Die geballte Kraft der Künste und des Wissens

Schüler und Lehrer arbeiten vor und hinter den Kulissen gemeinsam an ihrer Hommage für den Komponisten Paul Dessau. Fotos: T. Müller

Die Paul-Dessau-Schule Zeuthen feiert ihren Namensgeber mit einem Tag der offen Tür und einer spektakulären Musicalproduktion

Der Kit Kat Klub von Zeuthen – er wird wohl im Ort zur Legende werden, so wie es das Film-Musical „Cabaret“ seit gut 50 Jahren in der Kinowelt ist. Seit rund einem Jahr arbeiten die mehr als 800 Schüler und Lehrer der Musikbetonten Gesamtschule Paul Dessau Zeuthen an einem fulminanten „Willkommen, Welcome, Bienvenue …“, um dem Ort mit der geballten Kraft ihrer Talente und ihres in der Schule erworbenen Wissens zwei magische Tage zu bereiten. Der Anlass ist der 125. Geburtstag des Namensgebers Paul Dessau und der 40. Jahrestag der Namensweihe der Schule, an der der große deutsche Komponist und Weggefährte von Bertold Brecht selber einst Musikunterricht gegeben hat.

Und gewiss – der Patron hätte seine wahre Freude an dem produktiven, kreativen Gewusel, das seit Monaten Schulgebäude und mittlerweile auch das benachbarte Kulturzentrum des Ortes ausfüllt. Beinahe in jedem Raum wurde und wird noch bis zum großen Showdown am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche intensiv geprobt. Schauspiel, Tanz, Solisten- und Chorgesang, Orchesterspiel, Kulissenbau, Ton, Beleuchtung, Kostümbildnerei, Maske, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Catering, Garderobe und und und – das ganze volle Programm für ein Bühnenspektakel im Ambiente eines Berliner Musical-Cafés der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts liegt in Schülerhand. „Jeder ist involviert“, sagt der stellvertretende Schulleiter Thomas Schünke, „jeder, der an dieser Schule lernt und lehrt, hat sich anlässlich der Jubiläen ganz speziell mit Paul Dessau und dessen Zeit beschäftigt.“

Die Schüler konnten schon zu Jahresbeginn aus rund drei Dutzend Themen wählen, die explizit für den Paul-Dessau-Tag am 19. Dezember umgesetzt werden. Denn neben dem Musical, das zwei Aufführungen am 18. und 19. Dezember erleben wird, und der zum Kabarett-Haus umfunktionierten Mehrzweckhalle werden künstlerische, geschichtliche, naturwissenschaftliche und unterhaltsame Einzelprojekte vorbereitet. Sie werden beim Tag der offenen Tür am 19. Dezember das Schulhaus zu einer Zeitenschleuse in die goldenen, zugleich aber eben auch das historische Unheil des Nationalsozialismus ankündigenden Jahre verwandeln.

Dieser Widersprüchlichkeit hat sich auch das adaptierte Musical verschrieben, das in die schummrige und doch aufgewühlte Kit-Kat-Klub-Atmosphäre führt. „Es ist vorbei, Berlin kotzt auf die Straße“ proben die Schüler den Spagat zwischen Feier und Feuer jener Zeit, wobei sie ihr Projektleiter, der Geschichts- und Deutschlehrer Sebastian Ernst, immer wieder auf Intonation, Mimik oder Laufwege hinweist.„Ich habe für mich während der Vorbereitungszeit sehr viel mitgenommen an Hintergrundwissen und für die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten“, sagt zum Beispiel Davina Rausch, eine der Darstellerinnen und Sängerinnen auf der Bühne. „Das wir hier als gesamte Schule etwas so Großes auf die Beine stellen, das wird bestimmt keiner vergessen.“ TM