Die rollende Straße

Bürgermneister Swen ­Ennullat, die hollän­dischen Investoren Adrie Visbeen und Henk van Dieren ­sowie Lutra-Geschäftsführer Michael Fiedler im Hafen von KW (v.l.n.r.). Foto: Stadt KW

Der Königs Wusterhausener Hafen bekommt eine hochmoderne Verlade-Technologie

Es ist schon ein neues Zeitalter, in das der Hafen von Königs Wusterhausen  in den nächsten Jahren geht. In der letzten Woche unterzeichneten die städtische Hafengesellschaft LUTRA und Vertreter eines holländischen Großinvestors einen Vertrag für die Ansiedlung eines in Deutschland bislang einmaligen Verladeterminals, mit dem Güter vom LKW auf die Eisenbahn und umgekehrt umgeschlagen werden sollen.

„Das ist ein Riesenschritt für uns“, sagt LUTRA-Geschäftsführer Michael Fiedler. „Es kommt eine völlig neue Technologie nach dem Prinzip der rollenden Straße nach Königs Wusterhausen, darauf sind wir schon stolz.“ Innerhalb der nächsten drei Jahre wird auf einer Fläche von rund 30000 Quadratmetern ein hochmoderner Umschlagplatz zwischen Straßen- und Schienenverkehr entstehen. Rund 16 Millionen Euro werden dabei investiert. Der holländische Technologieentwickler Henk van Dieren hat ein Verfahren für sogenannte Mulitflex-Waggons konzipiert, bei dem die LKW direkt in die Zugwaggons hineinfahren, ihre voll beladenen Sattelhänger per Drehkreuz ablegen und lediglich als Zugmaschine wieder hinaus rollen. Und genauso läuft es auch umgekehrt – die Zugmaschine kommt an, lädt den Container im Waggon auf und bringt die Fracht an den Bestimmungsort in Berlin oder Brandenburg. „Jeder stöhnt über die mit LKW vollgestopften Autobahnen, mit diesem Terminal holen wir den Güter-Fernverkehr von der Straße auf die Schiene“, so Michael Fiedler.

Nicht nur Hafen und Stadt Königs Wusterhausen, sondern auch das Eisenbahnbundesamt ist von der Idee so überzeugt, so dass es das Vorhaben mit zehn Millionen Euro aus dem ­Programm „Kombinierter Verkehr“ fördert. „Wir sind dem Bund zu großem Dank verpflichtet“, betont denn auch Königs Wusterhausens Bürgermeister Swen Ennullat. „Aus eigener Kraft hätten wir die Umstrukturierung dieses Hafenabschnittes nicht umsetzen können.“

Die Containerzüge werden – so wie bis vor einem Jahr die Kohletransporte – über den Bahnhof Königs Wusterhausen auf das hafeneigene Gleisnetz fahren. Die Lkw kommen über den direkten Straßenanschluss an den Berliner Ring zum Terminal.  Aus der Stadtverwaltung heißt es auch, dass die verkehrliche Zusatzbelastung, auch in Punkto Lärm, im Vorfeld im Auftrag des Aufsichtsrates gutachterlich geprüft wurde und entsprechende Bedenken ausgeräumt werden konnten.

In der Perspektive soll im Hafen pro Werktag ein Zug abgefertigt werden. Die bringen zum Beispiel Lebensmittel oder Blumen aus Holland nach Berlin und Brandenburg. Gleichzeitig sollen aber auch Güter in der Gegenrichtung zum Beispiel zum Rotterdamer Hafen in Königs Wusterhausen von der Straße auf die Schiene verladen werden. Durch die neue Technologie ist nur noch ein Lkw für jeden der etwa 30 Waggons nötig. Betrieben wird der Umschlagplatz, der spätestens 2021 eröffnet werden soll und 15 neue Arbeitsplätze bringt, von der neuen Terminalgesellschaft Süd mbH, die ihren Sitz in Königs Wusterhausen haben wird. Michael Fiedler hofft, dass sich das neue Unternehmen beim Be- und Entladen der Züge der Hafengesellschaft bedienen wird. „Wir haben bereits angekündigt, dass wir uns für diese Dienstleistungen bewerben werden. Schließlich kennt niemand den Hafen so gut wie wir“, sagt der Geschäftsführer.

Das zukünftige Terminal ist bereits die vierte neue Ansiedlung seit dem Abschied vom Kohleumschlag im letzten Jahr. Rund 1.3 Millionen Tonnen wurde jährlich für das Heizkraftwerk in Berlin-Lichtenberg verladen. „Wir schreiben zwar schon wieder schwarze Zahlen, aber um diesen Ausfall komplett zu kompensieren, brauchen wir noch zwei Jahre“, sagt der Hafenchef, der seit Anfang des Jahres im Amt ist. Als langjähriger Hafenmeister ist er mit allen Abläufen bestens vertraut. Derzeit sind bei der Lutra-Betreibergesellschaft 24 Mitarbeiter beschäftigt. In den über 30 im Hafen angesiedelten Unternehmen arbeiten mehr als 300 Frauen und Männer. Nachdem in jüngster Zeit ein Baustoffunternehmen, ein Altholz-Aufbereiter und eine Kranfirma auf das Areal an der Dahme geholt werden konnten, sind nun noch rund 35000 Quadratmeter Gewerbefläche zu vergeben. „Wir haben weitere Interessenten aus Industrie und Gewerbe“, so Michael Fiedler, „wir sind bei der Umstrukturierung auf einem wirklich guten Weg.“ TM

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