Halleluja, wenn die Glocken klingen

Kennen Sie einen lustigen Satz mit Weihnachtsfest? Ich wüsste da einen: Der Elch hält sein Geweih nachts fest. Nicht der Brüller? Naja, jedenfalls feiern wir nächste Woche das Weihnachtsfest. Wieso eigentlich? Es kommt doch jeden Tag vor, dass ein Mensch geboren wird, der dann später für Gott gehalten wird. Ja, nun sind sie wieder da: die Tage des Weihnachtsseligkeitsgebimmels in den Supermärkten und im Radio. Der Weihnachtsmann selbst ist ja nun auch etwas ins sexistische und pädagogische Zwielicht geraten. Weil er auch mal Frauen betatscht oder Kinder haut. Bei Freunden klingelte der Alte letztes Jahr Heiligabend auch an der Tür. Das Kind machte auf, der Weihnachtsmann brabbelte was in seinen Bart von einem dicken Sack und einer Rute. Daraufhin rannte das Kind schreiend zu den Eltern: „Mutti, Mutti, der Perverse ist wieder da!” Der Perverse mit der Rute – wollen wir ihn reinlassen? Klar, er bringt doch die Geschenke! Keine kleinen, sondern große für die Kleinen und kleine für die Großen. Hauptsache, viele und das Neueste von allem – und teuer!

Früher war Weihnachten anders. Als ich noch ein kleiner märkischer Hosenmatz war, freuten wir Kinder uns über die Geschenke noch wie Bolle: ein Teller mit Süßigkeiten, eine Kuba-Apfelsine, ein Schokoladenweihnachtsmann, ein neues Hemd, ein Spielzeugauto und ein paar selbstgestrickte Handschuhe von Oma. Wir hatten für die Eltern etwas in der Schule gebastelt. Damit waren wir alle glücklich. Der Sinn des Weihnachtsfestes ist ja in den letzten Jahren etwas verloren gegangen. Besonders bei uns im Osten, wo Weihnachten zur Jahresendfeier mutierte. In der Marktwirtschaft hat es wieder einen tieferen Sinn bekommen: Koofen, koofen, koofen! Nachbars Tochter wünscht sich diesjahr zu Weihnachten ein Pferd. Bisher gab es bei ihnen immer Entenbraten. Sie fragen sich vielleicht, ob der Weihnachtsmann mir auch was bringt? Eigentlich war ich ja immer artig: Meine „Angemarkt“-Beiträgen sind nicht bös-artig, die Auswahl der märkischen Schönheiten nicht ab-artig, meiner Holden gegenüber bin ich nicht un-artig, zwar manchmal – wie sie meint – eigen-artig-, aber immer auch einzig-artig. Weihnachten ist – egal, ob man es nun mag oder nicht – ein besonderes Fest. Ein Tag der Nächstenliebe. Kein Nächster zum Lieben da? Na, dann nehmen wir eben den Übernächsten! Es ist ein Fest, bei dem der Familienfrieden hervorgekehrt wird. Ein Tag, der der Völlerei und dem Trinken, der Gefühlsduselei, dem Verteilen und der Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und dem häuslichen Protzen gewidmet ist, wie ihn der amerikanische Schriftsteller Ambrose Bierce nannte. Manchmal auch einer des handfesten Streits unterm Lichterbaum. Aber eigentlich sollte er nur ein Tag der Liebe sein. Ein Tag, an dem süßer die Glocken von Papa nie klingen. Halleluja! Bei manchen Paaren ist ja Weihnachten öfter als Ehesex. Aber eines bleibt: Zu Weihnachten wird „jut geschmaust“. Traditionell eine Gans, denn eine „jut jebratene Jans is ne janz jute Jabe Jottes“, wie auch schon der Olle Fritz wusste und wie wir vom KaWe-Kurier es seit 30 Jahren verlauten. Und da nichts schwerer ist zu ertragen als eine Reihe von guten, essenschweren Tagen, freuen wir uns, wenn die Festtage vorüber sind: Jetzt wird kürzer getreten! Weniger gegessen. Vielleicht mal nur eine einfache Sinfoniesuppe, also einen Erbseneintopf mit Würstchen. Der macht Musik! Aber so was von! Und stimmt auf das Silvestergeböller mit seinem Lärm und Gestank ein. Jedenfalls Ihnen allen ganz und gar schöne Feiertage! Und einen schönen Glockenklang! Wie auch immer. Und überhaupt.