der Regel würden für den Bau von einem Kilometer U-Bahn rund 100 Millionen Euro Kosten veranschlagt. „Das wären für die gesamt Strecke also 600 Millionen“, rechnet er vor. „Und wenn man sich andere Städte anschaut, dann sieht man auch, dass man wesentlich schneller bauen kann.“ Schönefelds Gemeindeoberhaupt versichert, sich weiter für das Projekt stark zu machen. „Immerhin haben wir die Unterstützung der Landesregierung von Brandenburg für eine Machbarkeitsstudie. Das muss jetzt der nächste Schritt sein.“

TM

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