Es ist noch lange nicht alles gut

Gemischte Gefühle angesichts der jüngsten positiven BER-Nachrichten und der aktuellen Verkehrsstudie des Airport-Dialogforums

E s sind ungewöhnliche Nachrichten, die dieser Tage vom Berliner Flughafen BER eingehen. Vorfristig seien die Kontrolleure und Tester vom TÜV Rheinland mit ihren Generalchecks am Terminal 1, den sogenannten Wirkprinzipprüfungen, fertig geworden. Vorfristig!! Statt den geplanten 41 Tagen habe man nur 36 gebraucht. Und – erstes Fazit: Die technischen Anlagen funktionieren und greifen reibungslos ineinander. Man reibt sich die Ohren. Ein offizieller Abschlussbericht wird zwar erst für Ende des Monats Oktober erwartet. Aber der Flughafenchef Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup legte sich nicht nur fest: „Wir werden im Oktober nächsten Jahres eröffnen“, sagte er im Umfeld der letzten Aufsichtsratssitzung des Unternehmens vor gut einer Woche. Er spricht sogar – vage zwar noch immer und doch auch schon ein bisschen konkret – von einem Termin. „Das genaue Datum werden wir dem Aufsichtsrat Ende November mitteilen“, sagt er im Gespräch mit der Tageszeitung FAZ. „Zurzeit prüfen wir, welches der sinnvollste Zeitpunkt sein könnte. Wir wollen die operativen Risiken so gering wie möglich halten. Es ist klar, dass wir nicht an einem Wochenende mit besonders viel Flugverkehr umziehen werden.“ Angesichts der derzeitigen Meldungen über das starke Reiseaufkommen in Schönefeld und Tegel während der gerade laufenden Herbstferien in Brandenburg und Berlin und mit einem gleichzeitigen Blick in den Kalender 2020, der eine Schulpause von Montag, den 12. Oktober 2020 bis Sonnabend, 24. Oktober 2020 ankündigt, könnte man ja ins Spekulieren kommen. Aber Zeitungen spekulieren ja nicht. Fakt ist: Am kommenden Freitag tagt der Aufsichtsrat der FBB erneut bzw. die letzte Sitzung wird fortgesetzt. Dann stehen vor allem die Terminals 2 und 3 auf der Tagesordnung – die Entwicklung geht weiter. Der Masterplan 2040 für den BER sieht zunächst vier neue Terminals vor. Daneben wird das alte Schönefelder Flughafengebäude als Terminal 5 weiterbetrieben, bis die neuen Abfertigungsgebäude die Passagierkapazitäten aufnehmen können. Insgesamt wird innerhalb der nächsten 20 Jahre mit einem Bedarf von jährlich zwischen 45 und 50 Millionen Reisenden gerechnet. Es sind Zahlen, die deutlich machen, dass mit dem Flughafenstart, an den viele nicht mehr so recht geglaubt haben, die Region nicht automatisch zum Schlaraffenland wird. Zeitgleich mit den seit langem wieder mal positiven BER-Signalen gingen die aktuellen Ergebnisse der Verkehrsstudie des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg ein. Die Untersuchung des Fachbüros SPV – Spreeplan Verkehr GmbH – baut auf der schon zuvor veröffentlichten „Verkehrs- und Engpassanalyse Flughafen- und Flughafenumfeldanbindung Schönefeld“ der Industrie- und Handelskammer Cottbus auf und läutet wie schon diese die Alarmglocken. Auch sie geht davon aus, dass das Gesamt-Passagieraufkommen von Berlin innerhalb der nächsten zehn Jahre von rund 35 Millionen auf rund 46 Millionen Menschen jährlich ansteigt. Derzeit sind es am alten Flughafen Schönefeld knapp 13 Millionen Fluggäste. Mit der BER-Eröffnung würde sich diese Zahl sofort fast verdreifachen und dann also sukzessive weiter anwachsen. Dazu, so die Studie weiter, kämen bis 2030 rund 40000 neue Einwohner in und um Schönefeld und gut 85000 neue Arbeitsplätze. Insgesamt prognostizieren die Planer ein zusätzliches Verkehrsaufkommen von 220000 Fahrten pro Tag auf der Straße und 124000 Reisenden in Bus und Bahn. „Angesichts der langen Planungs- und Realisierungszeiten von Verkehrsprojekten müssen schnellstmöglich umfassende Maßnahmen eingeleitet werden, um die Umweltbelastungen auf die in der Region wohnenden und arbeitenden Menschen zu reduzieren“, heißt es in der Analyse. „Die Maßnahmen müssen jetzt eingeleitet werden, damit das Wachstum noch steuerbar bleibt“, erklärt der Geschäftsführer des Büros SPV Bertram Teschner. Die Studie nennt ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die gestern – nach Redaktionsschluss dieser Zeitung – der Öffentlichkeit im Einzelnen vorgestellt wurden. Wir berichten demnächst darüber. Klar ist – nach dann 14 Jahren Flughafen-Bauzeit und 9 Jahren Startverspätung ist auch im Otober 2020 – ob vor oder nach den Hebstferien – noch lange nicht alles gut. TM