Ein Flugplatz als Wohn- und Denkort

Noch kaum vorstellbar – in die alten Rangsdorfer Flugzeughallen sollen Wohnungen eingefügt werden. Fotos: T. Müller

Durch die morbiden Hallen des ehemaligen Bücker-Flugzeugbaus von Rangsdorf weht ein Traum, der wahr werden könnte

DT | KaWe-Kurier online
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Zuweilen braucht es einen langen Atem, um für Plätze und Gebäude aus der Vorzeit eine neue Verwendung zu finden. Gerade bei den zahlreichen Geländen in Brandenburg, die einst von NVA und Sowjetarmee militärisch genutzt wurden,  ist es schwer, praktikable Nachnutzungs-Konzepte zu entwickeln. Ideen und Visionen gibt es viele, aber oft scheitern sie an dem Risiko unabsehbarer Altlasten, an Kostenfragen oder den widerstreitenden Interessen von Anwohnern und Investoren.

Insofern ist es eine gute und auch überraschende Nachricht, dass hinsichtlich des rund 100 Hektar großen Areals des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf nun nach fast 25 Jahren eine Lösung gefunden wurde, die alle Beteiligten mittragen. Die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH, die im Auftrag des Landes Brandenburg die alten Immobilien vermarktet, und die Firma Terraplan GmbH haben einen unterschriftsreifen Kaufvertrag ausgehandelt. Auch die Gemeinde Rangsdorf konnte dabei ihre Interessen mit einbringen. Wenn das Potsdamer Landesparlament grünes Licht gibt – die Abgeordneten sollen noch in diesem Monat über das Papier befinden -, kann der Eigentümerwechsel vollzogen und endlich die Entwicklung des historischen Geländes begonnen werden.

Die Terraplan GmbH hat Pläne entwickelt, wonach in den alten, mittlerweile schon ziemlich verfallenen Industriehallen des ehemaligen Bücker-Flugzeugwerkes Wohnungen entstehen sollen. Angesichts der maroden Gebäudefronten, der defekten Dächer,  der von Graffiti übersäten Wände und der von Moosen und sogar Bäumen überwachsenen Hallenböden ist dies derzeit tatsächlich kaum vorstellbar. Aber die Firma ist auf solch schwierigem Gelände durchaus zu Hause. In Brandenburg bringt sie gerade das einstige Olympische Dorf der Spiele von 1936 in Elstal auf Vordermann, wo eine Gartenstadt in den verschiedenen Gebäudekomplexen entsteht. Damit mussten die auf denkmalgeschützte Anlagen spezialisierten Immobilienentwickler zwangsläufig auch auf Rangsdorf aufmerksam werden, handelt es sich dabei doch um den ehemaligen Reichssportflughafen, der ebenfalls zu den Olympischen Spielen 1936 eröffnet wurde. Die Bücker-Fabrik war bereits ein Jahr zuvor an den Platz gezogen, um ihn als Test-Flugfeld für die legendären Kunstflug- und Sportmaschinen sowie die militärischen Schulungs-Flugzeuge zu nutzen. Das Werk, dessen Anlage noch beinahe komplett erhalten ist, übernahm nach dem Kriegs­ende 1945 die Rote Armee. Sie nutzte es bis zum Abzug im Jahre 1994 als Hubschrauber-Instandhaltungsbetrieb. Viele noch erhaltene russische Inschriften und Wandmalereien zeugen bis heute von dieser Zeit. Erst danach setzte der massive Verfall ein, weil unter anderem auch das Vorhaben eines polnischen Investors, dort wieder Jungmann-Maschinen zu bauen, am Widerstand vor Ort scheiterte. 

„Das war schade“, sagt Knut Hentzschel, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Bücker-Museum Rangsdorf. „Aber jetzt schauen wir nach vorn. Uns ging und geht es neben der Aufarbeitung der Rangsdorfer Flugzeuggeschichte immer darum, dass dieses einmalige Industriedenkmal erhalten bleibt. Und dafür stehen die Chancen nun gar nicht mehr so schlecht.“ Die engagierten Chronisten und Flugzeugenthusiasten haben sich nicht nur erfolgreich gegen zeitweilig aufkommende Abrisspläne gewehrt. Sie haben auch zahlreiche Forschungen betrieben, Publikationen zur Geschichte des Flugplatzes veröffentlicht und eine Sammlung an historischer Technik und zeitgenössischem Inventar  angelegt. Zeitweilig war die schon in einem kleinen Bücker-Museum zu sehen.  Seit zwei Jahren aber gibt es keinen Raum mehr dafür im Ort. „Wir möchten unser Museum gern an einem Ort mit viel Publikumsverkehr wiedereröffnen“, sagt Knutz Hentzschel. „Das kann im Ortszentrum von Rangsdorf sein, am Rangsdorfer See oder aber auch im Bücker-Flugzeugwerk. Wir würden unsere Ausstellung gern an diesem historischen Ort präsentieren, wenn es dort eine öffentliche Nutzung wie zum Beispiel Sportstätten oder auch ein Restaurant gibt.“

Diesen Vorstellungen ist man beim potentiellen Eigentümer in spe nicht abgeneigt. Die Zeiten, da der Flugplatz eine „verbotene Zone“ war, sollen endgültig vorbei sein.  Bis jetzt ist er noch immer von einem Zaun umgeben und darf nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Das wird sich ändern, wenn dort endlich neues Leben Einzug hält, versichert  Terraplan-Projektentwickler Eduard Bunescu-Fay. „Wir planen keine abgeschlossene Anlage,“ sagt er, „wir wollen auf dem Flugfeld, das unbebaut bleibt, einen öffentlichen Parkcharakter entwickeln.“ Mit der Gemeinde rede man auch über neue Sport- und Schuleinrichtungen in den Hallen und auf den Freiflächen. „Das Bückermuseum würde da gut mit reinpassen“, meint der Immobilienplaner. Auf alle Fälle wolle man an dem historischen Ort, wo am 20. Juli 1944 auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Adjutanten Werner von Haeften während des missglückten Hitler-Attentats startete und landete, die mit dem Platz verbundenen Geschichten erzählen. 

TM

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