Ein Lied kann eine Brücke sein

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Martina Büttner erarbeitet schon die ersten Arrangements für das große Abba-Abenteuer. B: TM

Die Zeuthener Chorleiterin Martina Büttner
macht Generationen von Kindern Lust aufs Leben 

DT | KaWe-Kurier online

Man stelle sich vor, diese Frau wäre 2001 nicht mit ihrer Familie nach Zeuthen gezogen. Der Region würde nicht nur eine, ihr würden Hunderte von beseelten Stimmen fehlen, die das Dahmeland zum Klingen bringen. Seit mehr als 16 Jahren begeistert Martina Büttner unzählige Kinder und heranwachsende Jugendliche für die Musik, den Chorgesang.  Die gelernte Krankenschwester macht das so „ganz nebenbei“ als ehrenamtliche Leiterin verschiedenster Ensemble, die sie nach und nach selber aufgebaut hat. Für diesen „Zweitjob“, der ihr zwar kein Geld, aber ihr und ihren Schützlingen jede Menge innere Bereicherung bringt, ist sie nun von der Brandenburger Landesregierung als „Ehrenamtlerin des Monats Januar 2018“ ausgezeichnet worden.

„Ich bin sehr berührt und stolz. Die Überraschung ist denen, die mich vorgeschlagen haben, wirklich gelungen“, sagt die 52jährige. Mitten in einer Probe mit den „Humboldt-Spatzen“, dem Chor der Grundschule Eichwalde, wurde ihr in der vergangenen Woche die Ehrung von Vertretern der Landesregierung überbracht.  Wo, wenn nicht dort, wo mehr oder weniger der Notenschlüssel liegt, mit dem sich die gebürtige Westberlinerin ihre neue Heimat erschloss. Sie hat diesen Chor wenige Zeit nach ihrem Umzug gegründet, weil ihr die Musik half, Wurzeln zu schlagen und den Zugang zu den Herzen von Kindern, Eltern, Lehrern und Nachbarn zu finden. „Ich habe selbst seit meinem zehnten Lebensjahr in der Nordberliner Chorgemeinschaft gesungen und dort auch eine sehr fundierte Chorleiterausbildung gemacht“, erzählt sie. „Als ihre Kinder in Eichwalde in die Kita und in die Schule gingen, sei es an der Zeit gewesen, auch selber etwas vom befreienden Gemeinschaftsgefühl des Chorgesangs weiter zu geben. „Ich habe mich sozusagen an meine Anfänge erinnert und mich angeboten, mit den Kids zu arbeiten.“

Die allerersten Anfänge liegen im Westberliner Kinder­zimmer. Draußen die laute Stadt, drinnen zwei Mädels, die mit glockenhellen Stimmen dagegen halten. Martina Büttner hat eine Zwillingsschwester. Von klein auf haben sich die Mädchen einen Riesenspaß daraus gemacht, zweistimmig zu singen. Im Duett fanden die beiden ohnehin innig verbundenen Schwestern zu einer noch tieferen ­Seelenverwandtschaft. Und es klang gut, was sie da intonierten. So gut, dass eine Musiklehrerin sie in den Chor schickte, der fortan ihr zweites Zuhause wurde.

Als schließlich der Umzug anstand, habe sie sich auch deshalb mit der Familie für Zeuthen und Eichwalde als neuen Lebensort entschieden, weil sie hier in der Chorgemeinschaft Eichwalde sozusagen das Pendant zu ihrer Berliner Sängerfamilie zu finden hoffte. „Das war auch zum Glück so“, berichtet sie, „ich war begeistert über die Qualität des Gesangs und habe einige wunderbare neue Lieder für mich entdeckt, die ich als Wessi bis dahin nicht kannte.“ „Unsere Heimat“, „Kleine, weiße Friedenstaube“ oder auch „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ gehören heute zum selbstverständlichen Repertoire ihrer Ensemble.

Davon gibt es mittlerweile sage und schreibe vier Stück. Denn die kleinen Humboldt-Spatzen wurden groß, aber das Tschilpen wollten sie nicht mehr lassen. Auch außerhalb der Eichwalder Grundschule wollten sangesfreudige Mädchen und Knaben ihre Stimme erheben. Und so  entstanden nach und nach unter dem Dach der Chorgemeinschaft Eichwalde die „Rasselbande“ für die Jüngsten, der Kinder- und Jugendchor Eichwalde für die Heranwachsenden und schließlich auch noch der GosPop, der Gospel- und Popchor für alle Altersgruppen. Inzwischen bedarf es einer richtigen logistischen Leistung, die Proben und Auftritte all der Forma­tionen aufeinander abzustimmen, zumal Martina Büttner als Krankenschwester einer Berliner Intensivstation einen ­kräftezehrenden, ­fordernden Beruf zu schultern hat.

Auch da wagt sie aber jetzt noch mal einen Neubeginn, der ihre ethischen Ansprüche an den Beruf und ihre musischen Begabungen noch besser in Einklang bringen soll. „Ich wechsele jetzt auf eine Palliativstation“, verrät sie, „stecke mitten in einer entsprechenden Ausbildung. Ich will weg von den Geräten, hin zu den Menschen.  Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich ihnen auch mit meiner  Liebe zur Musik eine Stütze auf ihrem letzten Weg sein kann.“

Lieder bauen Brücken. Und für Martina Büttner war, ist und bleibt ihr gemeinsamer Gesang eine Brücke ins Leben.  Derzeit ist sie dabei, mit ihren Chören einen weiteren klangvollen Bogen zu spannen. Sie haben schon mit Roger Cicero gearbeitet, treten regelmäßig mit Vicky Leandros und Klaus Sedl auf. Nun wollen die erwachsen gewordenen Eichwalder Spatzen unter dem Dach des Stockholmer ABBA-Museums trällern. Jugend- und Popchor erarbeiten ein Programm mit den ziemlich komplizierten Liedern der legendären Band, mit dem es 2020 nach Schweden geht. „Ich habe Kontakt zum Management aufgenommen und hoffe auf einen Auftritt in diesem besonderen Tempel der Musik“, sagt die leidenschaftliche Verehrerin des Schwedenquartetts.

Wer singt, der träumt. Und wer träumt, der ist lebendig. Für Martina Büttner ist dieser Aufbruch zu neuen Ufern auch ein Weg zurück zu ihren eigenen Wurzeln. Denn in Schweden lebt ihre geliebte Zwillingsschwester, mit der sie  schon einst im ­Mächenduett bei „Thank you for the music“ die Herzen rührte. TM

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