Dumm und dümmer

Sind etwa wie immer die Russen schuld: Dumm, dümmer, Brandenburger? Mit diesen gesteigerten Attributen werden ja Brandenburgs Schüler oft bewertet, denn in Bildungsvergleichen rangieren sie seit Jahren hintenan. Doch sind unsere Schüler dümmer als die in anderen Bundesländern? Mitnichten. Auch die Brandenburger Lehrer haben genauso viel drauf wie die anderlands, den Schülern das Wissen zu vermitteln. Aber auf politischer Ebene scheint man hier nicht vom hellsten Stern zu sein. Wie viele sogenannte Koryphäen im immer SPD-regierten Potsdamer Bildungs-Ministerium standen hier schon am Ruder und hatten doch keinen richtigen Kurs. Wie viele neue Konzepte sollten Wind in die Segel bringen – und alle brachten Brandenburg bildungsmäßig nicht voran. Zuletzt wurde eine Idee als genial ausgegeben, die der volle Ernst der neuen und nicht von hier kommenden Bildungsministerin Britta Ernst war: die Noten der Halbjahreszeugnisse in den Grundschulklassen drei und vier ab dem Schuljahr 2020/21 sollen abgeschafft werden. Stattdessen soll es ein „standardisiertes“ Elterngespräch und einen Elternbrief geben. Ein völliger Nonsens in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Leistung erkennt man in den Unterstufenklassen immer noch durch Noten und Hausaufgabenfleiß und nicht durch „Hast-Du-aber-fein-gemacht“ oder „wird-schon“-Gedöns. Noten mit anschließendem Lob waren schon immer der Schlüssel für Leistung bei Kindern in diesem Alter. Unter Noten kann sich jeder etwas vorstellen. Eltern und Kinder wollen Zensurenzeugnisse, weil das eine akzeptierte Form der Rückmeldung über den Leistungsstand des Kindes ist. Antiautoritäre Erziehung, Abschaffen der Hausaufgaben, Schulbücher kaufen, aber nicht benutzen lassen: Hier sind die Wege der Verdummung vorgezeichnet. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Noten in der zweiten Klasse abgeschafft wurden, wäre der Wegfall auf den Halbjahreszeugnissen nun ein weiterer Schritt in die Bildungsbelanglosigkeit. Und wie findet sich ein zensurenloser Schüler zurecht, der in ein Noten-Bundesland umzieht? Wenn der Lernstoff immer weiter aufgeweicht wird, gibt es Jahr für Jahr die nächsten Generationen bildungsmäßiger Weicheier ohne Perspektive oder Studenten ohne Basis-Wissen. Gegen die Schnapsidee der Ministerin – die Frau von Vizekanzler Olaf Scholz – gab es massiven Protest. Nicht nur die CDU fordert eine durchgängige Benotung. Die Proteste zeigten Wirkung: Nun wollen das Bildungsministerium und die SPD-Fraktion die Halbjahres-Zeugnisnoten für Dritt- und Viertklässler in Brandenburg definitiv beibehalten. Es werde auch in Zukunft eine ordent­liche Note auf dem Halbjahreszeugnis geben. Freiwillig können aber weiterhin in der dritten und vierten Klasse eine schriftliche Einschätzungen statt Noten gewählt werden.
Alles in allem folgt eine Abschaffung der Noten vor allem einer sich immer stärker anzeichnenden Logik im deutschen Bildungssystem: Es kann nie genug sein, an unseren Schulen herumzuexperimentieren. Genau, das sagen sich auch die Brandenburger Grünen: Aus ihrer Sicht sind „reflektierte Bewertungen“ wichtiger als Zeugnisnoten. Sie favorisieren zudem schriftliche Rückmeldungen gegenüber Gesprächen. Meine reflektierte Bewertung des Unsinns voller Ernst: Dumm, dümmer – wer ? Die Schüler? Und überhaupt.

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