Lernen am richtigen Ort

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Die Grundschule von Senzig platzt aus allen Nähten. Ein Neubau muss her – nur: Wo soll er hin? Foto: T. Müller

Bullenberg oder Ringstraße? Am Senziger Schulneubau scheiden sich noch immer die Geister

Die Auseinandersetzungen um die Standortfrage für einen Schulneubau in Senzig schlagen derzeit hohe Wellen. Die Stadt hatte vor wenigen Tagen einen neuen Beschlussentwurf für die Stadtverordnetenversammlung vorgelegt, nach der der bereits beschlossene Bauplatz Bullenberg an der Chausseestraße gleich neben dem Feuerwehrgebäude verworfen und statt dessen wieder das Grundstück an der Ringstraße 28 ins Spiel gebracht wird.

Dem siebenseitigen Papier des Bürgermeisters, das die Notwendigkeit eines Neubaus ausdrücklich betont, ist eine aktuelle Prüfung der drei möglichen  Bauorte am jetzigen Schulplatz in der Lindenstraße, am bislang vorgesehenen am Bullenberg (Chausseestraße) sowie im Wohngebiet an der Ringstaße vorausgegangen. Dieser Standort, wo sich bereits Turnhalle, Jugendclub, Sport- und Spielplätze befinden, war bereits von der Vorgängerverwaltung favorisiert worden. Er wurde mehrheitlich von den Stadtverordneten abgelehnt, die sich statt dessen in einem Beschluss im Herbst 2016  auf den Hang des Bullenbergs festlegten. Die neue Stadtverwaltung stoppte aber das Verfahren, weil sie gravierende naturschutzrechtliche Probleme auf sich zukommen sah und auch längst nicht alle Grundstücksfragen als geklärt ansah.

In dem nun vorliegenden neuen Entwurf  wird die Variante eines Erweiterungs- und Neubaus auf dem jetzigen Seegrundstück am Dorfanger aus Platzgründen verworfen. Begründet wird dies vor allem damit, dass die benötigten rund 5500 Quadratmeter Freifläche für Sport-, Pausen- und Nebenanlagen ohne einen Zukauf von Nachbargrundstücken nicht zur Verfügung stünden. In dem Papier heißt es, dass derzeit bei den Eigentümern kein Interesse zum Verkauf bestünde.

In der Abwägung aller Vor- und Nachteile der beiden anderen Standorte sprechen sich Bürgermeister und Stadtverwaltung schließlich klar für das Gebiet an der Ringstraße und Parkpromenade aus. Als Argumente führen sie ins Feld, dass sich die Grundstücke in kommunalem Eigentum befinden, dass bereits eine Turnhalle  vorhanden ist, die allerdings erweitert werden müsste, und dass der Bau schließlich mit rund 11,2 Millionen Euro Gesamtkosten erheblich billiger sei als die veranschlagten 14,2 Millionen für den Bullenberg. Ein weiterer Pluspunkt – die Gebäude und attraktiven Flächen am Krimnicksee könnten in Gemeinde-Eigentum bleiben. Für weitere eine Million Euro sollen sie in ein kommunales generationsübergreifendes Zentrum verwandelt werden, in das auch der Jugendklub einziehen soll. Er müsste einem Neubau an der Ringstraße weichen. Der notwendige Umzug dieser Einrichtung, bislang nicht vorhandenen Gehwege sowie die schlechte Parkplatzsituation werden in der Beschlussvorlage als Nachteile dieser Variante aufgeführt.

Genau daran entzündet sich auch der Widerspruch, der auch jetzt nicht einfach verstummt. Als erstes Gremium beriet der Ortsbeirat von Senzig in der vergangenen Woche über die neuen, alten Vorstellungen aus dem Rathaus – und lehnte sie mit 4:2 Stimmen ab. Statt dessen plädierte man für die Einhaltung des Beschlusses zugunsten des Bullenberges. Der Standort böte alle Voraussetzungen, um die Gesamtentwicklung des Ortes voranzubringen. Er sei eine einmalige Gelegenheit, die man nicht verspielen dürfe. Eine Schule in der Ringstraße inmitten des Wohngebietes sei dagegen auch nur eine Kompromisslösung, die zu neuen Problemen führe.

Allerdings widerspiegelt das knappe Abstimmungsergebnis, dass die Senziger in den Fragen um den Schulneubau durchaus hin und her gerissen sind. Immerhin gab es seinerzeit auch weit mehr als 1000 Unterschriften gegen einen Schulstandort am Bullenberg. So wollte sich denn auch der Förderverein der Schule, in dem sich Eltern und Unterstützer aus dem Ort für das Wohl der Schüler ­engagieren, nicht positionieren. Auch die SPD/Wir-für-KW-Fraktion hat bislang noch kein abschließendes Urteil getroffen. Man wolle den neuen Vorstoß des Bürgermeisters kritisch, objektiv und unvoreingenommen prüfen und würdigen, heißt es in einer ersten Stellungnahme. Allerdings beinhaltete die Vorlage des Bürgermeisters auch Ungereimtheiten, wie etwa die Behauptung, dass der Grundstückspreis für den Bullenberg nunmehr um 400 Prozent gestiegen sei. „Wie Herr Ennullat auf diesen Wert kommt, ist demnach unklar und klärungsbedürftig“, so der Stadtverordnete und Bildungsausschuss-Mitglied Tobias Schröter.

Klar und eindeutig bekennt sich immerhin die Freie unabhängige Wählergemeinschaft Königs Wusterhausen (FWKW) zum Bau in der Ringstraße. „FWKW ist überzeugt, dass der ­vorgeschlagene Kompromiss sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch des gesamten Ortsteils Senzig angemessen berücksichtigt“, sagt deren Vorsitzender Benno  Breitmeier. „Der Vorschlag zeugt außerdem von einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln und vermeidet Mehrkosten in Millionenhöhe.“ Benno Breitmeier ist übrigens Senziger und stellvertretender Ortsvorsteher. Die Lage ist derzeit also wirklich nicht ganz übersichtlich im Ort. Die neue Beschlussvorlage wird in der kommenden Woche in mehreren Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung diskutiert. Am 9. Juli sollen die Abgeordneten von Königs Wusterhausen eine Entscheidung fällen. Übrigens steht jetzt schon fest, dass die neue Schule frühestens 2022 – und damit schon mal ein Jahr später als geplant – eröffnet werden kann.

TM

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