Kein Bürgermeister arbeitet allein

Georg Hanke im Gespräch mit dem KaWe-Kurier

Das Gespräch mit dem SPD-Bürgermeister-Kandidaten für Königs Wusterhausen begann mit einer Überraschung: Der stark sehbehinderte Georg Hanke kam allein und ohne Begleitung in die Redaktionsräume des KaWe-Kuriers. Daraus ergab sich dann auch gleich die erste Frage:

Sie sind ohne Begleitung zu uns gekommen. Ist das nicht schwierig für Sie?

Nein, eigentlich nicht. Ich lebe ja schon seit fast 25 Jahren in Königs Wusterhausen. Als ich damals herkam, konnte ich noch besser sehen. Den KWer Stadtplan habe ich im Kopf. Und ich wusste ja, dass sich die Redaktion des KaWe-Kuriers im Gebäude von Fahrrad Ranzinger befindet. Es war also nicht schwer, hierher zu finden. Natürlich muss ich mir vorher Gedanken machen, welche Route ich wähle – wegen der Straßenüberquerungen. Aber das ist für mich kein Problem.

Sie sind Dozent an der Finanzschule des Landes in Königs Wusterhausen. Wie sehr schränkt Sie Ihre Sehbehinderung im Beruf ein?

Eigentlich gar nicht. Durch die moderne Computertechnik – die Sprachfunktion meines Computers liest mir beispielsweise alles vor – bin ich als Dozent voll berufstätig. Ich arbeite weitestgehend wie meine Kollegen.

Gibt es psychologische Barrieren in Gesprächen mit anderen Menschen?

Bei meiner Wohnzimmertour bin ich mit vielen Königs Wusterhausenern ins Gespräch gekommen. Dabei hat sich gezeigt, dass anfängliche Barrieren schnell überwunden waren. Ich gehe sehr offen mit meiner Behinderung um – das merken die Menschen.

Falls Sie zum Bürgermeister von Königs Wusterhausen gewählt werden: Wie wollen Sie diese verantwortungsvolle Arbeit bewältigen?

Natürlich wird es auf Grund meiner Behinderung Probleme geben. Zum Beispiel bei der Überwindung von Wegstrecken mit dem Auto. Aber bei den meisten Terminen sind ja neben dem Bürgermeister auch die Spezialisten gefragt. Also wird der zuständige Fachbereichs- oder Sachgebietsleiter dabei sein und ich fahre dann einfach mit. Das macht die Arbeit zudem effektiver!

Und seien wir doch mal ehrlich: Kein Bürgermeister – ob nun mit oder ohne Handicap – ist heut zu Tage ein Einzelkämpfer!

Falls ich gewählt werde, brauche ich natürlich einen Büroleiter als meine „rechte Hand“, der mir bei der Koordination der Arbeit hilft. Das muss in meinem Fall eine absolute Vertrauensperson sein. Aber das hat ja beispielsweise der Landrat auch. Und so stelle ich mir das auch bei mir vor.

Sie stammen ursprünglich aus Bonn. Wie sind Sie nach KW
gekommen?

Das war Anfang der 1990er Jahre. NRW war damals das Partner-Bundesland von Brandenburg und half u.a. beim Aufbau der neuen Finanzverwaltung. Am 8. Dezember 1991 war ich das erste Mal in Königs Wusterhausen, um eine Fortbildungsveranstaltung für Finanzbeamte zu geben. Das hat gut geklappt und so bin ich allein in den Jahren 1991 und 92 insgesamt 13 Wochen hier gewesen. Als klar war, dass in Königs Wusterhausen die Finanzschule des Landes Brandenburg gegründet werden sollte, habe ich mich beworben und am 1. Januar 1993 meinen Dienst hier angetreten. Ich fand es von Anfang an schön hier – auch weil ich meine Frau hier kennengelernt und nicht wieder losgelassen habe. 1994 war Hochzeit, wir sind inzwischen 23 Jahre glücklich verheiratet und Eltern dreier Töchter. Ich habe mein berufliches und persönliches Glück in Königs Wusterhausen gefunden.

(Gesprächsführung: VE; F: VE)

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