Die IT-Branche braucht das Fachwissen der Frauen

Frauen engagieren sich für Frauen: Die Kuratoriumsmitglieder der Brandenburgische Engineering Akademie 2023 (BREAK) Prof. Dr. Ulrike Tippe (Präsidentin TH Wildau; links), Dr. Renate Weisse (Patentanwaltskanzlei Weisse; 2.v.l.), Susanne Rieckhof (Vize-Landrätin LDS/ BREAK-Schirmherrin; 3.v.r.) und Prof. Dr. Monika Bauer (ehem. Fraunhofer PYCO / BTU Cottbus; rechts) sowie die Unternehmensvertreterinnen Vinothega Chandiran-Mahler (TITUS Research GmbH Wildau; 3.v.l.) und Elisa Czerski (N Robotics GmbH Wildau). Foto: Wirtschaftsförderung Dahme-Spreewald / Kristin Schiller

Was entgeht der Gesellschaft an Bildungs-Know How, an Diversität in der Suche nach innovativen Problemlösungen und auch an Empathie im kollegialen Miteinander des Arbeitslebens, wenn der Anteil von Frauen im technischen und technologischen Industrie- und Forschungsbereich mit jedem Schritt des Älterwerdens immer geringer wird?

Von diesem realen Problem lässt sich die im Landkreis Dahme-Spreewald neu gegründete Brandenburgische Engineering Akademie (BREAK) des Regionalnetzwerkes dahme_innovation leiten. „Wir müssen diese Entwicklung, die sich in letzter Zeit leider wieder verstärkt, durchbrechen“, sagt die Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau Prof. Dr. Ulrike Tippe, die sich als Kuratoriumsmitglied in die Akademie einbringt. „Bei unserer Kinderuni ist das Verhältnis der Mädchen und Jungen noch pari pari“, beschreibt sie die aktuelle Situation, „in unseren technischen Studiengängen fangen dann aber nur noch unter 20 Prozent Frauen an. Warum ist das so?“

In den Ingenieurs-Berufen würden dann derzeit nur noch knapp 10 Prozent Frauen tatsächlich ankommen, in Führungspositionen der Branche liege der Anteil bei einem bis drei Prozent, ergänzt die Berliner Patentanwältin und Ideengeberin der Akademie Dr. Renate Weisse. Die Mutter von drei Kindern kämpft seit Jahren darum, den Frauen in einem männerdominierten Bereich Wege zu ebnen und sie davor zu bewahren, sich an bestimmten Lebenspunkten zurückziehen zu wollen oder gar zu müssen. „Das geht aber nicht von allein“, ist sie überzeugt. Das lehre ihr die Praxis, in der sie auch „viele Rollen rückwärts“ erlebt habe.

Bei der Wirtschaftsfördungsgesellschaft Dahme-Spreewald stieß sie auf offene Ohren. Mit der nun gemeinsam entwickelten Sommerakademie für dieses Jahr werden Studienabsolventinnen, aber auch junge Fachfrauen in Unternehmen sowie gelernte Ingenieurinnen, die bereits aus verschiedensten Gründen aus dem technischen Berufsweg ausgestiegen sind, angesprochen. Unter dem Motto „Technisches Wissen von Frauen für Frauen“ sollen sie zum Weitermachen, zum Neuanfang oder zur speziell auf die jeweilige Arbeit zugeschnittenen Qualifikation ermuntert werden. Dafür wurden für die Woche vom 19. bis 23. Juni 2023 zwei Kurse mit jeweils 16 Einheiten zusammengestellt, bei denen sich die Frauen gezielt mit Fragen zur Künstlichen Intelligenz, zum Additiven Manufacturing oder Grid Management auseinandersetzen können. Die Teilnehmerinnen können wählen, ob sie sich mit IT-Fragen im Bereich Python, mit energietechnischen Themen, mit Triebwerkstechnik oder autonomen Fahren beschäftigen wollen.

Daneben werden Themen wie Gehaltsverhandlungen, Selbstmarketing oder Altersvorsorge behandelt. Karrieremesse, Betriebsbesichtigungen und Netzwerkveranstaltungen rund um den Technologie- und Wissenschaftspark Wildau vermitteln praktische Kontakte in die Wirtschaft und Forschung vor Ort. Zugleich wird es aber auch Zeit und Gelegenheit für den Austausch untereinander geben. Mit diesem kompakten Angebot verbindet die LDS-Vize-Landrätin Susanne Rieckhof, die die Schirmherrschaft für die BREAK-Akademie übernommen hat, die Hoffnung, „den Anteil von Frauen in Ingenieurberufen zu erhöhen und somit den Fachkräftemarkt zu stärken“.

Insgesamt gibt es für den ersten Akademie-Durchgang rund 100 Plätze. Die Workshops, Seminare und Gespräche finden in Wildau in den Einrichtungen der Technischen Hochschule sowie der Luft-, Raumfahrt- und Gründerzentren des Landkreises statt. Ein Kurs kostet 250 Euro. „Für uns ist das gut angelegtes Geld“, sagt Elisa Czerski, Geschäftsführerin des in Wildau und Berlin ansässigen Robotikunternehmens N Robotics GmbH, „wir können uns sehr gut vorstellen, interessierte Kolleginnen oder auch Bewerberinnen den Besuch zu ermöglichen. Es geht nicht um Lippenstift und hohe Absätze. Wir brauchen für unsere KI-Lösungen den weiblichen Blick, das weibliche Denken. Aber nicht nur wir, der ganze IT-Bereich braucht Diversität, braucht das Fachwissen und Selbstbewußtsein der Frauen.“ TM

INFO
Bewerbungen zur Teilnahme an der Brandenburgischen Engineering Akademie (BREAK) vom 19. Juni bis 23. Juni 2023 in Wildau werden ab sofort entgegen genommen. Auch Ingenieurinnen, die BREAK mit einem Kurs, Vortrag oder Workshop unterstützen möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Themenvorschläge bei den Veranstaltern einzureichen. Alle Informationen dazu sind auf www.dahme-innovation.de sowie auf www.break.de zu finden. Bei Rückfragen steht das Kuratorium per E-Mail an break@dahme-innovation.de zur Verfügung.