Die Vernunft liegt im Coronafieber

Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet: Da stürzen dieser Tage zwei Männer mit einer Gesichtsmaske aus einer Bank in der KWer Bahnhofstraße: Ist hier etwa auch Corona ausgebrochen?! Nein, es war zum Glück bloß ein Banküberfall! Aber im Ernst: Man kann es nicht mehr hören! Gibt es denn kein anderes Thema mehr als Corona in allen Ausbreitungen?! Greta, Klimawandel, AKK-Demontage, Wahldesaster in Thüringen, Scharlatan Klinsmann – alles nicht mehr relevant. Nur noch Corona. So schlimm die weltweite Ausbreitung des Virus und die Folgen sind – sind denn alle verrückt geworden? Die Vernunft ist ausgeschaltet und liegt im Coronafieber. Sensationsgier und mediale Übertreibungslust haben eine Massen-Psychose herbeigeführt. Das sorgt für eine apokalyptische Panik bei vielen Menschen: Sie rennen mit jedem Schnupfen in die Notaufnahme. Sie hamstern und horten bratzenblöde Lebensmittel und Hygieneartikel und was sonst noch. Frieren Döner, Big Mac oder Burger ein. Oder heißes Wasser, denn heißes Wasser kann man ja immer gebrauchen. Einige Menschen horten zum Beispiel so viel Klopapier, dass sie damit wie weiland Christo den Berliner Reichstag verhüllen könnten. Und es werden Desinfektionsmittel rangeschafft, als wolle man darin baden. Oder die werden sogar geklaut. In Berliner Kliniken – leider kein Witz – füllen sich Besucher auf dem Klo oder auf dem Flur Handdesinfektionsmittel in Mineralwasserflaschen ab. In Apotheken gibt es jetzt ein freiverkäufliches Anti-Idiotikum gegen Panikmache und Hamsterkäufe. Wird schon gehortet. Schlangen an den Supermarktkassen? Haben Sie es schon mal mit dem Corona-Trick versucht? Einfach husten und die Schlangen vor einem lösen sich ratzfatz auf. Registrieren wir überhaupt noch, wenn die gefährliche Influenza-Grippe heftig grassiert? An der Influenza-Grippe sind in dieser Saison in Deutschland nachweislich bereits rund 200 Menschen gestorben. Seit Oktober 2019 wurden insgesamt 119.280 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle festgestellt. 2017/2018 starben an dem Grippe-Virus dem Robert-Koch-Institut zufolge mehr als 25.000 Deutsche. Trotzdem sind die Menschen skeptisch hinsichtlich der entsprechenden Schutzimpfung in jedem Herbst. Wie bei der Masern-Schutzimpfung, die bei uns nun Pflicht ist. 2018 infizierten sich 82 596 Personen in 47 Ländern mit Masern, in der Europäischen Region starben 72 Kinder und Erwachsene an Masern. Trotzdem gehen Menschen bei uns gegen die Impfpflicht auf die Straße. Die Gesundheitskrise des Corona-Virus hat rassistische Parolen in den Medien und den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Viele asiatisch aussehende Menschen werden schief angesehen oder beleidigt. Und Betrüger stehen sofort auf der Matte. Sie rufen mit dem Enkeltrick bei älteren Menschen an, jemand aus der Verwandtschaft sei erkrankt und zur Behandlung brauche er Geld. Aber wie bei allen Krisen: Es gibt schlechte wie gute Nachrichten. Je nachdem wie man es sieht. Florian Silbereisen hat jetzt wegen Corona ein Konzert abgesagt. Die Umsätze der Supermärkte sind wegen Corona – zur Freude des Handels – um 40 Prozent gestiegen. In Berlin behaupteten Schüler, es gebe Corona in der Nachbarschaft und sie könnten deshalb nicht zum Unterricht kommen. Und im spanischen Valencia sitzen 86 Männer in einem Bordell fest. Wegen Coronaverdacht – sagen sie zumindest. Vielleicht wollen sie auch nicht heim zur Alten. Mein Kumpel Thomas hat seiner Frau gemailt: „Hallo, Schatz. Sitze mit den Jungs in der Kneipe. Hier hat einer gehustet, jetzt ist alles abgeriegelt. Komme dann erst in 2 Wochen heim. Macht Euch keine Sorgen, mir geht es gut.“ Im Internet werden Mundschutz-Bastelkurse mit Küchenpapier, selbst gebauten Masken aus Salatblatt und Gummiband angeboten. Und die Rechten empfehlen: Immer in die linke Armbeuge husten – damit der rechte Arm für den deutschen Gruß frei ist. Man hofft, mit dem Corona-Virus ist es wie mit vielen Dingen, die aus China kommen: Sie halten nicht lange. Gesundheits-Spahn hat einen ganz schlauen Tipp: Sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen! Was haben wir schon als Kinder gelernt? Händewaschen nicht vergessen! Regelmäßig, ausgiebig und gründlich Händewaschen. Und nicht mit schokobeschmierten Fingern anderen ins Gesicht fassen! Der Papst sagt, man könne nur beten. Gegen den Virus hilft nur Beten, Enthaltsamkeit und Selbstkasteiung. Mein Tipp: Täglich drei Knoblauchzehen essen. Sie wirken zwar nicht gegen den Virus, aber der Abstand von einem Meter zu anderen wird definitiv eingehalten. Und überhaupt.