Ein Kommen und Gehen

Was haben der Papst und der Herbst gemeinsam? Beide kommen in dieser Woche. Beim Heiligen Vater interessiert das die meisten von uns Nichtkatholiken nicht so ganz.. Beim Herbst schon, denn er ist der Vorbote eines – wie Wetterexperten prophezeien – kalten Winters. Und der bleibt eine Weile. Das kostet wieder. Wie auch der Papstbesuch. Was aber keine Rolle spielt. Allein der Altar im Olympiastadion in Berlin schlappe 400 000 Euro. Stellt sich da nicht die Frage, wie die katholische Kirche angesichts ihrer berechtigten ständigen Mahnungen, dass auch in Deutschland Armut und soziale Ungerechtigkeit herrschen, diesen Kostenaufwand moralisch rechtfertig? Ist Bescheidenheit nicht eine der kirchlichen Moralwerte, Protz nicht eine Sünde? Könnten mit dort eingesparten Mitteln nicht Hungernde in aller Welt satt gemacht werden? In Berlin z.B. gibt es die Aktion „Ein Dach über den Kopf“. Mit dem Förderbetrag von 60 Euro pro Monat und Person könnten für die Altarkosten 555 Obdachlose jeweils ein Jahr lang ein Dach über dem Kopf haben. Zumal der Winter hart werden soll. Sie müssten in kalten Winternächten nicht auf der Straße stehen. Ich denke, eine solche Gabe der Mildtätigkeit stünde gerade für eine Instanz, die Worte der Nächstenliebe und des Teilens im Mund führt, besser zu Gesicht als der Altarprotz. Sie wäre ganz im Sinne Jesu, der einst die Pharisäer und Geldwechsler aus dem Tempel jagte. Steht so ein Altar nicht als moralisches Armutszeugnis da? 3,5 Millionen Euro kostet der Papstbesuch allein für Berlin.
Der Papst kommt. Er geht auch wieder. Oder besser: fliegt heim. Wie die Schwalben, die jetzt in den Süden fliegen. Da haben sie wiederum was gemein mit der Fast-Drei-Prozent-Partei – kurz FDP. FDP eine mittlerweile Partei der asozialen Marktwirtschaft mit besserwisserischen Juppis an der Spitze. Die fliegt auch. Inzwischen aus immer mehr Landesparlamenten. Am Sonntag gerade wieder  achtkantig in Berlin. In Brandenburg sind erst 2013 Wahlen. Aber die Landes-Blaugelben, bislang im Gegensatz zu ihren Bundespartei-Brüdern eher unauffällig, wollen auch mal von sich reden machen. Wie auch immer. Also haut man so einen Vorschlag raus, die Fraktionsstärke in den Kommunalparlamenten drastisch zu senken. Damit hätten sie insgesamt zwar selbst mehr stimmberechtigte Fraktionen – aber auch die Rechten. Die Gefahr: So kann man sich zum Hilfswilligen der Braunen machen – und es dem Papst und den Schwalben gleichtun: wieder zu fliegen.
Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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