Dreh- und Angelpunkt in den Verkehrsströmen der Zukunft

Im Hafen von Königs Wusterhausen ist mit der Zeit nach der Kohle eine neue Ära angebrochen, wobei die Zeichen auf modernem, innovativem Wachstum stehen. Foto: T. Müller

Der Königs Wusterhausener Hafen hat den Kohleausstieg 
schon erfolgreich hinter sich gebracht

Die Kräne drehen sich im Hafen von Königs Wusterhausen, an den Kais sind mehrere Frachtschiffe verankert, Lasten schweben an dicken Haken und in großen Baggerschaufeln über Eisenbahnwaggons, LKW und Binnenschiffen. Am ehemaligen Kohleverladeplatz schieben Baufahrzeuge den Boden glatt – dort ist die Zeit für neue Fundamente gekommen.

LUTRA-Chef Michael Fiedler stand dem KaWe-Kurier Rede und Antwort. Foto: LUTRA DT | KaWe-Kurier online
„Nach dem Wegfall des Kohleumschlags im Mai 2017 konnten wir das Ruder im besten Sinne des Wortes herum reißen“, sagt Michael Fiedler, der Geschäftsführer der Hafen-Betreibergesellschaft LUTRA GmbH. Das zurückliegende Jahr 2018 konnte nicht nur – bei einem Umsatz von rund vier Millionen Euro – mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen werden. Es war zugleich geprägt von erfolgreichen Verhandlungen für neue Firmenansiedlungen, die mittlerweile auch vertraglich unter Dach und Fach sind. „Bis auf ein einziges Grundstück sind alle Gewerbeflächen vergeben“, sagt Michael Fiedler, „wir haben jetzt hier insgesamt 32 Firmen auf dem Gelände.“

Damit wird der Königs Wusterhausener Hafen in nächster Zeit noch einigen Wind mehr unter seine Segel bekommen. Im Nordhafen wird ein international agierendes Logistikunternehmen an den Start gehen. Es bereitet gerade den Bau einer 13000 Quadratmeter großen Halle für den Warenumschlag vor. Ein weiterer Investor errichtet eine Multifunktionshalle, in der sich anschließend verschiedene Kleingewerbe-Betriebe einmieten können. Weitere Unternehmen zur Verteilung von Briefen und Paketen und aus dem Bereich der Kranlogistik stecken ebenfalls in ihren Bauvorbereitungen. Auf dem ehemaligen Kohleverladeplatz wird zudem ein neuer Industriekomplex zur Aufbereitung von Altholz für die Fußbodenproduktion entstehen. Bei allen Neuansiedlungen wurde vertraglich vereinbart, dass die LUTRA als Hafenbetreiber für den Güterumschlag sorgt.

In den zurückliegenden Monaten haben zudem schon eine Kompostieranlage, ein Kunststoffrecycler und eine Hausbootwerft ihre Arbeit aufgenommen, so dass derzeit rund 350 Menschen im Hafen beschäftigt sind. Mit den neuen Firmen wird sich die Zahl der Arbeitsplätze an den Kais und auf den Flächen dahinter noch einmal deutlich erhöhen. Auch die LUTRA selbst ist personell wieder auf Wachstumskurs, nachdem sie durch den Verlust des Kohleumschlags zunächst Mitarbeiter entlassen musste. Derzeit sind 21 Frauen und Männer beim städtischen Hafenbetreiber angestellt. „Auch wir suchen wieder Personal, wir brauchen vor allem Kran- und Lokführer sowie einen Techniker“, sagt Michael Fiedler.

Neben dem Massegut-Geschäft – rund 500000 Tonnen an Baustoffen, Bodenaushub, Schrott, Getreide, Dünger oder Alt- und Frischholz werden jährlich vom Schiff auf Bahn und LKW oder umgekehrt verladen – konnte sich der größte Hafen Brandenburgs in letzter Zeit vor allem im Schwerlastumschlag etablieren. „Da macht sich die Investition unseres bereits 2017 in Betrieb genommenen 45-Tonnen-Krans richtig bezahlt“, betont der Hafenchef. Ob Rotorteile für Windräder, ganze Straßenbahnen und Trafostationen oder Polräder für die Offshore-Anlagen auf der Nordsee, die per Schiff bis nach Cuxhaven gebracht werden – der Hafen von Königs Wusterhausen hat das Know How als Umschlagplatz für diese Spezialtransporte. „Wir sind bestens angeschlossen, ohne auch nur eine Ortschaft zu queren“, sagt Michael Fiedler, „dafür haben wir ja unter anderem die Straßenanbindung an die Autobahn geschaffen.“ Mit einem leistungsfähigeren Eisenbahnanschluss könne man jedoch durchaus noch mehr Verkehr auf die Schiene bringen. „Das entsprechende Gleis ist ja schon da, aber wir brauchen für den Ausbau eines reibungslosen Güterverkehrs von und zum Hafen eine neue Weichenanbindung, um so 740 Meter lange Züge abzufertigen“, so Michael Fiedler.

Neben der optimalen Verknüpfung der klassischen Transportwege Straße, Schiene und Wasser soll der Hafen von Königs Wusterhausen zukünftig auch noch stärker für Innovationsgeist und moderne Mobilität stehen. Die LUTRA bringt sich aktiv in das vom Bund und Land geförderte Modellprojekt für ein Testfeld von autonomen Binnenschiffen ein, das zwischen Königs Wusterhausen und Eisenhüttenstadt installiert werden soll. „Niemand muss davor Angst haben, dass morgen herrenlose Schiffe auf der Dahme oder Spree herum schippern“, sagt Michael Fiedler, „das ist ein Vorhaben für mindestens die nächsten 15 Jahre, das vielleicht neue Wege öffnet.“ Somit schickt sich der „gute, alte“ Hafen von KW angesichts der zu erwartenden Verkehrsströme in der Flughafenregion an, mehr und mehr zu einem Dreh- und Angelpunkt einer modernen, zeitgemäßen Infrastruktur zu werden.

TM