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Montag, Februar 26, 2024
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Die Geldschleuder

Oh, meine Kanzlerin: Du traust Dich was! Jetzt vor dem nahenden Amtsende noch mal so ein gigantisches Ding rauszuhauen! In Zeiten knapper Kassen so viel Geld für einen Regierungs-Protzbau rauszuhauen, dass man es kaum glauben kann! Merkel, die sich zu Recht viel auf ihre Bescheidenheit zugute hält, besser zu gute hielt – und ihr Kabinett haben klammheimlich beschlossen, das Kanzleramt bis zum Jahr 2028 durch einen Neubau auf der gegenüberliegenden Spreeseite auf 50.000 Quadratmeter zu vergrößern, ja zu verdoppeln. Einen gigantischen Regierungssitz, in einer Größe, wie man ihn weltweit kein zweites Mal findet! Und auf die Zukunft ausgerichtet: Mit einem Kindergarten. Für 2,8 Millionen Euro mit einer Nutzfläche von 267 m². Dies entspricht dem Dreifachen eines normalen Kindergartenplatzes, sagt der Bundesrechnungshof. Für nur 12 bis 15 Kinder! Oder weil die Regierung ein Kindergarten ist? Für die Parlamentarierkinder ist eben nichts zu teuer! Für des gemeinen Volkes Gören schon – Kita-Plätze fehlen an allen Ecken. Es gibt zwar schon einen nahen Kanzleramts-­Kindergarten, auch mit viel Platz, aber eine Unterbringung der Kanzleramtsmitarbeiter-Kinder sei dort nicht möglich. Auch eine zweite Kanzlerwohnung müsse her, sagt das Kanzleramt. Die alte ist ja nur 200 m² groß – die neue wird 250 m² haben. Die Bürofläche für 395 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schlägt pro Quadratmeter mit gigantischen 18.529 Euro zu Buche. 
Die im neuen Humboldtforum kostet 15.265 Euro pro Quadratmeter. Allein die Ausstattung mit Sofas, Schrankwand und Lampen soll rein rechnerisch 
225.000 Euro kosten, schätzt der Rechnungshof. Auch 
eine Errichtung von Wintergärten müsse schon wegen der gleichen Arbeits- und Pausenmöglichkeiten für alle Mitarbeiter gewährleistet sein. Vorgesehen sind neun Wintergärten über jeweils fünf Etagen. Allein die Verglasungen, der Sonnenschutz und die Anlagen zur Fensterreinigung kosten über 14 Millionen Euro.

Im Januar 2019 wurden die Parlamentarier mit dem Projekt eines „nüchternen, auf Funktionalität ausgerichteten Zweckbaus“ für dumm verkauft. Sie wurden mit Baukosten in Höhe von rund 400 Million Euro eingelullt. Davon will man heute nichts mehr wissen: Das Innenministerium sagt nun, es wird ein klein wenig teurer. Etwas über 600 Millionen Euro soll der Spaß nun kosten. Bis jetzt. Doch auch in Zeiten knapper Kassen dürfe der „Neubau nicht unter das architektonisch-bautechnische Niveau des bestehenden Kanzleramtsgebäudes absinken.“

Nun fragt man sich: Wozu braucht Deutschland in Zeiten von Corona und damit einhergehenden ziemlich leeren Kassen eine derartig gigantische Regierungszentrale? So leer können die Kassen nicht sein, denn die Quadratmeterpreise sprengen alle bisherigen Dimensionen in Deutschland. Doch für unsere Politiker kann uns nichts zu teuer sein. Doch weshalb juckt es ausgerechnet die spartanische Angela nicht, wenn eine solch obszön gigantische und teure Stätte für ihre Nachfolger entsteht? Der Palast der Republik hieß bei der Bevölkerung einst „Erichs Lampenladen“. Das alte Kanzleramt in Anspielung an den früheren Bauherrn Helmut Kohl „Kohlosseum“ und auch „Waschmaschine“. Das neue Doppel-Kanzleramt vielleicht Wasch- und Geld(ver)schleudermaschine? Oder Angelas Vermächtnis? Und überhaupt.

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