Einblick in die Kablower Geschichte

Eine Ansicht des Schulgebäudes aus dem Jahr 1929. Quelle: Archiv Hans Rieger

Die Chronistin Renate Wullstein hat die Notizen des Dorflehrers Hans Rieger herausgegeben

„Kablow Schulchronik 1900 bis 1945“ von Lehrer Hans Rieger in einem Transkript von Renate Wullstein ist das dritte Bändchen ihrer Kablower Chronik-Reihe, das die Kablowerin nun Anfang Januar herausgegeben hat. Das Taschenbuch mit 82 Seiten und 16 Abbildungen ist zum Preis von 12 Euro in der Zernsdorfer Postfiliale erhältlich. Es kann auch bei Renate Wullstein, Am Krüpelsee 25, 15712 Kablow, Email an renate.wullstein@freenet.de bestellt werden.

Die Chronik ist eine Kurzfassung dreier Gesellschafts-Epochen – der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und des dritten Reiches der Nationalsozialisten. „Die Aufzeichnungen eines Dorfschullehrers dürften großen Seltenheitswert haben“, ist Renate Wullstein davon überzeugt, dass der Band viele lokalhistorisch interessierte Leser findet. Am 9. Dezember 1879 in Berlin als Sohn des Gemeindeschullehrers Paul Gerhard Rieger und Frau Anna Ida geboren, heiratete Hans Rieger 1906 in Kablow Klara Schulze, die Tochter des Müllers. Seinen Dienst als Lehrer, Organist und Küster hatte er 1900 angetreten. Und jährlich bis 1945 schrieb er einen Bericht in ein A4 Heft, wahrscheinlich für den privaten Gebrauch, denn das Heft befand und befindet sich immer noch im Nachlass der Familie. Es wurde mit der Hand in altdeutsch (Kurrent) geschrieben.

Neben den Kopfnoten Betragen, Fleiß, Aufmerksamkeit und Schulbesuche wurden in seiner Dienstzeit folgende Fächer unterrichtet und benotet: Religionsfächer biblische Geschichte und Katechismus, Deutsch, bestehend aus Lesen, Aufsatz und Orthografie, Rechnen, Geometrie, Geschichte, Geografie, Naturkunde, Schreiben (Schönschrift), Zeichnen, Singen und Handarbeit (nur für Mädchen). Der wahrscheinlich prominenteste Schüler des Lehrers Hans Rieger war der spätere Schauspieler Hans-Peter Hallwachs (1938- 2022), der 1944 für einige Monate als Flüchtlingskind bei Verwandten in Kablow unterkam. Als im April 1945 der Bürgermeister von Kablow verhaftet wurde, fürchtete auch der Lehrer Hans Rieger, von den „Russen“ abgeholt zu werden. Der kommissarisch eingesetzte neue Bürgermeister Paul Baschin setzte sich jedoch für den 66jährigen Rieger ein, der als NSDAP Mitglied nie aktiv in Erscheinung getreten war. Der Lehrer wurde lediglich in den Ruhestand entlassen, sehr zu seinem eigenen Bedauern und dem der Kablower Schüler und Eltern, bei denen er den Überlieferungen zufolge ausgesprochen beliebt gewesen sei. Hans Rieger starb 1952 während der Beerdigung seines Freundes und Bürgermeisters Paul Baschin auf dem Kablower Friedhof an einem Herzinfarkt nach dem ersten Satz seiner Trauerrede.

RED / R. Wullstein