Gierig eicheln


Es gibt Worte, die kannten wir bislang nicht. Schuld daran ist die Politik. Sie oder richtiger die Politiker haben uns schon einige neue Begriffe beschert. Wie z. B. das Wort köhlern für  sich davonstehlen, guttenbergern für abkupfern oder sich Titel erschleichen, westerwellen für dummes, realitätsfremdes Zeug reden. Jetzt ist eicheln dazugekommen. Das meint nicht etwa Waldfrüchte für die im Winter Not leidenden Tiere zu sammeln, sondern für sich selbst gierig zu raffen. Namensgeber ist der einstige Bundesfinanzminister Hans Eichel(SPD, der uns in seiner Funktion bis 2005 zum strikten Sparen aufforderte. Inzwischen ist er Brachial-Streiter gegen Altersarmut und für Doppel- und Dreifachversorgung. Nein, nicht für das gemeine Renten-Volk, sondern für sich selbst. Wie jetzt bekannt wurde, schüttelt es ihn vor Abscheu, dass er für seine langjährigen Dienste an der Allgemeinheit monatlich nur schlappe 8200 Euro Pension bekommen soll. Schließlich war er ja früher auch noch Bürgermeister und Ministerpräsident. Dafür will er jetzt auch noch kräftig Kohle kassieren. Das stünde ihm zu. Meint er. Obwohl er wie alle anderen Politiker niemals eine müde Mark oder einen einzigen Euro in die Rentenkasse eingezahlt hat. Trotzdem will er ein ganz und gar größeres Stück vom Kuchen des staatlichen Versorgungssystems. Und zog deshalb vor Gericht. Das hessische Verwaltungsgericht beschied sein Begehren abschlägig mit der Begründung, der Gesetzgeber habe eine Doppelversorgung ausschließen wollen. Das wiederum ging Eichel an derselben vorbei. So steht unser Hans im Gieren nun in diesem Monat als Kläger vor dem Bundesverwaltungsgericht in Berlin. Das soll ihm seine nunmehr monatlich 8200 Euro Pension – etwa achtmal mehr als die eines ostdeutschen Normalo-Rentners, der sein Leben lang dafür hart geschuftet und in die Rentenkasse eingezahlt hat – auf 14 500 Euro monatlich aufstocken. Und zusätzlich 200 000 Euro nachzahlen. Denn den Hans als ehemaligen Studienrat konnte in der Wirtschaft, wo er wie viele seiner Amtsbrüder ja noch mal kräftig Gas geben und der Rubel gerollt wäre, keiner gebrauchen. Also muss er für sich selbst sorgen.
Man kann es nicht anders sagen: Diese Politiker-Überversorgung ist eine Raffke-Mentalität ohnegleichen. Raffgier – schon in der Bibel als eine der 7 Todsünden gebrandmarkt – scheint eine Art Politiker- und Bankervirus zu sein. Eichels Nachfolger im Amte Peer Steinbrück sagte über sie mal: „Diese Leute haben ihre Institute an die Wand gefahren und jetzt plündern sie sie noch aus.“ Und sah 2007 voraus:  Diese Maßlosigkeit könne dazu führen, dass auch in deutschen Wohnvierteln „die Autos brennen.“ Tun sie inzwischen.
Typen wie Eichel lassen einen an einen Ausspruch des Malers Max Liebermann denken. Der sagte mal, wenn auch in anderem Casus, er könne gar nicht so viel fressen, wie er kotzen müsse.
Was diesen Raffke-Eichel betrifft: So ist es. Da kann einem schon übel werden. Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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