Guck in die Luft

Neulich fand ich beim Stöbern ein altes Kinderbuch von mir: „Der Struwwelpeter“. Beim Wieder-Lesen merkte ich: Man ist das aktuell! Zum Beispiel die Geschichte vom Hans Guck-in-die-Luft. Ein Junge, der mit seinen Gedanken ganz woanders ist. Zu merken daran, dass er den Blick zum Himmel gerichtet hat – und deshalb erst einen Hund über den Haufen rennt, anschließend zur allgemeinen Erheiterung ins Wasser fällt.
Hat das nicht was von der FDP, denke ich? Also nicht die Bundes Blau-Gelben, derentwegen allein der Papst ja im Bundestag war, um ihnen die letzte Ölung zu verabreichen. Denen steht das Wasser des Versinkens in die Bedeutungslosigkeit ja bis zur Oberkante Unterlippe. Nein, ich meine die Landes-Rösslerianer. Die hatten ja mal drei Punkte im Namen – jeder Punkt ein Prozent Wählerstimmen. Heute ohne drei Namenspunkte, aber auch kaum noch so viele Wählerstimmenprozente mehr. Nicht desto trotz träumen die Liberalen davon, bei der nächsten Wahl 2014 wieder in den Landtag einzuziehen. Doch dafür haben sie nicht mal ein zündendes, die Brandenburger interssierendes Thema, um sich dafür zu profilieren. Und so marschieren sie weiter durchs Land wie Hans, der Luftgucker, nicht sehend, so bald gänzlich ins Wasser zu fallen. Vielleicht verteilt sie ja bei den nächsten Wahlen statt Kugelschreiber oder Ähnlichem blaugelbe Badelatschen mit FDP-Aufdruck: sogenannte Wahlschlappen…
Könnte  sich auch die CDU machen lassen. Da rennt deren jetzige Polithardliner-Vorsitzende mit ihrer Verschwörungs- und alte-Seilschaften-Phobie luftguckerisch blindlings und wüterich schnaubend wie ein Stier gegen jedes rot-rote Tuch der Landesregierung – und merkt gar nicht, dass die Karawane der Zeit weiterzieht.
Die SPD hat ja auch lange den Blick regierungsduselig himmelwärts gerichtet. Sie musste dann den Blick wieder auf den Boden der Realitäten gerichtet bekommen – in der KWer Stadtverordnetenversammlung haben das einige SPD-GenossInnen selbst getan und nicht mehr mitgespielt – und etliche führende Skandalkader zur Erheiterung der Märker in die Wüste geschickt.
Darin wiederum tut sich die Linkspartei nicht leicht. Im Lande steht sie in erster Reihe. Auch in Stadtparlamenten wie KW hat sie Realo-Leute. Aber in Landkreisen wie LDS marschiert sie in der politischen Bedeutung in letzter Zeit ob ihrer alten und neuen Altdenker hintenan. Auch wenn die behaupten, dass dort vorne sei. Eine junge Garde des Link(s)ariats will das jetzt wieder richten.
Ach ja, und dann haben wir ja noch die Grünen. Fast hätte ich die vergessen. Spielen auch keine Rolle weiter in der Landespolitik – außer, dass sie gelegentlich mal gegen die Rot-Rote Regierung anmotzen. Sonst sind die Grünen meist damit beschäftigt, die Folgen daraus zu mindern, dass sie wie Hans guck in die Luft nicht merkten, dass ihr Schatzmeister ein Meister für sein Schätzchen war und sich der Grüne vermutlich derentwegen mit dem Parteienschatz auf ins Blaue machte.
Jaja, unsere Parteien. Wie heißt es im Volksmund: Macht ohne Verstand hat keinen Bestand. Erst recht, wenn man wie Struwwelpeter gen Himmel schaut und die Realität über den Haufen rennt.
Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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