Die Welle

Es wurden ja jetzt wieder die Worte bzw. die Unworte des Jahres gewählt. Der Politikerbegriff „alternativlos“ erregte diesmal den meisten Unwillen der Sprachforscher. Ein Merkel-Wort. Gebraucht für die Milliardenhilfe für Griechenland, für den deutschen Einsatz in Afghanistan, die Rettung der angeschlagenen Banken. Ein Wort, das jeden Widerspruch von Kritikern und Bürgern verbietet. Ein Wort wie das Schrödersche „Basta!“ Alternativlos – man könnte auch Entscheidungsunfähigkeit sagen, Beratungsresistenz. Insofern mit Recht ein Unwort.
Viele hatten ja gedacht, dass als Unwort „Sarrazin” benannt würde. Sarrazin, der Autor des umstrittenen Sachbuches „Deutschland schafft sich ab“. Der Mann, der Deutschland spaltet. Während Vox populi, des Volkes Stimme, also die öffentliche Meinung findet, dass der Mann sagt, was Sache in Deutschland ist, verketzern ihn die Regierenden. Gewiss, man kann Sarrazins provokante Thesen zur Integration von Muslimen in Deutschland als Hetze, als billigen Populismus sehen. Ja, aber strafen denn Neukölln oder Kreuzberg die Sarrazin-Thesen völlig Lüge? Hilft es da, die Augen zu verschließen und wie Merkel zu sagen, sie werde das Buch nicht lesen – redet aber drüber? Und sie gibt gleichzeitig zu, dass Multikulti nicht so recht auf den Weg gekommen ist! Was tut sie für eine echte Integration? Oder SPD-Chef Gabriel, der Sarrazin wegen dessen Meinung aus der SPD ausschließen möchte. Wird die Welt besser, wenn ich die Augen zumache oder jemanden verbiete, über die Missstände zu reden? Ist es nicht so, wie Sarrazin sagt, Merkel habe sein Buch auf den „Index“ gesetzt, so „wie es früher die Heilige Inquisition tat“? Hat Sarrazin Unrecht, wenn er sagt, „wie schön es wäre, wenn unsere politischen Führer nicht nur die Halbbildung ihrer Redenschreiber, sondern über eigene Bildung verfügten“?
Viele Worte, die  zum Unwort getaugt hätten, machte in den letzten Monaten auch FDP-Noch-Chef Westerwelle. Wie mit seinem unsäglichen Gegeifer von „spätrömischer Dekadenz“ hinsichtlich derjenigen, die ohne Arbeit sind. Damit hat er sich als deutscher Vizekanzler inzwischen zur politischen Belächelfigur ersten Ranges gemacht. Westerwelle, den kaum jemand mehr – nicht mal viele seiner eigenen Partei-„Freunde“ –  noch richtig ernst nimmt. Inzwischen soll es ja wohl bald ein FDP-Dschungel-Camp geben: „Ich bin ein FDPler – holt mich hier raus!“ Oder dass es bei in der Show bald heißt: „Wetten dass es Guido Westerwelle schaff, seine Wählerschafft bald unter 1 Prozent zu bringen?“
Mein Unwort des Jahres: Für mich ist es das Nachwort „Welle“. Pleitewelle, Grippewelle, Flutwelle, Hitzewelle, Kältewelle, S-Bahn-Pannenwelle, Wester…
Eine, die Wähler und Mitglieder der FDP wie ein Tsunami weggeschwemmt hat.
Und überhaupt.
Mark Brandenburger

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