Die Vergänglichkeit der Kunst

Wenn sich die Scholle vom Bildträger löst

Mit dieser Problematik sieht sich Gemälderestauratorin Anja Lindner-Michael gerade an einem extremen Beispiel ihrer Arbeit konfrontiert. Ihr KWer Atelier ist hell und strukturiert. Auf dem höhenverstellbaren Tisch liegt ein Gemälde, dass eine einen Obstkorb tragende junge Frau zeigt.

Nur sehr vorsichtig und mit viel Fingerspitzengefühl ließ sich das Gemälde, dessen Malerei sich an den Bildrändern in teilweise 2 x 4 cm großen Schollen von der Leinwand abhebt, aus seinem Zierrahmen lösen. Dies sei notwendig, so die Restauratorin, da sich das Gewebe lokal zusammenzog und die Schollen sich dadurch vom Gewebe abhoben. Aus diesem Grund können die losen Farbschichten nicht einfach niedergelegt und mit dem Gewebe verklebt werden. Zunächst muss wieder genügend Auflagefläche geschaffen und sowohl eine geeignete Methode als auch ein geeignetes Klebemittelgemisch gefunden werden, um die Schollen vorsichtig an ihren Ursprungsort zurückzuführen. Solche anspruchsvollen Sonderfälle erfordern bisweilen viel Einfallsreichtum, aber vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl.

In ihrer Arbeit hat die diplomierte Restauratorin aber nicht nur den Anspruch, die ihr anvertrauten Gemälde mit größter Sorgfalt und nach den neuesten fachlichen Erkenntnissen zu behandeln. Besonders wichtig ist es für Frau Lindner-Michael auch, ihre Kunden und Sie liebe Leser durch persönliche Beratungen, die Dokumentation ihrer Arbeit und Tage der offenen Tür in die Erhaltung der Kunstwerke einzubeziehen und für die gealterten Kunstwerke und deren Bedürfnisse zu sensibilisieren.

Sie freut sich, dass es seit dem letzten Jahr nun einen weiteren regelmäßigen Termin dafür gibt, ihr Atelier für interessiertes Publikum zu öffnen und über ihren Beruf zu informieren – den europäischen Tag der Restaurierung. Also seien Sie gespannt, welche Institutionen und Restauratoren auch in diesem Oktober wieder ihre Ateliers für Sie öffnen!