Ein heißer Sommer

Lodernde Flammen im Wald dazu soll es nach Möglichkeit und Willen der LDS-Feuerwehren gar nicht erst kommen. Mit einem abgestimmten Alarmierungssystem wollen die Einsatzkräfte Entstehungsbrände im Zaum halten. Foto: pixabay

Die Feuerwehren des Landkreises Dahme-Spreewald 
wollen der extremen Waldbrandgefahr mit vereinten Kräften begegnen

Schon jetzt deutet alles darauf hin, dass es ein heißer Sommer wird – und das im doppelten Sinne des Wortes. Die Temperaturen sind konstant auf hohem Niveau, Wetterdienste prognostizieren für den Nordosten Deutschlands anhaltende Trockenheit. Regen wird mehr und mehr zum Fremdwort in hiesigen Breiten. Böden und Wälder sind schon um diese Jahreszeit aufgrund des letzten Hitzesommers und der viel zu geringen Niederschläge im Winter und im bisherigen Frühjahr so trocken wie nie.

Das Einsatzgelände erweist sich im Landkreis oft als so schwierig, dass nur noch mit schwerer rustikaler Technik vorgerückt werden kann. Foto: Stiftung Naturlandschaften Brandenburg DT | KaWe-Kurier online

Und so richten sich denn Brandenburgs und auch Dahme-Spreewalds Feuerwehren auf eine besonders heiße Zeit der Herausforderungen ein. Im Prinzip hat sie schon begonnen. Dass die für den Landkreis Dahme-Spreewald schon länger geltende höchste Waldbrandgefahrenstufe 5  keine Übertreibung der Behörden ist, zeigte sich schon während der Tage rund ums Osterfest. Im Landkreis Dahme-Spreewald rückten allein von Grün-Donnerstag bis einschließlich Mittwoch vergangener Woche laut der zuständigen Cottbuser Leitstelle Lausitz für Rettungs- und Feuerwehreinsätze die örtlichen freiwilligen Feuerwehren zu sieben größeren Waldbränden aus. Bei Niederlehme, Zernsdorf, Halbe, Märkisch Bucholz, Münchehofe, Lieberose und Massow  hatte sich der Boden auf Flächen zwischen 20 Quadratmetern und sieben Hektar entzündet.

Beim größten Einsatz in Massow, so gab der Brandschutzbeauftragte des Landes Raimund Engel zu Protokoll, waren mehrere Feuerwehren mit insgesamt 30 Fahrzeugen ausgerückt. 69 Kameradinnen und Kameraden waren im Einsatz. Weil auf dem Areal noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet wurde, konnten die Feuerwehrleute nur von gesicherten Wegen aus löschen. „Es blieb bei sogenannten Entstehungsbränden, wir konnten schnell intervenieren“, beschreibt der stellvertretende LDS-Kreisbrandmeister Henry Strasen die beiden Einsätze bei Massow und in der Lieberoser Heide, bei denen er über die Festtage selber mit dabei war. „Aber es ist schon sehr kritisch. Selbst, wenn du mit der Hand ins Moos hinein fasst, knirscht alles nur.  Es müsste dringend mal wieder regnen.“

Auch wenn die anstehende Saison nach derzeitiger Lage der Dinge viel Arbeit verheißt, seien die Feuerwehren der Region insgesamt gut ausgerüstet und auch jederzeit einsatzbereit. „Wir haben ein ausgeklügeltes Alarmierungssystem im Kreis, bei dem neben der örtlichen Wehr auch Kräfte anderer Einheiten für den ersten Abmarsch bereit stehen“, erklärt Henry Strasen, der einer von zwei ehrenamtlichen Stellvertretern des hauptamtlich arbeitenden Kreisbrandmeisters ist.  Gerade bei den Bränden des vergangenen Jahres habe sich diese Einsatzpraxis, die sich nach bestimmten Waldbrand-Schwerpunkten richtet,  absolut bewährt.  „Aber das ist nicht nur für die Kameraden, sondern auch für die Arbeitgeber der Region, die ohnehin zu wenig Fachkräfte haben,  eine echte Herausforderung“, so der Brandschützer in Diensten der Freiwilligen Feuerwehr Lübben. „Schließlich sind wir ja alle bis auf die gut 20 Kollegen in Königs Wusterhausen freiwillige Leute, die sich ehrenamtlich engagieren.“ Insgesamt gibt es laut Statistik der Landkreisverwaltung im gesamten Kreisgebiet gut 150 Ortswehren, denen mehr als 3360 Frauen und Männer angehören. In den Kinder- und Jugendfeuerwehren, die natürlich noch nicht im aktiven Brandschutz tätig, aber unerlässlich für die Nachwuchsgewinnung sind, engagieren sich knapp 1500 Mädchen und Jungen.

Brandenburg gilt mit seinen rund 1,1 Millionen Hektar Wald – das sind 37 Prozent der gesamten Landesfläche –, mit seinen ausgedehnten ­Kiefernbeständen, den leichten Sandböden und dem geringen Niederschlag bundesweit als das Land mit der höchsten Waldbrandgefährdung. Ein Drittel aller Waldbrände Deutschlands ereignen sich hier. Durchschnittlich brennt es im Wald jährlich mehrere hundert Mal, wobei häufig Fahrlässigkeit im Spiel ist. Die weggeworfene Zigarettenkippe ist immer noch die Ursache Nummer eins für die Brände. Daher gilt in Brandenburg – wie auch in Berlin – das ganze Jahr über striktes Rauchverbot im Wald. Außerdem darf außerhalb der ausgewiesenen Grill- und Feuerstellen kein Feuer entzündet werden. Diese Regeln gelten in Brandenburg auch im Abstand von 50 Metern vom Wald.

Aber aufgrund der extrem trockenen Böden, die zum Teil weit mehr als einen Meter tief kaum noch Feuchtigkeit aufweisen, und aufgrund der starken Sonneneinstrahlung wird gerade auch in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming Restmunition aus dem zweiten Weltkrieg und auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen der Sowjets zum Problem. „Da rächt sich jetzt, dass gerade bei der Beräumung von Bundes- und Landesflächen jahrelang geschlafen wurde“, sagt Henry Strasen. „Im Prinzip kann man die Uhr danach stellen – wenn die Sonne nach der Mittagszeit am höchsten steht, gehen die Meldungen über

entsprechende Feuerstellen bei der Leitstelle und bei uns ein.“ Oft sei es zu gefährlich, Leute in die betroffenen Gebiete hinein zu schicken. „Wir brauchen gesicherte Wege und Schneisen, von denen aus wir vor Ort agieren können“, so der Mann vom Fach, der als Tankstellenplaner auch in seinem eigentlichen Beruf durchaus etwas davon versteht, wie man seine Hausaufgaben in Sachen Brandschutz zu erledigen hat.

TM

Die Waldbrandstufen 
Waldbrandstufe 1: Die Waldbrandgefahr ist sehr gering. Es gibt keine Einschränkungen.
Waldbrandstufe 2: Es herrscht nur geringe Brandgefahr. Fahrzeuge dürfen jedoch nicht auf Waldparkplätzen mit trockener Bodenvegetation abgestellt werden.
Waldbrandstufe 3: Mittlere Gefahr. Die Behörden können den Wald sperren. Öffentliche Feuerstellen und Grillplätze im und am Wald dürfen nicht genutzt werden.
Waldbrandstufe 4: Die Gefahr eines Waldbrands ist hoch. Besucher sollten die Waldwege nicht verlassen. Die Forstbehörden können nun auch die Waldparkplätze sperren.
Waldbrandstufe 5: Es herrscht sehr hohe Waldbrandgefahr. Besucher sollten den Wald nicht betreten. Auch Waldeigentümer dürfen nun ihren Wald sperren.