Glatt verarscht

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Wenn die Sache nicht so ernst und gefährlich wäre, könnte man drüber lachen: Wenn sich irgendeine Möglichkeit bietet, gegen die Russen  – nee, das geht zum Glück nicht so einfach – gegen die Russen zu schießen, also Russenbashing zu betreiben, ist der Westen in jeder Form dabei. Denn: Die Russen sind Schuld! Immer. Und an allem.

An den Sommerunwettern, dem ausbleibenden Regen. Dass der BER nicht fertig wird. Eben die Russen. Die sind schuld und immer alles. Wie jetzt bei dem vermeldeten Tod des Ex-Russen in Kiew. Die Westwelt schrie sofort auf, Medien geiferten über den feigen Mord, obwohl nichts bewiesen war. Genau wie bei dem vergifteten Doppelagenten in London: Putin ist dafür verantwortlich! Und auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ sich sofort vor den antirussischen Propagandakarren spannen und war sofort „erschüttert über die brutale Art und Weise, mit der dieser Mord verübt worden sei“. Und auch unser Bundeseitelminister Heiko Maas befriedigte seinen Selbstdarstellungshang und eiferte gegen die Russen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte gekontert: Es sei trauriger Weise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen. Einen Tag später gab der ukrainische Geheimdienst SBU zu, uns glatt verarscht zu haben, denn der Ermordete lebe und man zeigte ihn auf einer Pressekonferenz vor. Der angebliche Mord war ein insze­nierter makabrer Coup gewesen, „um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen“. Steinmeier und Maas schwiegen jetzt fein still und sagten nichts zur ukrainischen Perfidität. Aber egal: Hauptsache, erst mal den Hau-drauf-Knüppel rauszuholen, die Russen zu diskreditieren und auch nach einem Boykott der Fußball-WM zu schreien. Während der Hetzkampagne gegen die Russen ging eins fast völlig unter: Dass die Amis große Truppenverbände während der Zeit durch Brandenburg geschleust haben und sie an die Grenze zu Russland verlegt haben. Um uns vor Russland zu schützen. Was ist dieser extote Journalist für eine erbärmliche Gestalt, sich dafür herzugeben, seine Familie und Freunde, die Welt zu schocken? Journalistisch sollte das „Opfer“ eigentlich „tot“ sein, weg vom Fenster. Aber nein, er ist ein Held. Und bald wird man was Neues finden, um mit den Fingern oder mit dem Knüppel auf die Russen zu zeigen. Und wir Deutschen machen mit. Mit unserer blinden Russenphobie. Die ist nicht auferstanden wie dieser Schmieren­journalist, sondern war und ist immer da. Früher war allein der Bossa Nova Schuld. Er war Schuld daran. Woran auch immer. Heute sind die ­Russen Schuld. Woran auch immer. Und überhaupt.

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