Geld aus Klopapier stinkt nicht

Ich dachte, da schubbert sich ein märkisches Wildschwein an mir, als ich das las: Letzte Woche wurde hier bei uns ein besonders krasser Fall von Diebstahl publik: In Schönefeld hatten sich Einbrecher Zutritt zu Kellerräumen eines Hauses verschafft – und klauten Klopapier! Klo-Pa-Pier – das Pötergold! Ein Unbekannter schlug in der Vorwoche in Kiel die Scheibe eines geparkten Autos ein und erbeutete Toilettenpapier aus dem Inneren des Fahrzeugs. Eine Friseurin aus Lüdenscheid musste in dieser Woche den Klau von Toilettenpapier aus ihrem Salon feststellen. Aber das gabs auch schon vor Corona. Ein Gastwirt aus Senzig beklagte schon vor Jahren, dass Gäste aus seiner Taverna immer wieder Klopapier stahlen – einfach, weil es verlockte. Doch Corona verändert das Land – und auch die Kriminalität. Mal abgesehen von solchen Scheißideen, Klopapier zu klauen – sie sinkt. Wegen der Virengefahr verlassen ältere und gefährdete Menschen selten ihre Wohnungen. Hier ist jetzt nichts mit einem schnellen Knack. Wie ich schon kürzlich anmarkte, befürchtet der Verband tagaktiver Einbrecher drastische Einbrüche bei den Einbruch-Umsätzen. Diese Spezies Einbrecher lebt ja vom Tagesgeschäft. Rücklagen bilden? Wie denn?! Auch die Gewerkschaft gewerbsmäßiger Diebe klagt über schlechte Zeiten für ihre Leute: „Die potentiellen Opfer bleiben daheim, machen Home-Office. Schlecht für uns Einbrecher, die wir vom Knack in Privathäusern leben.“ Schlecht auch für Taschendiebe. „Die Innenstädte sind wie leergefegt. Geschäfte und Lokale – geschlossen. Ladendiebstähle, wie sollen wir die machen, wie sollen denn unsere Leute ihrem Tun nachgehen, ihr täglich Diebes-Brot erklauen, wenn die Geschäfte geschlossen sind?! Genauso an leeren Bahnhöfen und Touristenhotspots.“ Man müsse wohl bald Kurzdiebstahl beim Arbeitsamt anmelden. Organisierte Autodiebe leiden unter den geschlossenen deutschen Grenzen z.B. nach Polen. Dafür nimmt der Trickbetrug zu: Betrüger, die sich als Polizisten, Feuerwehrleute, Mitarbeiter von Gesundheitsämtern oder Hilfsdiensten ausgeben, tauchen vermehrt auf. Die vermeintlichen Helfer wollen sich Zutritt zu Wohnungen verschaffen, um an Geld und Wertgegenstände zu kommen. Auch im Internet machen sich Abzocker die Corona-Krise zunutze. Sie geben vor, rare Schutzmasken oder Desinfektionsmittel zu vertreiben, liefern diese aber nicht nach Erhalt des Geldes. Andere Internetverkäufer verlangen horrende Preise – zum Teil auch für Klopapier. Es gibt das Sprichwort „Aus Scheiße Bonbons machen.“ Oder eben aus Sch…-Papier Geld. Sehr gutes Geld. Wie Friedrich Merz. Der Bewerber für den CDU-Chefposten ist gut bezahlter Aufsichtsratsvorsitzender beim Klopapierhersteller Wepa. Und macht jetzt quasi mit Klopapier auch Kohle. Pecunia non olet, wie der Lateiner sagt. Geld stinkt nicht. Und Geld aus Klopapier auch nicht. Und überhaupt.