Die Russen waren`s!

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Keine Frage: Die Russen sind schuld. An allem. Schon Ötzi ist damals in der Jungsteinzeit einem Anschlag der Russen zum Opfer gefallen. Die Russen sind Schuld am Untergang der Titanic. Am BER-Desaster. Und am Cyberangriff auf Bundesministerien in Berlin. Ganz klar, auch die Wolfsplage in Brandenburg geht auf ihre Pelzkappe. Sie sind auch schuld daran, dass wir im Osten immer schon nackt baden – damit sie uns damals nicht das Letzte aus den Taschen holen konnten. Aktuell waren das die Russen und Putin mit dem Giftanschlag auf einen Ex-Spion in London. Wer sonst?! Ganz klar, hier ist ein abscheuliches Verbrechen passiert. Es ist zwar nicht bewiesen, wer es war, aber für den Westen ist klar: Putin und die Russen waren`s! Theresa May will dafür die „Russen bestrafen“. Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck, mahnte, dieses Vorgehen stelle grundlegende Rechtsprinzipien auf den Kopf. Obwohl vieles möglich ist, könne er „keine Logik erkennen, dass Putin ein Interesse haben sollte, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, wo er ganz großen Wert darauf legt, dass das ein Erfolg wird, so was zu inszenieren.“ Platzeck wirbt immer wieder – wie vor einiger Zeit auf einem Forum in KW – statt des fortwährenden Russen-Bashing für einen Dialog und bessere Beziehungen zu Russland. Ein Ost-Rufer gegen den West-Wind. Es war doch im Verständnis des Westens immer so: „Wer eine antisowjetische Politik betrieb, zählte zu den ›Guten‹, auch wenn er Pinochet, Suharto oder Reza Schah Pahlavi hieß. Wer westlichen Interessen in die Quere kam, steckte gewiss mit Moskau unter einer Decke und gehörte beseitigt, wie Allende in Chile, Lumumba im Kongo, Mossadegh im Iran, Sukarno in Indonesien oder Nasser in Ägypten.“ So die frühere Russlandkorrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz. Die  Dogma-Feindbilder des Westens vom Russen verstellen den klaren Blick auf die Realität. Sollten unsere Politiker nicht gewarnt sein? Wir sind Anfang der 2000er Jahre schon mal auf eine ähnliche Spur wie die in London gelenkt worden. Das war dann die Ursache für den Irak-Krieg. Da gab es auch angeblich sichere Beweise. Jahre später haben die Amis zugegeben, dass das Ganze ein konstruiertes Lügengebilde war und daraufhin wurde der Irak-Krieg begonnen und hat Zehntausenden Menschen das Leben gekostet. Aber der Westen scheint nichts daraus gelernt zu haben. Er und auch unserer neuer Bundesaußenminister sind da ma(a)ßlos und schwingen die große Russen-Bashingkeule. Es hat Methode, Russland – auch wenn kein Beweis zu greifen ist – grundsätzlich als hinterhältig und seinen Präsidenten als bösen Buben darzustellen. Die Russen sind schuld. Auch daran, dass ich diese Kolumne geschrieben habe.

Und überhaupt.

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