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Montag, Februar 26, 2024
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Auch wenn es noch keinen Eröffnungstermin für die Kinos des Landes gibt, wollen die Capitol-Betreiber Anne und Wolfgang Jurk ihr Lebenswerk bewahren

Noch immer ist für die Kinos des Landes der Vorhang gefallen. Einen Termin für eine Öffnung unter Corona-Bedingungen gibt es in Brandenburg bislang nicht. Für Anne und Wolfgang Jurk, die zusammen mit ihrem Sohn das Kino Capitol in Königs Wusterhausen betreiben, ist es eine schwere, ungewisse Zeit, die ihr Lebenswerk bedroht. Aber sie sind fest entschlossen, weiter zu machen und im Hause in der Bahnhofstrasse die drei Gongs zum nächsten Filmstart erklingen zu lassen. Mit ihnen sprach Torsten Müller.

KaWe-Kurier: Wann mussten Sie zu machen und wovon leben Sie seitdem?

Wolfgang Jurk: Seit dem 18. März hat kein Gast mehr das Kino betreten, seitdem gibt es auch keine Einnahmen mehr. Wir haben die Soforthilfe des Landes Brandenburg erhalten. Und wir konnten für unser Programm des vergangenen Jahres einen Preis des Medienboards Berlin Brandenburg entgegen nehmen. Dieses hat extra auch das Preisgeld aufgestockt, um die kleinen Programmkinos in Berlin und Brandenburg in dieser Krise zu unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar. Aber, das gehört auch zur Wahrheit – dieses Geld bräuchten wir eigentlich als Notgroschen für das Sommerloch, welches wir als Kino jährlich ohnehin überbrücken müssen.

Haben Sie von der Stadt Königs Wusterhausen bislang irgendwelche Unterstützung erfahren?

Anne Jurk: Nein, überhaupt nicht. Von der Verwaltung hat noch nicht mal jemand Kontakt zu uns aufgenommen. Aber unsere treuen Gäste zeigen sehr viel Solidarität – viele von ihnen beteiligen sich an Spenden- und Hilfsaktionen. Da gibt es zum Beispiel die bundesweite Initiative „No culture. No life.“, bei der Merchandising-Artikel zur Unterstützung der Lieblings-­Kultureinrichtung erworben werden können. Wir sehen in der Stadt zahlreiche Kinofans mit entsprechenden T-Shirts, die ganz konkret uns unterstützen. Das ermutigt zum Weitermachen.

Was konnten Sie dafür in den letzten Wochen überhaupt tun?

Wolfgang Jurk: Wir haben im Kino einige Wartungsarbeiten vorgenommen, das ganze Haus ist von grundauf gereinigt und desinfiziert. Unser Projektor, das ist ja sensible Technik, musste am Laufen gehalten werden. Und an der Dekoration ist einiges neu, so dass wir auch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten können, wenn es endlich wieder losgehen kann.

Anne Jurk: Wir haben zudem auch viel online gemacht, haben Videos mit Künstlern gedreht, die bei uns auftreten, und ins Netz gestellt. Wir sind zu Kindereinrichtungen gegangen und haben dort Daumenkino und Popcorn hin gebracht. Und auch den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes in Lübben und Königs Wusterhausen haben wir ein bisschen Nervennahrung vorbeigebracht. Ansonsten haben wir uns natürlich auch sehr viele Gedanken gemacht, wie wir das Haus wieder öffnen können.

Wie könnte das denn funktionieren?

Anne Jurk: Es liegt ein Konzept dafür vor, wie wir unter den geforderten Maßgaben mit einem Viertel an Auslastung der Platzkapazität, mit Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln weiter machen wollen und können. Über Land- und Kreistagsabgeordnete sind wir in Kontakt zu Landesregierung und Kreisverwaltung. Wichtig ist jetzt aber, dass bundesweit einheitlich vorgegangen wird. Die ganze Branche mit der Filmproduktion und dem Verleih steht ja still und muss erst wieder anlaufen. Dafür brauchen wir einen Horizont, einen Termin zur Wiedereröffnung – mit einer Vorlaufzeit von rund vier Wochen ab Bekanntgabe des geplanten Termins. Dann können wir verlässlich planen. Von heute auf morgen kann man ein Kino sowieso nicht wieder aufmachen. Es ist ja gar kein Programm da. Da braucht es Absprachen und Vorlauf, was man wie zeigen kann. Das würden wir jetzt gern als nächstes tun.

Das klingt danach, dass es ein Kino Capitol auch in Zukunft in Königs Wusterhausen geben wird.

Wolfgang Jurk: Wir sind fest entschlossen, das Kino zu erhalten und ebenso auch die Kulturbühne. Es ist unser Lebenswerk. Es sind zwar komplett ungünstige Bedingungen, weil ja die Zeit von Januar bis Mai die eigentliche Kinozeit ist, die nun fast komplett weggebrochen ist. Und immer noch nicht zu wissen, wann und wie es weiter gehen kann, das macht noch mehr unruhig. Aber wir bleiben trotzdem optimistisch …

Anne Jurk: … dieser Optimismus kommt auch daher, weil wir wissen, dass wir die besten Gäste „der Welt“ haben. Wir wollen sie nicht im Stich lassen und sie werden uns nicht im Stich lassen. Ich weiß, dass viele Kollegen aus der Kultur- und Kunstszene so denken und daraus momentan ihre Kraft ziehen. Und wir geben auch die Hoffnung nicht auf, dass von Bund, Land oder Kommune noch Unterstützung kommt – denn: „No culture. No life.“

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