Gebacken wird im Taubenhaus

Aus dem Taubenhaus von Rotberg soll wieder regelmäßig der Backduft durchs Dorf ziehen. Foto: U. Rochow

In vieler Munde: Backtradition in Rotberg ersteht wieder auf

Es wird hier am Samstag bald wieder sein wie früher: In Rotberg wurde auf der ehemaligen Gutsaue am Freitag der Dorfbackofen vorgeheizt, damit am Samstagmorgen Brot gebacken werden konnte. Anfang der 1930er Jahre war ein altes Taubenhaus zu einem achteckigen Backhaus mit Räucherkammern umgebaut worden und nach dem Krieg wurde dort bis in die 50er Jahre hinein einmal die Woche für die Einwohner Brot gebacken. Immer eine Rotberger Familie war im Wechsel dafür verantwortlich. Doch dann ließ das Interesse nach, man konnte wieder Brot im Laden kaufen. 1957 wurde das letzte Brot aus dem Ofen geholt. Das Backhaus verfiel langsam, aber stetig. Immer wieder gab es Pläne, es vor dem Verfall zu retten, es vielleicht sogar wieder nutzbar zu machen. Einige Anläufe wurden unternommen. Doch erst 2007 wurde das mit Mitteln und mit Unterstützung der Gemeinde dann wahr: In Rotberg wurde im wieder aufgebauten und sanierten Taubenhaus der Ofen angeheizt. Der heute 56-jährige Orts-Handwerker Karsten Sevenstern fand seine ehrenamtliche Berufung im Brotbacken, holte in der Woche mühselig Holz aus dem Wald, bereitete es auf, feuerte Freitagabend den Ofen an und Samstag in aller Frühe wurde unter Anleitung eines Bäckers gebacken. Etwa 120 großlaibige rustikale Brote alle zwei Wochen. Wer eines der wohlschmeckenden Holzofenbrote erstehen wollte, musste auch früh aufstehen. Lange reichte das duftende Backwerk nicht. Doch 2017 erlosch das Feuer im Backofen des Taubenhauses wieder, das Backen wurde eingestellt. Der letzte Bäcker konnte sein Werk nicht weiterführen.

Nun gibt es erneut konkrete Pläne, die Tradition des Backens im Holzofen in Rotberg fortzuführen. Bürgermeisterkandidat Olaf Damm findet sie spannend und hatte seine Unterstützung zur Wiederinbetriebnahme des intakten Ofens zugesagt: „So etwas muss erhalten bleiben und fortgeführt werden. Das ist ein Teil unserer ländlichen Kultur und diejenigen, die wie Karsten so was noch können, brauchen unsere Hilfe.“ Er denkt daran, einen entsprechenden Verein zu gründen, der die Möglichkeit einer Förderung bekäme und Sponsoren aus der Gemeinde gewinnen kann. Damm will sich bemühen, dass der Freizeit-Bäcker von seiner Gartenbaufirma für diese Tätigkeit an einigen Tagen freistellt wird, die Firma das Holz aufbereitet, so dass der Bäcker sich allein auf das Heizen und Backen konzentrieren kann. Olaf Damm ist sich sicher, dass viele Bürger und Firmen aus Rotberg und Schönefeld dabei sind und das Projekt auch als Sponsoren unterstützen. Er setzt vor allem auf den Kulturverein Schönefeld e.V. und den Ortsbeirat, die ja auch die Aufgabe der Traditionspflege haben. Olaf Damm will als Bürgermeister das Thema dort so schnell als möglich zur Sprache bringen, damit Rotberg bald wieder in vieler Munde ist. Außerdem wird er selbst Sponsoren für eine finanzielle Unterstützung kontaktieren. Schon ab Ende 2019 soll wieder regelmäßig Brotduft durch den Ort ziehen und zum Weihnachtsmarkt soll Selbstgebackenes aus dem Rotberger Taubenhaus-Ofen geholt werden. Und dann alle zwei Wochen wieder. Doch schon an diesem Samstagnachmittag wird es in Rotberg nach frischem Brot duften: Zum Sommerfest rund um das Backhaus wird probehalber wieder Brot im ehemaligen Taubenhaus gebacken. Auf das Fest freuen sich schon alle (Programm siehe Anzeige Seit 8).

UR