Gegen das Vergessen

Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule gestalteten das Programm zum Gedenktag. Foto: M. Tadra

Gedenkveranstaltung der Stadt KW zum Holocaustgedenktag

Die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Königs Wusterhausen Laura Lazarus, begrüßte am 27. Januar zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaustgedenktages Stadtverordnete, Bürger, den KWer Bürgermeister Swen Ennullat sowie Bürgermeister der Nachbargemeinden, Vertreter des Landkreises, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Königs Wusterhausen, Leonid Gajdichowytsch, Vertreter kirchlicher Einrichtungen sowie zahlreiche Schulleiter und Schulleiterinnen. Gastgeber dieser Veranstaltung war die Gesamtschule mit Gymnasialer Oberstufe der FAWZ gGmbH in Niederlehme.

In ihren Begrüßungsworten erinnerte Laura Lazarus daran, dass vor 75 Jahren die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz von russischen Soldaten befreit wurden. Auschwitz stehe seither für den millionenfachen Mord an Juden und anderen Volksgruppen. „Es steht für das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte. Auschwitz ist zum Symbol des Holocaust geworden. Die Erinnerung darf nicht enden. Sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, zitierte sie aus dem Appell des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog an die Deutschen. „Die Generationen der Opfer und der Täter sterben aus und mit ihnen die persönlichen Bezüge zu diesem Abschnitt der deutschen Geschichte“, so Laura Lazarus.

Der stellvertretende Schulleiter der Gesamtschule Florian Rietzl erinnerte in seinem Gedenken an Elie Wiesel, der als 14jähriger nach Auschwitz Birkenau kam und seine Erinnerungen an das Konzentrationslager niederschrieb. „Seine Schilderungen sind stellvertretend für eine Vielzahl von Schicksalen, insbesondere von jüdischen Schicksalen. Über 1,1 Millionen Menschen kamen in Auschwitz ums Leben. Insgesamt fielen dem nationalsozialistischen Völkermord sechs Millionen europäischer Juden zum Opfer.“ Und so hätten sich Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule aufgemacht, um in der Region solche Schicksale anhand von Stolpersteinen zu ergründen. In Königs Wusterhausen gibt es 18 Stolpersteine. Die Schüler erinnerten an das Leben einzelner jüdischer Bürger, denen diese Stolpersteine, zum Beispiel in der KWer Bahnhofstraße, gewidmet sind. Sie erinnerten auch daran, dass es in Königs Wusterhausen ein Außenlager des KZ Sachsenhausen gab. Heute befindet sich dort eine Gedenktafel in der Storkower Straße.

Und die Schüler machten anhand von Beispielen darauf aufmerksam, dass für viele Menschen in diesem Land der Antisemitismus wieder zum Alltag gehört. So wurde Primo Levi, Überlebender des Holocausts zitiert: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Schlussfolgernd daraus betonte Florian Rietzl: „Ich bin nicht schuld daran, was meine Landsleute in dieser Zeit verbrochen haben. Aber ich sehe mich in der Pflicht, angemessen mit dieser Hinterlassenschaft umzugehen. Aus dieser Geschichte entsteht eine Verantwortung für jede und jeden von uns“, so Florian Rietzl. Es sei ein Auftrag an uns alle, die Stimme gegen Antisemitismus und für Toleranz zu erheben. Es brauche eine stabile Mahn- und Erinnerungskultur in unserer Gesellschaft.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Carl Göhler-Robus (Geige), Swenja Schmidtke (Piano) und durch das Klezmer-Ensemble der Kreismusikschule.

MT