Die grüne Wiese bekommt ein Gesicht

Längst keine grüne Wiese mehr - die Hans-Grade-Allee wird zum lebendigen Herzen von Neu-Schönefeld. Fotos: Müller
Bürgermeister Udo Haase und die Gemeinde suchen werbewirksam Fachpersonal. DT | KaWe-Kurier online

Auch ohne Flughafeneröffnung ist Schönefeld
die am dynamischsten wachsende Gemeinde in Brandenburg

Von Sommerloch kann in Schönefeld wahrlich keine Rede sein. Die Termine jagen sich in diesen Tagen in der Flughafen-Gemeinde, die sich trotz des Desasters am BER auf rasantem Wachstumskurs befindet. Grundsteinlegungen, Richtfeste, Eröffnungen von Schule, Kita, Mensa, Wohngebieten und wichtigen Straßenverbindungen halten den Bürgermeister Dr. Udo Haase, Vertreter des Gemeindeparlamentes, die Partner aus dem Landkreis und zahlreiche Investoren im Juli ordentlich auf Trapp.

So wurde am Donnerstag vergangener Woche der offizielle Auftakt für den Neubau eines Gymnasiums im alten Ortskern direkt am S-Bahnhof Schönefeld vollzogen. Das dreistöckige Gebäude bietet Platz für rund 540 Schüler. Es ist dreizügig ausgelegt. Auf einer Außenfläche von rund 8000 Quadratmetern entstehen attraktive Freizeit- und Sportanlagen – unter anderem eine Freilichtbühne für Theateraufführungen. Für die nähere Zukunft ist noch eine Mehrfeldhalle geplant. „Die ist schon ausgeschrieben“, sagt Udo Haase, „wir wollen sie schlüsselfertig in Auftrag geben und übernehmen, um so auch Kapazitäten in der eigenen Verwaltung frei zu halten.“

Das neue Gymnasium, das von der Gemeinde errichtet und zum größten Teil finanziert wird und anschließend vom Landkreis angemietet wird, soll zum Schuljahresbeginn 2019/20 eröffnet werden. „Eigentlich ist es ja nicht unsere Aufgabe, ein Gymnasium zu bauen“, erklärt Udo Haase. „Aber wir haben die Kraft und wollten angesichts der Bevölkerungsentwicklung unbedingt eines haben und haben so mit dem Landkreis eine gute Lösung gefunden. Für alle Beteiligen ist das eine Win-Win-Situation.“

In Schönefeld, das in diesem Jahr 37,7 Millionen Euro Investitionsvolumen zur Verfügung hat und damit die Gemeinde mit der rasantesten Entwicklung in ganz Brandenburg ist, geht man offenbar gern unkonventionelle, neue Wege. Voller Stolz führt der Gemeindechef bei einer kleinen Rundfahrt mit dem KaWe-Kurier durchs Ortsgebiet zum Vorbereich des Flughafens. Dort steht seit Ende letzter Woche direkt am Fußgängerübergang vom Bahnhof zum Terminal eine große Infotafel der Gemeinde, die für neues Personal wirbt. „Bei 12 Millionen Fluggästen jährlich könnten doch ein paar geeignete Leute dabei sein, die sich in die Stadt verlieben und hier eine neue Perspektive ­suchen. Wir bieten sie“, sagt der Bürgermeister selbstbewusst.

Zum Beispiel werden allein für die neue Kita, deren Grundstein vorgestern in der Theodor-Fontane-Allee gleich hinter der Grundschule feierlich gesetzt wurde, rund 60 Erzieher benötigt. Dort entstehen insgesamt rund 530 Krippen-, Kita und Hortplätze. Zudem wird eine Mensa errichtet, die auch von der Astrid-Lindgren-Schule genutzt wird. Da auch weitere, schon vorhandene Einrichtungen in Wassmannsdorf und Großziethen wachsen, sucht Schönefeld derzeit um die 100 neue Kita-Fachkräfte. „Da muss man sich was einfallen lassen und alle möglichen Quellen anzapfen“, sagt der Schönefelder Verwaltungschef. Immerhin hat das Rathaus in der Hans-Grade-Allee schon derzeit einen Stab von rund 70 Mitarbeitern und 300 Beschäftigten in den kommunalen Einrichtungen wie Kitas, Schwimmhalle oder Bauhof. Damit hat sich die Anzahl der Beschäftigten in den letzten Jahren mehr als verdreifacht.

Das gleiche gilt für die Bevölkerungszahlen. Als Udo Haase im Jahre 1991 als Bürgermeister von Wassmannsdorf in die Schönefelder Politik einstieg, lebten rund 5200 Menschen im Ort und seinen heute dazu gehörenden Dörfern und Siedlungsgebieten. Mit Stand vom Juli 2018 sind es gut 15500 Einwohner. „Derzeit kommen monatlich rund 100 dazu“, informiert der Gemeindechef. „Ich schaffe es leider nicht mehr, zu allen Richtfesten und Wohnungsübergaben zu gehen.“ Derzeit sind auf dem Gemeindegebiet – insbesondere rund um die Hans-Grade-Allee – um die 2000 Wohnungen im Entstehen. Mit klangvollen Namen wie Vivaldi-Höfe, Fontane-Park oder Rathaus-Quartier, mit Spielplätzen und großzügigen Außenanlagen ziehen sie rund um die schon vor Jahren errichteten neuen Gebäude von Rathaus, Grundschule und Schwimmhalle die Neubewohner an. „Als wir das Rathaus mitten auf die grüne Wiese bauten, hat man uns schon für verrückt erklärt“, sagt Udo Haase mit einer gewissen Genugtuung. Heute entsteht dort tatsächlich die neue Stadt, die sich damals so richtig keiner vorstellen konnte.

Für das nächste große Quartier, die „Sonnenhöfe“, direkt neben dem Hotel Holiday Inn ist die Baugrube schon ausgehoben, sind die Kräne bereits verankert. Dort wird ebenfalls noch in diesem Monat der Grundstein für weitere 560 Wohnungen gelegt. Die Prognose, dass in Neu-Schönefeld eines Tages rund 25000 Menschen wohnen, hält Udo Haase für überholt, machen doch schon Zahlen von 30000 bis 40000 Bewohnern die Runde. „Deswegen müssen wir ja mit der Infrastruktur mithalten und vorausschauend planen und agieren“, sagt der Bürgermeister. „Unser Prinzip war es immer, Straßen und Einrichtugen zu errichten, bevor die Menschen da sind und es Engpässe gibt.“

So ist auch die Waltersdorfer Allee, die parallel zur neuen A113 verläuft, eine zusätzliche Verbindung zwischen Schönefeld und Waltersdorf schafft und dabei den neuen Flughafen sowie weitere geplante Gewerbegebiete wie das „Airgate“ oder die „Airtown“ anbindet, eine Investition in die Zukunft. Ein gut 800 Meter langes Teilstück der Straße mit drei Kreisverkehren, das rund 6,7 Millionen Euro gekostet hat, wird ebenfalls noch in diesem Monat eingeweiht. „Ich gebe zu, ich hätte es schon gern als amtierenden Bürgermeister erlebt, dass der Flughafen eröffnet wird“, räumt der 66jährige Dr. Udo Haase ein, dessen aktuelle Amtszeit im nächsten Jahr ausläuft. Die Inbetriebnahme vom BER ist derzeit bekanntlich für 2020 avisiert. „Aber unabhängig davon konzentrieren wir uns im Rathaus einfach darauf, vor dem Zaun die Dinge zu ordnen und darauf vorbereitetet zu sein, wenn es schließlich losgeht.“

TM

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