Kdf-Reisen: Verheerend

Weihnachten steht vor der Tür. Das erste Kriegsweihnachten seit 65 Jahren! Ist das nicht wunderbar?! Kriegsweihnachten? Ein  bisschen Krieg haben wir doch in Afghanistan, wie unser neuer Verteidigungsminister zu Guttenberg neulich zugab. Guttenberg – das ist der mit der Personalpronomensammlung, bei dessen Frisur man meint, dass der nächste Krieg ums Öl vorprogrammiert ist… Und der jetzt in der Lageeinschätzung nicht mehr so richtig durchsieht. Sein Vorgänger Jung sah ja nicht nur in der Einschätzung dieser Lage immer ziemlich alt aus. Der sah sich ja dann auch als Kurzzeit-Arbeitsminister nur im Krieg mit den Medien, die ihm da wie dort Unfähigkeit attestierten. Und dafür nun 5000 Euro Schmerzensgeld, vornehm mit Pension umschrieben, kassiert. Nee, nicht einmal, sondern jeden Monat!
Also haben wir so was wie ein bisschen Krieg in Afghanistan, wie unser nunmehriger Maßanzug-Kriegsminister sagte. Ein bisschen Krieg? Ist das so wie ein bisschen schwanger? Im Krieg ist soll es ja wie in der Liebe sein: Alles ist erlaubt. So eben auch Lügen.
Jedenfalls stehen  unsere Jungs in Uniform nicht nur dort im Kampf, sondern auch anderswo in der südlichen Welt. Getreu dem Motto der Bundesregierung und ihrem Auslandsreiseunternehmen namens Bundeswehr: „Kdf- Keiner darf frieren!“. Hier werden junge Deutsche in die warme Sonne des Südens geschickt, um  ihren Hintern für politische Interessen hinzuhalten. Die so Verschickten sind über die Benennung des Einsatzes als das, was er ist, nämlich ein Krieg, nicht so böse. Denn bisher gibt es keinen Plan, kein Konzept, keine Alternativen. Jetzt wenigstens einen Namen. Und somit auch wieder regulär im Krieg Gefallene. Das klingt doch ganz anders und viel heldischer als vielleicht „im Ausland Verunfallter“.
Was die damaligen Obersten Befehlshaber Schröder und Fischer einst anzettelten, setzt nun die neue Oberste Heeresführung unter Merkel und Westerwelle fort und will verheerend im Januar beschließen, wohlmöglich noch mehr deutsche Jungmannen in den heiligen Feldzug nach Afghanistan zu schicken. Doch erst nach der nunmehr ersten offiziellen Kriegsweihnacht. 59 Mio Euro sollen 2010 auf die diesjährigen Kriegskosten in Afghanistan von 785 Mio Euro noch mal draufgeknallt werden! Das ist uns dieser Krieg fern von deutschen Landen doch wert!
Doch was ist medienmäßig mit unseren Jungs, die schon jetzt dort im Kriege stehen? Bis jetzt ist es eher mäßig. Wo sind die täglichen Frontberichte in der Zeitung mit den großen Buchstaben? Bringt das Fernsehen eine neue Serie „Kriegstraumatisiert – Vera am Nachmittag hilft“? Sucht RTL einen neuen Quotenstar mit „ Ich bin im Afghanistan-Kriegsdschungel – Hilfe, holt mich hier raus!“, spielen vielleicht ein paar Folgen von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ im Kriegscamp? Eine Rateshow  „Was machen wir eigentlich dort in Afghanistan?“ wäre auch möglich. Genauso wie auch ein „Wetten, dass …(…wir den Krieg hier nicht gewinnen)“ aus dem Bundeswehrlager. Oder gar endlich ein Weihnachtskriegsfest der Volksmusik mit Florian Silbereisen live vom Kundus?
Sucht Bohlen bald den Superstar der Kampfeinheiten?
Doch auch an der Heimatfront sollten wir nicht untätig sein. General Winter wird gegen unsere Jungs zum Angriff blasen. Wann gibt es die ersten Winterhilfsaktionen? Oder Eintopfsonntage, Gold-gab-ich-für-Eisen-Sammlungen? Wann werden Ein-Euro-Volkssturm-Jobber am Hindukusch zum Einsatz gebracht? Könnten nicht Mütter, Frauen, Freundinnen unserer Kämpfer dazu aufrufen, warme Socken, gefütterte Unterhosen oder Ohrenschützer zu stricken? Sollte nicht unsere Kreis-Volkshochschule bald einen Strick- oder Häkelkurs auflegen? Denn: Kdf – Keiner darf frieren. Kraft durch Fäustlinge.
Es gibt viel zu tun. Obwohl es in einem Krieg ja immer einen gibt, der verliert. Und den, der nicht gewinnt.
Frohe Weihnachten. Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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