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Lebendige Erinnerungskultur im Gedenkort Jamlitz

Die Gedenkstätte zum ehemaligen Außenlager des KZ Sachsenhausen wird erweitert

Zum ersten Mal besuchte Kulturministerin Manja Schüle in der vergangenen Woche das ehemalige KZ-Außenlager Jamlitz/Lieberose, um sich über den Gedenkort zu informieren. Begleitet wurde sie von der Bundestagsabgeordneten Sylvia Lehmann, in deren Wahlkreis die Gedenkstätte liegt. Mit dabei waren außerdem Axel Drecoll (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten), Anett Quint (Leiterin des Justus-Delbrück-Hauses) und Amtsdirektor Bernd Boschan. Über die wechselvolle Geschichte des Ortes als KZ-Außenlager und sowjetisches Speziallager informierte der Historiker und Leiter der Dokumentationsstelle, Andreas Weigelt.

Das Außenlager Jamlitz des KZ Sachsenhausen entwickelte sich im Laufe des Jahres 1944 zum größten Lager mit jüdischen Häftlingen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches. Von 1943 bis 1945 leisteten dort rund 10000 KZ-Häftlinge aus ganz Europa Zwangsarbeit. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen mussten sie den Truppenübungsplatz „Kurmark“ der Waffen-SS bei Lieberose bauen. Im Februar 1945, unmittelbar vor der Räumung des Lagers, ermordete die SS 1342 Häftlinge in den Krankenbaracken. Weniger als 400 Menschen überlebten.

Seit September 1945 wurde das Lager vom NKWD als sowjetisches Speziallager Nr. 6 weitergenutzt. Festgehalten wurden dort neben ehemaligen Mitgliedern der NSDAP in erster Linie viele willkürlich Verhaftete, Jugendliche und vor allem ­politisch Missliebige, die der Errichtung des stalinistischen Systems in der sowjetischen Besatzungszone kritisch gegenüberstanden. Das Speziallager Nr. 6 bestand bis April 1947. Von insgesamt 10300 Insassen starben in knapp zwei Jahren mindestens 3380 Menschen. Manja Schüle betonte bei ihrem Besuch: „Als Ort des größten Massenmordes an Jüdinnen und Juden außerhalb der Hauptlager auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg ist Jamlitz landesweit der wichtigste Ort der Shoah. Wir brauchen diese authentischen Orte wie Jamlitz für eine aktive, lebendige Erinnerungskultur, um jedweder Form von Revanchismus, Fake News und rechter Hetze entgegenzutreten. Ich bin überzeugt: Investitionen in die Erinnerungskultur sind Investitionen in die Zukunft.“

Die Gedenkstätte Jamlitz wurde in Zusammenarbeit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und Land, dem Amt Lieberose, dem Jugendhilfeverein KARUNA und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG) in Abstimmung mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland entwickelt. Erst kürzlich hat der Stiftungsrat der SBG beschlossen, dass Jamlitz künftig Teil der Stiftung werden soll. Insgesamt 750000 Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR stellt das Kulturministerium zur Erweiterung des Gedenkortes zur Verfügung. Damit soll ein Gebäude auf dem Gelände saniert und mit Arbeitsräumen, Archiv und Bibliothek für die Bildungsarbeit ausgestattet werden. Die Erweiterung wird von der Bundestagsabgeordneten Sylvia Lehmann außerordentlich begrüßt: „Gerade heute, wo es nur noch wenige Zeitzeugen gibt, ist es unsere Aufgabe, Gedenkorte zu bewahren und jede Form von Holocaustleugnung zu verurteilen“, sagt sie.

RED / PI SPD

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