Lasst doch die Kirche im Dorf!

Sonntag wars. Ostersonntag. Da ist Jesu wieder auferstanden. Steht so in der Bibel. Nicht erst Sonntag wars, da ist seine Erbin geschaffen worden: Greta, die Klimaaktivistin. Zwar kein neuer Messias, aber eine „echte Prophetin“. So himmelt sie der Oberhirte der Berliner Katholiken Erzbischof Koch an. Er glorifiziert sie, weil sie eine Öko-Heilsreligion geschaffen hat. Deren Kirche ist die Fridays-for-Future-Bewegung mit dem Schulstreik am Freitag. Auch in KW gab es vor Ostern den ersten. Unbestritten: Das Engagement und die Leidenschaft der jungen Schwedin und der Demonstranten zugunsten des Klimaschutzes verdienen Respekt. Weil sich die jungen Leute mit Zukunftsfragen unseres Planeten, mit Zukunftsfragen unseres Landes auseinandersetzen. Die Jugendlichen fordern zu Recht einen besseren Schutz des Klimas und mehr Engagement der Politik dafür. Aber helfen sich die Demonstranten auch selbst, indem durch Schulstreiks Unterrichtsstunden ausfallen? Wo eben das sonst beklagt wird. Weshalb Demos nicht in der Freizeit? Weil es „geiler“ ist, die Schule zu schwänzen? Wäre es nicht glaubwürdiger, wenn Schüler nach Schulschluss auf die Straße gehen würden und damit in ihrer Freizeit ein persönliches Opfer bringen würden? Der Kampf ums Klima ist für manche zu einer Art Ersatzreligion geworden. Eine europaweit rumgereichte und vermarktete, inhaltlich sichtlich überforderte 16-Jährige mit ihren berechtigten Klima-Predigten wird zur neuen Ikone nicht nur in kirchlichen Kreisen verklärt. Ikonenanbetung hat jedoch noch nie was bewirkt. Aber ihre Anbetung fällt leichter, als wirklich etwas fürs Klima zu tun. Und viele versuchen, die Popularität der jungen Schwedin gern wie Wasser auf die eigenen Mühlen zu lenken. Wie das Fernsehen, das ihr eine Goldene Kamera für den Klimaschutz in die Hand drückte – und als sie weg war, perverserweise dem VW-Konzern als CO2-Sünder eine für dessen neuen SUV. Es macht ja weniger Mühe, diese Greta zu loben, als tatsächlich den Stickstoffoxid-Ausstoß zu senken. Was diese Greta auch nicht verdient, ist das anbiedernde Lob der Kanzlerin, gegen deren Politik sich die Fridays-for-Future-Bewegung unter anderem wendet. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt glorifiziert sie wie auch Bischof Koch als Idol. Er lässt sich darüber aus, die Freitagsdemos erinnerten ihn ein wenig „an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem“. Wandelt Klima-Gretl in den Spuren Christi? Am Mittwoch war sie zur Audienz beim Papst. Fehlt eigentlich nur noch ihre Heiligsprechung. Lasst die Kirche im Dorf und Greta ihre Schule zu Ende machen. Und überhaupt.