Eine närrische Zeit

„Königs Wusterhausen feiert Karneval. Jubel, Trubel, Heiterkeit gibt es überall”. So das Vereinslied der Karnevalsgesellschaft Königs Wusterhausen. Bei der KWer Stadtverordnetenversammlung ging es schon vor einer Woche „närrisch“ hoch her – beim Streit zwischen dem Großteil der Abgeordneten und dem Rathaus in Person des Bürgermeisters. Der weigerte sich, den Haushaltsbeschluss der Abgeordneten vom Dezember umzusetzen. Die närrische Zeit steuert aufs Finale zu. Nur dass in KW niemand mehr lachen kann. Und es ist absehbar, dass die Posse trotz Aschermittwoch noch nicht zu Ende ist. Zu Ende ist allerdings jetzt bald die diesjährige Ära der Karnevalsprinzen und Prinzessinnen. Die heißen ja heuer nicht mehr Michael I. oder Helene II. oder noch früher Horst-Erich oder Waltraud-Erna, sondern zum Beispiel Jason-Serano. Oder Candida. Gut, Namen sind Schall und Rauch. Standesämter erlauben heute fast alle Namen. Eltern möchten mit dem Namen die Einmaligkeit und Besonderheit ihres Sprösslings hervorheben. Selbst nicht wissend, dass der Vorname einem Menschen für sein gesamtes Leben lang eine Identität verleiht. Er ruft Assoziationen hervor, noch bevor man den betreffenden Menschen überhaupt kennengelernt hat. Wie Kevin oder Chantal. Manche Namen verbindet man häufig mit Verhaltensauffälligkeit oder fehlender Bildung. Studien haben bewiesen, dass die Mehrheit der Menschen bestimmte Vornamen mit Attributen verbindet: wie entweder jung oder alt, intelligent oder dumm und attraktiv oder unattraktiv. Dumm besonders dann, wenn Eltern es auch sind und den Namen nach Gehör schreiben. Wie Schackelyn. Ob sich Brain als ein solches schlaues Gehirn herausstellt, wie es den Eltern mit dem Namen vorschwebt oder ob sie bloß nicht wussten, wie Brian geschrieben wird? Umwelt-Kämpen stehen auf Solarfried oder Lumen Melosine für ihre Gesprosse. Aber manche dieser Namen treffen auch zu – wie Despot. Durchsage neulich bei Ikea – auch den Namen gibt es als Vorname: „Der kleine Despot möchte aus der Kinderabteilung abgeholt werden.“ Oder wie ich es aus einem Fenster des Wohngebietes am KWer Fontaneplatz rufen hörte: „Coca-Carola, komm ruff zu mich! Aber dallidalli, alte Zicke!“ Zugelassen sind als Namen auch Nussi, Milka, Jetaime Jellanie, Osama, Pussy-Melodie, Yo Kurt, Porsche, Popo und Blasius, was der Lispelnde bedeutet. Vielleicht heißen künftige Faschingstollitäten Popo Lehmann und Schackelyn Schulze. Viele der Kinder mit diesen Namensspezifika treffen sich später im Jobcenter. Betreffende Erziehungsverwalter sollten ein Schild hinter ihrer Autoheckscheibe anbringen: „Achtung, Kind mit schlimmem Namen an Bord!“ Und überhaupt.